Mahana

Lee Tamahoris feierliche Rückkehr nach Neuseeland verwebt klassisch und nahegehend Familiensaga, Coming of Age und Melodram

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aka Mahana – Eine Maori-Saga, Lee Tamahori, NZ 2016
Kinostart: 01.09.2016
Story: An der Ostküste Neuseelands rivalisieren die verfeindeten Familienclans der Mahanas und Poatas in den 1960ern im Schafescheren. Als der 14-jährige Simeon gegen seinen Großvater, den Patriarchen Tamihana Mahana aufbegehrt, entdeckt er ein Familiengeheimnis. Und macht sich Tamihana zum Feind.
Von Thorsten Krüger

22 Jahre, nachdem er mit dem Schock-Drama „Die letzte Kriegerin“ seine internationale Karriere startete und anschließend in Hollywood zwei Dekaden lang mit Mainstream-Durchschnitt versauerte („Stirb an einem anderen Tag“), kehrt Lee Tamahori in seine Heimat zurück. „Mahana“ hat nicht ganz die Durchschlagskraft von 1994, aber mit manch Mitwirkenden des Debüts findet er zu seinen lange vermissten Stärken zurück.

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Suicide Squad

Ein stargespicktes Antihelden-Ensemble posiert peinlich, bewegt aber unerwartet im durchwachsenen Comic-Action-Bohei

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David Ayer, USA 2016
Kinostart: 18.08.2016
Story: Als Maya-Dämonen Gotham City verwüsten, bildet die Regierung notgedrungen eine Spezialeinheit aus den sechs übelsten Superschurken, um Feuer mit Feuer zu bekämpfen. Profikiller Deadshot, Joker-Geliebte Harley und andere mutierte Schwerverbrecher ziehen unfreiwillig los, um den Terror aufzuhalten.
Von Gnaghi

Trotz eines katastrophalen Werts von nur 26% positiven Kritiken bei Rotten Tomatoes wartet die Comicversion von „Das dreckige Dutzend“ mit Features auf, die das tonal-stilistische Chaos in „Suicide Suqad“ aufwerten, wenn nicht gar retten. Adrenalin-Regisseur David Ayer („Herz aus Stahl“, „Sabotage“) lässt das Figuren-Arsenal mit Kiddie-Posen häufig nerven, entdeckt aber verblüffend menschlich-mitfühlende Seiten an ihnen.

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Jason Bourne

Bourne Nr. 5: Der überwiegend fesselnde Actionthriller um den Ex-Agenten wirkt oft genug phrasenhaft und inhaltlich dünn

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Paul Greengrass, USA 2016
Kinostart: 11.08.2016
Story: Um die Folgen eines Hacks von Snowden-Dimensionen abzuwenden, lässt CIA-Direktor Dewey die Täterin töten und setzt Karrieristin Lee auf Jason Bourne an, der in Besitz der Daten gelangt ist, die Brisantes über das Agenten-Programm enthüllen. Bei der Todeshatz durch Europa kommen Lee Zweifel.
Von Thorsten Krüger

Im fünften Teil der 2002 ins Leben gerufenen Agenten-Reihe nach Robert Ludlum steht die Wiedervereinigung des Dreamteams Matt Damon als „Jason Bourne“ und Regisseur Paul Greengrass („Captain Phillips“) an, die im zweiten und dritten Auftritt Actionthriller-Maßstäbe setzten und die Verunsicherung der Post-9/11-Ära auf den Punkt brachten. Aber was damals Standards definierte, ist anno 2016 nur noch professionelle Routine.

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The Visit

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aka The Visit – Eine außerirdische Begegnung, aka The Visit: An Alien Encounter, Michael Madsen, DK/A/IRL 2015
Kinostart: 22.09.2016

Der dänische Konzeptkünstler und Regisseur Michael Madsen hat sich mit der prämierten Endlager-Meditation „Into Eternity“ 2010 einen Namen in der Doku-Gemeinde gemacht. Mit dem gleichen experimentellen Stilwillen nimmt er nun ein Ereignis vorweg, das (noch) nicht eingetreten ist: Der Erstkontakt mit Aliens, die auf der Erde landen. „The Visit“ (nicht zu verwechseln mit M. Night Shyamalans gleichnamigen Gaga-Grusel) positioniert sich als fiktionale Doku und in jeder Hinsicht als Gegenstück zu Emmerichs Destruktions-Spektakel „Independence Day: Wiederkehr“.

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Lights Out

Familien-Horror: psychologisch starker Schocker um ein Schattenwesen, das die Angehörigen einer Depressiven heimsucht

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David F. Sandberg, USA 2016
Kinostart: 04.08.2016
Story: Als ihr kleiner Halbbruder Martin von dem gleichen Geist heimgesucht wird, wegen dem Rebecca ihre psychisch labile Mutter Sophie verließ, nimmt sie ihn zu sich. Mit Freund Bret versucht sie das dunkle Geheimnis aufzuklären, das Sophie mit Diana verbindet, die nur erscheint, wenn die Lichter aus sind.
Von David McAllan

Licht aus – ein weibliches Schattenwesen ist im Raum. Licht an – es ist verschwunden. Basierend auf seinem viralen 3-Minüter von 2013 setzt Debütant David F. Sandberg dieses visuelle Konzept furchteinflößend gut um. Den sehr attraktiv besetzten „Lights Out“ produzierte „Conjuring“-Beschwörer James Wan, Eric Heisserer („Nightmare“-Remake) schrieb das Skript für ein Debüt, das Horror und Familienstory fies verwebt.

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Pets

Hübscher Animationsspaß, der im Autopilot-Modus eine gagreiche Verfolgungsjagd sprechender Haustiere durch Manhattan veranstaltet

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The Secret Life of Pets, Yarrow Cheney, Chris Renaud, J/USA 2016
Kinostart: 28.07.2016
Story: Als Frauchen Katie ihrem treuen Hund Max den riesigen Neufundländer Duke vor die Nase setzt, entbrennt ein Rivalitätsstreit, in dessen Verlauf beide verloren gehen und vor Hundefängern flüchten. Max‘ Verehrerin Gidget führt einen Suchtrupp an, Killerkaninchen Snowball und seine Gang einen zweiten.
Von Caroline Lin

Das Animationsstudio Illumination Entertainment erinnert an seinen Hit „Minions“ gleich im Vorfilm, wo die gelben Chaoten einen Vorgarten zerlegen. So witzig und schwungvoll nimmt sich auch der Auftakt zu „Pets“ aus, bei dem der Regisseur der beiden „Ich – einfach unverbesserlich“-Teile, Chris Renaud, sowie sein Produktionsdesigner Yarrow Cheney sich die Spielleitung teilen. Dann schaltet der 3D-Spaß auf Autopilot.

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The Purge: Election Year

Stimmungsvolle US-Gesellschaftskritik per dystopischer Exploitation, die mit kräftigem Gewalteinsatz satirisch-subversiv austeilt

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James DeMonaco, F/USA 2016
Kinostart: 15.09.2016
Story: Senatorin Charlie kandidiert für das Amt des US-Präsidenten und will die „Purge“-Nacht, in der Verbrechen ungesühnt begangen werden dürfen, abschaffen. Leibwächter Leo hat alle Hände voll zu tun, als Charlies Widersacher ihr prompt ein Killerkommando schicken. Nun müssen sie die Säuberung überleben.
Von Max Renn

Nach der schwachen Fortsetzung „The Purge: Anarchy“ findet James DeMonacos dystopische B-Thriller-Reihe zu einem modus vivendi, der Polit-Horror-Satire mit den Wonnen des Exploitation-Kinos vereint. „The Purge: Election Year“ erzeugt mit Klassenkampf, Bürgerkrieg, Attentaten, Waffenwahn und Populismus-Wahlkampf ein monströses (Zerr?)Bild der USA, optisch wie weltanschaulich finster, ganz gegen das Establishment.

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Cell

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Tod Williams, USA 2016
ohne deutschen Start

„Cell“, die neueste Adaption eines Stephen-King-Romans (es handelt sich um „Puls“ von 2006), beginnt vielversprechend und kann in der rasanten Auftakt-Apokalypse mit Danny Boyles „28 Days Later“ und Zack Snyders „Dawn of the Dead“-Remake mithalten: Ein Handysignal lässt alle, die gerade telefonieren zu Crazies werden und als Amokraser jeden abschlachten, der noch nicht zur Mordmaschine mutiert ist. Es herrscht Krieg und Chaos. Der gewaltbereite, rasende Mob – Folge eines Terroranschlags oder der nächste Schritt der Evolution?

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Before I Wake

Mike Flanagan strickt nach bewährten Mustern eine Traum-Horror-Fantasy und verspricht Innovation, die nicht eintrifft

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Mike Flanagan, USA 2016
Kinostart: 01.12.2016
Story: Seitdem ihr Sohn in der Badewanne ertrank, sind Jessie und Mark untröstlich. Als sie Waisenkind Cody adoptieren, der bereits in mehreren Pflegefamilien war, beginnen glückliche Tage. Bis nachts Schmetterlinge auftauchen – und ihr verstorbenes Kind. Denn Codys Träume, gute wie böse, werden real.
Von David McAllan

Schon mit dem Spiegel-Schrecken „Oculus“ verhieß Mike Flanagan mehr, als er halten konnte. Sein Home-Horror „Before I Wake“ um ein Kind, dessen Gabe ein Fluch wird, weil sich seine Traumaträume zu tödlichen Bedrohungen manifestieren, hat die gleichen Probleme – ist aber noch konventioneller gestrickt. Die namhafte B-Cast Thomas Jane („Wie ein weißer Vogel …“) und Kate Bosworth („Still Alice“) hilft da leider auch nicht.

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Independence Day: Wiederkehr

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Independence Day: Resurgence, Roland Emmerich, USA 2016
Kinostart: 14.07.2016

Wie späte Sequels gelingen, beweist „Findet Dorie“ liebenswert und rührend. Wie man es vermasselt, Roland Emmerich. Hollywoods Master of Desaster nimmt die Feierlichkeiten zum 20-jährigen Jubiläum des SF-Blockbusters „Independence Day“ – der seinen Durchbruch bedeutete und bis heute mein Lieblings-Popcorn-Movie ist – zum Anlass für eine unfassbar abgedroschene Fortsetzung, die zur wahren Fremdschäm-Oper wird und damit zum weiteren Karrieretiefpunkt des Schwaben.

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Verräter wie wir

Stellan Skarsgård und Ewan McGregor überzeugen menschlich in einer John-le-Carré-Adaption mit starker emotionaler Suspense

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Our Kind of Traitor, Susanna White, GB/F 2016
Kinostart: 07.07.2016
Story: Dima, Geldwäscher Nr. 1 für die Russenmafia, muss aus gutem Grund um das Leben seiner Familie fürchten und nutzt in Marrakesch die Zufallsbekanntschaft mit Lyrik-Dozent Perry, um mit dem britischen Geheimdienst MI5 einen Asyl-Deal einzufädeln. Als der scheitert, entschließt sich Perry zu helfen.
Von Jochen Plinganz

Die seit der Jahrtausendwende bereits fünfte Adaption eines Spionageromans von Altmeister John le Carré sitzt nicht mehr so unentschlossen zwischen den Stühlen wie zuletzt „A Most Wanted Man“, sondern findet unter Verzicht auf Action-Standards zu einem Thriller, der personell und emotional so gut funktioniert, dass es sich bei „Verräter wie wir“ um die wohl beste Verfilmung von le Carrés Post-Kalten-Kriegs-Werk handelt.

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Findet Dorie

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Finding Dory, Andrew Stanton, Angus MacLane, USA 2016
Kinostart: 29.09.2016

Die späte Fortsetzung des Pixar-Hits „Findet Nemo“ von 2003 reduziert den Clownfisch und Vater Marlin zu Begleitern des einstigen Sidekicks Dorie. Original-Regisseur Andrew Stanton, der danach den großartigen „Wall-E“ schuf, schenkt in erneuter Kooperation mit dem erfahrenen Pixar-Animateur Angus MacLane („Toy Story 3“) dem blauen Doktorfisch mit Kurzzeitgedächtnisverlust ein für Erwachsene tränenreiches und für Kinder wohltuend gefahrloses Spaß-Abenteuer. „Findet Dorie“ ist in der Tat unvergesslich.

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Julieta

Leblose Rückblenden-Revue von Pedro Almodóvars gesammelter Motivik – nur der gediegene Stil kann sich sehen lassen

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Pedro Almodóvar, E 2016
Kinostart: 04.08.2016
Story: Eigentlich will Julieta Madrid verlassen, um zu ihrem Lebensgefährten Lorenzo nach Portugal zu ziehen, da konfrontiert sie eine Zufallsbegegnung mit der Spur ihrer verschollenen Tochter Antía, die bereits drei Kinder hat. Julieta begibt sich auf die Suche nach ihr und ihrer schmerzvollen Vergangenheit.
Von Caroline Lin

Der iberische Regiemeister Pedro Almodóvar kehrt auf das Terrain von „Sprich mit ihr“ und „Volver“ zurück und adaptiert für „Julieta“ drei Kurzgeschichten der kanadischen Literaturnobelpreisträgerin Alice Munro. Das muss man toll finden. In Ehrfurcht erstarren. Den Regisseur für die Goldene Palme nominieren. Bloß nicht! Hier gibt es nur Gemächliches für ältere Herrschaften wie die Cannes-Jury. Ohne einen Funken Leben.

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The Conjuring 2

Grauen & Gefühl: James Wan beweist auch in der Fortsetzung, dass sein Geisterjägerpärchen hochklassig Angst einjagen kann

The Conjuring 2 Cover

James Wan, USA 2016
Kinostart: 16.06.2016
Story: Gerade erst haben Ed und Lorraine Warren den Poltergeist in Amityville vertrieben, da ruft man sie herbei, um die heimgesuchten Hodgsons und ihre Kinder 1977 vor einem Spuk im Nordlondoner Stadtbezirk Enfield zu befreien. Als sie die Manifestationen stellen, muss Lorraine zurecht Angst um Ed haben.
Von Gnaghi

Die Befreiung der Familie Lutz im „Amityville Horror“ von 1976 (unter gleichem Titel 1979 verfilmt, nebst acht Fortsetzungen und Remake) machte das Pärchen Ed und Lorraine Warren über Nacht zu weltbekannte Dämonologen. Ihrem Wirken setzte „Saw“-Kerkermeister James Wan („Fast & Furious 7“) 2013 ein würdiges Denkmal. Und das Sequel zu seinem Hit, einem der stärksten Horrorfilme der letzten zehn Jahre, hält dessen Niveau.

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Toni Erdmann

Wo der Spaß aufhört: Das groteske, realsatirische, tragikomische Vater-Tochter-Duell ist ein Glücksgriff fürs (deutsche) Kino

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Maren Ade, D/A 2016
Kinostart: 14.07.2016
Story: Nachdem sein geliebter Hund das Zeitliche gesegnet hat, reist Winfried spontan nach Bukarest, um seine Tochter zu besuchen. Die Unternehmensberaterin lässt ihn eiskalt abblitzen, woraufhin Winfried mit Überbiss und Perücke als Toni Erdmann aufkreuzt und ihr unentwegt auf den Pelz rückt.
Von Thorsten Krüger

Der beste Film, der nie die Goldene Palme in Cannes gewann: Nach respektablen Titeln wie „Alle anderen“ deutete wenig daraufhin, dass Maren Ades dritter Film so ein Meisterwerk werden könnte. Aber „Toni Erdmann“ ist ein einmaliger Glücksgriff. Grotesk und tragikomisch entspinnt sich ein 162-minütiges Vater-Tochter-Duell zwischen Alt-68er und Arbeitsplatzvernichterin um (Menschen)Würde, Selbstliebe und Kapitalismus.

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The Neon Demon

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Nicolas Winding Refn, F/USA/DK 2016
Kinostart: 23.06.2016

Nach „Valhalla Rising“ dachte ich, der dänische Regiestilist hätte Genie und Geschmack, nach dem Konsenshit „Drive“ glaubten das alle. Nach „Only God Forgives“ und „The Neon Demon“ sollte jedem klar sein, dass NWR, wie sich der seiner eigenen Coolness Verfallene im Vorspann nennt, weder noch hat. Sondern als Kiddie nur zu oft in der Disco abhing, weshalb er um ein hübsches junges Landei, das in L.A. Karriere als Model macht und an eine misanthropische Szene-Clique gerät, nur eine nichtssagende, substanzlos-selbstverliebte Schwelgerei eines vollendeten Narziss errichtet.

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Bite

Bite Cover

Chad Archibald, CDN 2015
ohne deutschen Start

1989 erschien „Curse II: The Bite“ (bei uns nur „The Bite“ betitelt), in dem der Arm des Protagonisten nach einem Schlangenbiss zur Anakonda mutierte. Die Effekte des kaum bekannten B-Schockers stammten von Screaming Mad George (das ist mal ein Künstlername!) und derartige Transformationseffekte stehen auch im Zentrum von „Bite“. Als zweite, größere Referenz drängt sich „Die Fliege“ von David Cronenberg auf, dessen Landsmann Chad Archibald („The Drownsman“) zum wiederholten Male im dunklen Genre tätig wird und seinen Meister zitiert.

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Money Monster

George Clooney und Julia Roberts als Geiseln in einem Thriller, der satirisch Zeitkritik übt und der Gier-Gesellschaft den Spiegel vorhält

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Jodie Foster, USA 2016
Kinostart: 26.05.2016
Story: Der windige Showmaster Lee erteilt in seiner Börsensendung Aktientipps, durch die Kleinanleger Kyle sein Vermögen verloren hat. Deshalb stürmt er das Studio, legt Lee einen Sprengstoffgürtel an und verlangt Antworten. Produzentin Nancy lässt die Kameras laufen, die Polizei rückt mit Scharfschützen an.
Von Jochen Plinganz

Ein Wutbürger nimmt Geiseln und ist in Echtzeit live auf Sendung – ein lupenreines Thriller-Konzept, dessen psychologische Extremsituation viel mit dem koreanischen „The Terror Live“ gemein hat. Nur liefert „Money Monster“ trotz zunächst plakativer Gangart kein Börsen-Bashing. Statt simpler Antworten hält uns die spannende wie unterhaltsame Tour de Force den Spiegel vor und liefert ein Stück Zeit- und Gesellschaftkritik ab.

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X-Men: Apocalypse

Der emotional mitreißende, stargespickte achte Auftritt von Marvels Mutanten zeigt mit echter Könnerschaft ein Herz für Außenseiter

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Bryan Singer, USA 2016
Kinostart: 19.05.2016
Story: 3600 vor Christus scheitert die finale Machtergreifung des ersten Mutanten Apocalypse in Ägypten. 1983 erwacht er zu neuem Leben und schart mit seinen grenzenlosen Superkräften Gleichgesinnte wie Magneto um sich. Bevor sie die Erde verwüsten, greifen Professor Xavier, Raven und ihre X-Teens ein.
Von Thorsten Krüger

Es ist diese Empathie, aus der sich eine emotionale Kraft speist, die höchsten Ansprüchen genügt, weshalb ich die „X-Men“-Reihe in der Flut von Comicadaptionen so ziemlich als Einzige schätze. Das liegt in der Personalie Bryan Singer begründet, der zum vierten Mal seit 2000 das Zepter übernimmt und nichts mit seelenloser Effektdröhnung übertüncht, sondern die Marvel-Mutanten aufwühlend als menschliche Wesen ausweist.

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Miss Hokusai

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Sarusuberi: Miss Hokusai, Keiichi Hara, J 2015
Kinostart: 16.06.2016

Die biografische Animation von Keiichi Hara („Colorful“) über Japans berühmtesten Künstler, den für seine Holzschnitte auch im Abendland bewunderten Maler Katsushika Hokusai (sein 1830 geschaffenes Bild „Die große Welle vor Kanagawa“ gilt als stilbildende Ikone), ist alles andere als ein Biopic im Anime-Format, wendet sich dezidiert an ein Arthaus-Publikum und verweigert sich nicht nur durch seine lose, episodische Struktur einer unbeschwerten Rezeption.

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High-Rise

Konfuses Untergangs-Kaleidoskop, das die dystopische Gesellschaftskritik von J.G. Ballard durch anarchisches Chaos ersetzt

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Ben Wheatley, GB/IRL/B 2015
Kinostart: 30.06.2016
Story: 1975 mietet sich Junggeselle Dr. Laing in der 25. Etage eines futuristischen Londoner Hochhauses ein, das eine autarke Infrastruktur aufweist. Während dessen Architekt Royal im luxuriösen Dachgarten logiert, brechen unterhalb Unruhen aus, die Filmemacher Wilder anführt. Das Gebäude versinkt in Gewalt.
Von Gnaghi

Englands Low-Budget-Genre-Experimentierer Ben Wheatley („Kill List“, „Sightseers“) hat sich für sein Herzensprojekt, die Adaption von J.G. Ballards Kultbuch von 1975, eine Riege angesagter Akteure von Tom Hiddleston (Loki aus „Thor“), Jeremy Irons („Die Unzertrennlichen“) und Sienna Miller („Foxcatcher“) bis Luke Evans (Bard aus „Der Hobbit“) geschnappt und dann munter in die vertikale Betonwüste geschickt.

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Tomorrow

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aka Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen, Demain, Cyril Dion, Mélanie Laurent, F 2015
Kinostart: 02.06.2016

Den César als bester Dokumentarfilm heimste das Gemeinschaftsprojekt des Aktivisten Cyril Dion und der Schauspielerin Mélanie Laurent („Inglorious Basterds“, „Enemy“) ein. Ihre Formel: Schluss mit Pessimismus! Anstatt Schwarzmalerei und Untergangsstimmung zu verbreiten, suchen fünf Freunde nach Reform-Ansätzen und bereisen in „Tomorrow“ zehn Länder, um Lösungen statt Probleme anzubieten. Das ist ein superbes Konzept, das sich als Handlungsanleitung für Jedermann und damit als Lehrfilm für die Zukunft anbietet.

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Ein Hologramm für den König

Ausgerechnet in der Wüste findet Tom Hanks im Scheitern eine romantische Perspektive in Tom Tykwers optimistischer Loser-Dramödie

Ein Hologramm für den König Cover

A Hologram for the King, Tom Tykwer, GB/F/D/USA 2016
Kinostart: 28.04.2016
Story: Letzte Chance für den angeschlagenen Geschäftsreisenden Alan: Er soll dem saudischen König ein Telefonkonferenzsystem verkaufen. Doch dieser lässt auf sich warten und so bleibt dessen Traumstadt wie der Geschäftsabschluss ein uneingelösten Versprechen. Nur Ärztin Zahra vermittelt Alan Hoffnung.
Von Caroline Lin

Bei „Cloud Atlas“ hat sich Tom Tykwer („Lola rennt“) gemeinsam mit den Wachowski-Brüdern noch heftig verhoben, seine selbst verfasste Adaption von Dave Eggers Buch „Ein Hologramm für den König“ hingegen gelingt ihm mühelos. Im amüsant-dramödiantischen Tonfall eines Verlierer-Porträts kann Altstar Tom Hanks („Bridge of Spies“) mit all seinen Sympathien für sich einnehmen, wenn er sich „Lost in Translation“ befindet.

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Bastille Day

Idris Elba auf Terroristenjagd in Paris: Kompetentes Actionthriller-Entertainment, das vorgibt mehr zu sein, als es ist

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James Watkins, F/USA 2016
Kinostart: 23.06.2016
Story: Zoe bekommt kalte Füße, als sie im Büro der Nationalpartei in Paris eine Bombe platzieren soll. Da Taschendieb Michael diese klaut, explodiert sie dennoch. Danach zwingt CIA-Agent Sean den Gauner, mit ihm nach Zoe und den Hintermännern zu suchen, die zum Nationalfeiertag einen Anschlag planen.
Von Thorsten Krüger

Die Realität in Form von muslimischen Terroristen hat diesen überwiegend packenden und lange Zeit brisanten Actionthriller überholt, weshalb die Verschwörung einer Spezialeinheit, Bombenattentate Muslimen unterzuschieben, als zwiespältiger Anachronismus einen unangenehmen Hautgout entwickelt. Aber „Bastille Day“, benannt nach Frankreichs Nationalfeiertag am 14. Juli, fesselt dennoch bestens mit handwerklicher Klasse.

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The Walking Dead (6. Staffel)

Beißer ohne Biss: Nach sechs Staffeln geht der postapokalyptischen Zombieserie (vorerst?) die Luft aus

The Walking Dead (6. Staffel) Cover

The Walking Dead (Season 6), Frank Darabont (Creator), USA 2015-2016
ohne deutschen Start
Story: Als nach einem misslungenen Umleitungsversuch Zombiehorden das Refugium Alexandria überrennen, büßt Ricks Gemeinde erheblich Personal ein – just, als Maggie schwanger wird. Nach der Restauration kristallisieren sich die mörderischen „Saviours“, eine brutale Räuberbande, als grausamster Feind heraus.
Von Sir Real

Seit Beginn des Jahrzehnts begleiten uns die staksenden Zombies im epischen Erzählformat und setzen Standards, die längst keine Kinoproduktion zum Thema mehr erreicht. Die sechste Staffel von „The Walking Dead“, erschaffen von Frank Darabont nach der gleichnamigen Comicreihe von Robert Kirkman, hat dennoch deutlich nachgelassen: Da war die vierte Staffelebenso wie die fünfte Staffelrunder, stärker und packender.

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film international: genre. arthaus. mainstream