Money Monster

George Clooney und Julia Roberts als Geiseln in einem Thriller, der satirisch Zeitkritik übt und der Gier-Gesellschaft den Spiegel vorhält

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Jodie Foster, USA 2016
Kinostart: 26.05.2016
Story: Der windige Showmaster Lee erteilt in seiner Börsensendung Aktientipps, durch die Kleinanleger Kyle sein Vermögen verloren hat. Deshalb stürmt er das Studio, legt Lee einen Sprengstoffgürtel an und verlangt Antworten. Produzentin Nancy lässt die Kameras laufen, die Polizei rückt mit Scharfschützen an.
Von Jochen Plinganz

Ein Wutbürger nimmt Geiseln und ist in Echtzeit live auf Sendung – ein lupenreines Thriller-Konzept, dessen psychologische Extremsituation viel mit dem koreanischen „The Terror Live“ gemein hat. Nur liefert „Money Monster“ trotz zunächst plakativer Gangart kein Börsen-Bashing. Statt simpler Antworten hält uns die spannende wie unterhaltsame Tour de Force den Spiegel vor und liefert ein Stück Zeit- und Gesellschaftkritik ab.

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X-Men: Apocalypse

Der emotional mitreißende, stargespickte achte Auftritt von Marvels Mutanten zeigt mit echter Könnerschaft ein Herz für Außenseiter

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Bryan Singer, USA 2016
Kinostart: 19.05.2016
Story: 3600 vor Christus scheitert die finale Machtergreifung des ersten Mutanten Apocalypse in Ägypten. 1983 erwacht er zu neuem Leben und schart mit seinen grenzenlosen Superkräften Gleichgesinnte wie Magneto um sich. Bevor sie die Erde verwüsten, greifen Professor Xavier, Raven und ihre X-Teens ein.
Von Thorsten Krüger

Es ist diese Empathie, aus der sich eine emotionale Kraft speist, die höchsten Ansprüchen genügt, weshalb ich die „X-Men“-Reihe in der Flut von Comicadaptionen so ziemlich als Einzige schätze. Das liegt in der Personalie Bryan Singer begründet, der zum vierten Mal seit 2000 das Zepter übernimmt und nichts mit seelenloser Effektdröhnung übertüncht, sondern die Marvel-Mutanten aufwühlend als menschliche Wesen ausweist.

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Miss Hokusai

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Sarusuberi: Miss Hokusai, Keiichi Hara, J 2015
Kinostart: 16.06.2016

Die biografische Animation von Keiichi Hara („Colorful“) über Japans berühmtesten Künstler, den für seine Holzschnitte auch im Abendland bewunderten Maler Katsushika Hokusai (sein 1830 geschaffenes Bild „Die große Welle vor Kanagawa“ gilt als stilbildende Ikone), ist alles andere als ein Biopic im Anime-Format, wendet sich dezidiert an ein Arthaus-Publikum und verweigert sich nicht nur durch seine lose, episodische Struktur einer unbeschwerten Rezeption.

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High-Rise

Konfuses Untergangs-Kaleidoskop, das die dystopische Gesellschaftskritik von J.G. Ballard durch anarchisches Chaos ersetzt

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Ben Wheatley, GB/IRL/B 2015
Kinostart: 30.06.2016
Story: 1975 mietet sich Junggeselle Dr. Laing in der 25. Etage eines futuristischen Londoner Hochhauses ein, das eine autarke Infrastruktur aufweist. Während dessen Architekt Royal im luxuriösen Dachgarten logiert, brechen unterhalb Unruhen aus, die Filmemacher Wilder anführt. Das Gebäude versinkt in Gewalt.
Von Gnaghi

Englands Low-Budget-Genre-Experimentierer Ben Wheatley („Kill List“, „Sightseers“) hat sich für sein Herzensprojekt, die Adaption von J.G. Ballards Kultbuch von 1975, eine Riege angesagter Akteure von Tom Hiddleston (Loki aus „Thor“), Jeremy Irons („Die Unzertrennlichen“) und Sienna Miller („Foxcatcher“) bis Luke Evans (Bard aus „Der Hobbit“) geschnappt und dann munter in die vertikale Betonwüste geschickt.

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Tomorrow

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aka Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen, Demain, Cyril Dion, Mélanie Laurent, F 2015
Kinostart: 02.06.2016

Den César als bester Dokumentarfilm heimste das Gemeinschaftsprojekt des Aktivisten Cyril Dion und der Schauspielerin Mélanie Laurent („Inglorious Basterds“, „Enemy“) ein. Ihre Formel: Schluss mit Pessimismus! Anstatt Schwarzmalerei und Untergangsstimmung zu verbreiten, suchen fünf Freunde nach Reform-Ansätzen und bereisen in „Tomorrow“ zehn Länder, um Lösungen statt Probleme anzubieten. Das ist ein superbes Konzept, das sich als Handlungsanleitung für Jedermann und damit als Lehrfilm für die Zukunft anbietet.

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Ein Hologramm für den König

Ausgerechnet in der Wüste findet Tom Hanks im Scheitern eine romantische Perspektive in Tom Tykwers optimistischer Loser-Dramödie

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A Hologram for the King, Tom Tykwer, GB/F/D/USA 2016
Kinostart: 28.04.2016
Story: Letzte Chance für den angeschlagenen Geschäftsreisenden Alan: Er soll dem saudischen König ein Telefonkonferenzsystem verkaufen. Doch dieser lässt auf sich warten und so bleibt dessen Traumstadt wie der Geschäftsabschluss ein uneingelösten Versprechen. Nur Ärztin Zahra vermittelt Alan Hoffnung.
Von Caroline Lin

Bei „Cloud Atlas“ hat sich Tom Tykwer („Lola rennt“) gemeinsam mit den Wachowski-Brüdern noch heftig verhoben, seine selbst verfasste Adaption von Dave Eggers Buch „Ein Hologramm für den König“ hingegen gelingt ihm mühelos. Im amüsant-dramödiantischen Tonfall eines Verlierer-Porträts kann Altstar Tom Hanks („Bridge of Spies“) mit all seinen Sympathien für sich einnehmen, wenn er sich „Lost in Translation“ befindet.

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Bastille Day

Idris Elba auf Terroristenjagd in Paris: Kompetentes Actionthriller-Entertainment, das vorgibt mehr zu sein, als es ist

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James Watkins, F/USA 2016
Kinostart: 23.06.2016
Story: Zoe bekommt kalte Füße, als sie im Büro der Nationalpartei in Paris eine Bombe platzieren soll. Da Taschendieb Michael diese klaut, explodiert sie dennoch. Danach zwingt CIA-Agent Sean den Gauner, mit ihm nach Zoe und den Hintermännern zu suchen, die zum Nationalfeiertag einen Anschlag planen.
Von Thorsten Krüger

Die Realität in Form von muslimischen Terroristen hat diesen überwiegend packenden und lange Zeit brisanten Actionthriller überholt, weshalb die Verschwörung einer Spezialeinheit, Bombenattentate Muslimen unterzuschieben, als zwiespältiger Anachronismus einen unangenehmen Hautgout entwickelt. Aber „Bastille Day“, benannt nach Frankreichs Nationalfeiertag am 14. Juli, fesselt dennoch bestens mit handwerklicher Klasse.

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The Walking Dead (6. Staffel)

Beißer ohne Biss: Nach sechs Staffeln geht der postapokalyptischen Zombieserie (vorerst?) die Luft aus

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The Walking Dead (Season 6), Frank Darabont (Creator), USA 2015-2016
ohne deutschen Start
Story: Als nach einem misslungenen Umleitungsversuch Zombiehorden das Refugium Alexandria überrennen, büßt Ricks Gemeinde erheblich Personal ein – just, als Maggie schwanger wird. Nach der Restauration kristallisieren sich die mörderischen „Saviours“, eine brutale Räuberbande, als grausamster Feind heraus.
Von Sir Real

Seit Beginn des Jahrzehnts begleiten uns die staksenden Zombies im epischen Erzählformat und setzen Standards, die längst keine Kinoproduktion zum Thema mehr erreicht. Die sechste Staffel von „The Walking Dead“, erschaffen von Frank Darabont nach der gleichnamigen Comicreihe von Robert Kirkman, hat dennoch deutlich nachgelassen: Da war die vierte Staffelebenso wie die fünfte Staffelrunder, stärker und packender.

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Green Room

Punks vs. Skins: illuster besetzter, unerbittlicher Belagerungsthriller, der zum blutigen Todeskampf durchstartet

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Jeremy Saulnier, USA 2015
Kinostart: 02.06.2016
Story: Als eine unbekannte Punkband bei ihrem Auftritt im Südstaaten-Hinterwald vor Skinheads die falsche Tür öffnet, werden sie Zeuge eines Mordes und in das Zimmer gesperrt, bis die Polizei wieder abgezogen ist. Im Anschluss macht sich die Nazi-Gang daran, den Musikern rund um Pat den Hals umzudrehen.
Von David McAllan

Erst on the road, dann in the room: Anton Yelchin („Star Trek“, „Odd Thomas“) steht abgerissenen Kneipenpunkern vor, die beim Ersatz-Gig an eine Bande krimineller Neonazis unter Führung von „X-Men“-Professor Patrick Stewart geraten, die skrupellos Menschen morden, um damit größere Verbrechen zu kaschieren. Dank Teppichmessern und Kampfhunden tut die Gewalt in den naturtrüben Bildern von „Green Room“ richtig weh.

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Hardcore

Ein blutiges Ballerspiel komplett aus der Ich-Perspektive – originell, dreckig, technisch furios, aber arg eindimensional und einseitig

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Hardcore Henry, Ilya Naishuller, RUS/USA 2015
Kinostart: 14.04.2016
Story: Als Henry im Labor erwacht, schraubt seine Frau Estelle gerade seine Gliedmaßen zusammen: Er ist ein Cyborg ohne Gedächtnis, den Psychopath Akan mit Söldnerscharen durch Moskau jagt. Mit seinen vielen Klonen hilft Wissenschaftler Jimmy Henry, sich den Weg zu seiner Identität freizuschießen.
Von Max Renn

I’m a Cyborg, But That’s OK: In der miserablen Gamesadaption „Doom“ gibt es eine Ein-Minuten-Sequenz, die aus der Ego-Perspektive gefilmt ist – mit einer aufgeschnallten GoPro-Kamera und technischer Bravour hält dies das Debüt von Ilya Naishuller, der mit dem Punkvideo seiner Band Biting Elbows übte, auf Spielfilmlänge durch. Der Titel leitet sich vom Schwierigkeitsgrad in Computerspielen ab, dem „Hardcore“-Modus.

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Der Nachtmahr

Avantgardistisch-unkonventioneller Phantastiktrip, in der ein Partyteen seiner Psychose in Form eines kleinen Monsters begegnet

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aka The Nightmare, Akiz (Achim Bornhak), D 2015
Kinostart: 26.05.2016
Story: Als nachts auf einem Rave Todesvisionen die 17-jährige Abiturientin Tina erschüttern, krebst künftig eine missgestaltete Kreatur um sie herum und leert den Kühlschrank. Im graduell ablaufenden Nervenzusammenbruch stößt sie das Wesen erst ab, nimmt es dann aber an, während Eltern und Freunde überreagieren.
Von Thorsten Krüger

Ein Berliner Partyluder erhält einen missgestalteten Doppelgänger, der aussieht wie Belial aus „Basket Case“, jedoch keine Menschen mordet, sondern ein harmloser Kühlschrankschreck ist, auf den erst die Protagonistin, dann alle anderen bestürzend hysterisch reagieren, worin die Tragik von „Der Nachtmahr“ liegt, der sich verwegen und experimentell in ausgefallener Form und Technik mit Teenage Angst auseinandersetzt.

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Unsere Wildnis

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Les saisons, aka Seasons, Jacques Perrin, Jacques Cluzaud, F/D 2015
Kinostart: 10.03.2016

Die beiden profilierten Profis der Naturdoku, Jacques Perrin und Jacques Cluzaud, die hinter den Publikumserfolgen „Nomaden der Lüfte“ (2001) und „Unsere Ozeane“ (2009) stehen, widmen sich diesmal den europäischen Urwäldern, die einst den Kontinent überzogen. Ihr Ansatz ist so einfach wie brillant: Nach 80.000 Jahren Eiszeit endet der Winter, bis vor 12.000 Jahren die Quellen wieder fließen und die Jahreszeiten zurückkehren, weshalb „Unsere Wildnis“ im Original „Les saisons“ heißt. Anstatt pädagogische Vorträge zu halten und alles mit einem Kommentar vollzukleistern (wie bei „Das Geheimnis der Bäume“ oder „Planet Deutschland“), hält sich der Sprecher – in der Synchro Sebastian Koch („Bridge of Spies“) –, anders als der Trailer suggeriert, angenehm zurück und sagt nur alle paar Minuten mal ein Wort.

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Zoomania

Disneys Animations-Fabel demontiert im tierisch menschlichen Buddy-Movie großartig unterhaltsam Vorurteile und Rassismus

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Zootopia, Byron Howard, Rich Moore, Jared Bush, USA 2016
Kinostart: 03.03.2016
Story: Die traumatisierte Häsin Judy beginnt belächelt ihren Polizeidienst in der Metropole Zootopia. Von Kollegen geschnitten, übernimmt die idealistische Nachwuchsermittlerin einen Vermisstenfall und deckt gemeinsam mit dem trickbetrügerischen Fuchs Nick ein Komplott auf, das den sozialen Frieden gefährdet.
Von Caroline Lin

„Nur 48 Stunden“ hat das gegensätzliche Duo Fuchs und Hase Zeit, einen Kriminalfall zu lösen, der sich als Verschwörung erweist. Du bist mehr als dein Vorurteil: Dass solche Konstellationen nicht in Klischees ausarten, sondern ein smartes Spiel damit werden, liegt am Regie-Trio Rich Moore („Ralph reicht’s“) und Byron Howard („Rapunzel – Neu verföhnt“) sowie ihrem Co-Regisseur Jared Bush, der vorher an „Baymax“ mitwirkte.

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Triple 9

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John Hillcoat, USA 2016
Kinostart: 05.05.2016

Der Polizeicode 999, kurz „Triple 9“, bedeutet die Ermordung eines Kollegen. Die Copkiller sind aber nicht nur verkommene Verbrecher – sie sind selbst Polizisten in Atlanta und unterscheiden sich kaum von den Gangs und der Russenmafia, die sie in Gestalt einer Matriarchin (Kate Winselt als Ice Queen) zu Raubüberfällen zwingt. Ein idealistischer Neuzugang (Bens Bruder Casey Affleck, „Saints“) und sein Onkel, der drogensüchtige Ermittler Allen (Woody Harrelson überzieht als sleaziger „True Detective“), kommen ihnen auf die Schliche.

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Midnight Special

Starbesetztes Chase Movie, das nach einem „Starman“ jagt und mit einem Ende zum Staunen aufwartet

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Jeff Nichols, USA 2016
Kinostart: 18.02.2016
Story: Roy hat seinen achtjährigen Sohn Alton aus den Fängen einer dubiosen Kirche befreit und flüchtet mit ihm und Mitstreiter Lucas nonstop über die Straßen Amerikas. Auf den Fersen sind ihnen Polizei, Geheimdienste und Handlanger der Sekte, die alle das Wunderkind wollen, das Regierungsgeheimnisse kennt.
Von Max Renn

Die fünfte Arbeit des profilierten Indie-Regisseurs Jeff Nichols versucht den Bedrohungs-Suspense von „Take Shelter“ mit den Familienemotionen von „Mud“ zu vereinen – in einer selbst in ihren sporadischen Actionszenen eher ruhig ausfallenden Dauerverfolgungsjagd. „Midnight Special“ ist das intellektuelle, erwachsene Remake des etwas naiv-kitschigen „Starman“, den John Carpenter (dessen Name hier ein Soldat trägt) 1984 drehte.

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Son of Saul

Arbeit in der Todesfabrik Auschwitz: László Nemes‘ auslandsoscarnominierte Impressionen sind schonungslos und eindringlich

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Saul fia, László Nemes, H 2015
Kinostart: 10.03.2016
Story: Saul Ausländer gehört einem Sonderkommando in Auschwitz an und muss die Vergasung von Juden vorbereiten, ihre Leichen ausplündern und ins Krematorium schleppen. Als ein überlebender Junge von einem Wachmann erschlagen wird, gibt ihn Saul als seinen Sohn aus und versucht ihn zu begraben.
Von Thorsten Krüger

In Claude Lanzmanns Langdokumentation „Shoah“ gibt es ein Interview mit dem polnischen Offizier Jan Karski, der sich in ein Vernichtungslager hatte einschleusen lassen, um der Welt von den Schrecknissen darin zu berichten. Sein Ekel, mit dem er die Verbrechen in dem Lager beschreibt, wird nur von seinem Ekel davor übertroffen, dass seine entsetzlichen Reporte praktisch niemanden interessierten oder gar zum Eingreifen bewegten.

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Freunde fürs Leben

Berührendes Drama, das mit leisem Humor und großer Wirkung Abschied von Freunden und Leben nimmt

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Truman, Cesc Gay, E/RA 2015
Kinostart: 25.02.2016
Story: Tomás kommt aus Kanada nach Madrid zu einer Vier-Tages-Visite seines langjährigen Freundes Julián. Der will nämlich die Chemotherapie abbrechen und die letzten Dinge regeln. Nachdem Tomás ihn nicht umstimmen kann, begleitet er ihn dabei, wie er sich von Umfeld, Sohn und geliebtem Hund verabschiedet.
Von Sir Real

„Jeder stirbt, wie er kann“: Südamerikas Schauspielstar Ricardo Darín („Wild Tales“) geht zu Herzen in einem unaufdringlichen, aber hervorragenden und denkwürdigen Drama (mit einem Spritzer Komödie) über selbstbestimmtes Sterben. „Freunde fürs Leben“ ist alles andere als ein Krebs-/Sterbefilm, vielmehr eine Auseinandersetzung mit dem, was zählt: Freunde, Familie, Liebe – und dem Mut, wie man abtreten will.

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69 Tage Hoffnung

Gut besetzte und gespielte, dramatisch-spannende Rettungs-Chronik über verschüttete Minenarbeiter in der Wüste Chiles

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The 33, Patricia Riggen, USA/RCH 2015
Kinostart: 11.02.2016
Story: Im August 2010 werden 33 Bergleute in einer chilenischen Mine verschüttet. Eine Rettungsaktion läuft nur an, weil die Regierung um ihren Ruf fürchtet. Während oben verzweifelte Angehörige campieren, fiebert die Welt mit, wie nach den Verschütteten gebohrt wird, die ohne Nahrung auf sich allein gestellt sind.
Von Thorsten Krüger

Die erste Verfilmung des Grubenunglücks von San José ist eine internationale Produktion, vorwiegend mit Latino-Beteiligung vor und hinter der Kamera (Regie führt die Mexikanerin Patricia Riggen, „La misma luna“). „69 Tage Hoffnung“ gelingt trotz bekanntem Ausgang – die Rettung der Bergleute fand 2010 in den Medien große Resonanz – eine souverän inszenierte, emotionale Achterbahn zwischen Drama und Thriller.

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The Hateful 8

QTs Winterwestern bietet Suspense und Spielfreude auf engstem Raum, schädigt sich aber mit Selbstgefälligkeit und Splatter-Unfug

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The Hateful Eight, Quentin Tarantino, USA 2015
Kinostart: 28.01.2016, DVD/BD-Start: 30.05.2016
Story: Kopfgeldjäger Warren will im winterlichen Wyoming Verbrecherin Daisy schnappen, die sich in der Obhut eines beinharten Konkurrenten befindet. Sie alle müssen vor einem herannahenden Blizzard Zuflucht in einer einsamen Blockhütte suchen. Dort warten bereits fünf weitere Gestalten. Keiner traut dem anderen – zu Recht.
Von Jochen Plinganz

Passend zur achten Regiearbeit betitelt, verbindet „The Hateful 8“ Tarantinos ersten Western „Django Unchained“ (plus Samuel L. Jackson) mit seinem Regie-Erstling „Reservoir Dogs“ (für manche immer noch sein bester Film): Er sperrt Bluthunde in eine Hütte und sieht zu, wie sie sich gegenseitig zerfleischen. Aus dem Debüt sind auch Tim Roth (in der Christoph-Waltz-Rolle) und ein herrlich verschlagener Michael Madsen dabei.

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Mustang

Wunderbar sensibles und berührendes, sommerliches Coming of Age um fünf Mädchen, die vom Patriarchat eingeschlossen werden

Mustang Cover

Deniz Gamze Ergüven, TR/F/Q/D 2015
Kinostart: 25.02.2016
Story: Nach dem Tod ihrer Eltern ziehen Lale und ihre vier älteren Schwestern zu Onkel und Oma in ein kleines Dorf an der türkischen Schwarzmeerküste. Der sommerlichen Idylle stehen strenge Verbote gegenüber, die die Mädchen im Haus regelrecht einkerkern und eine nach der anderen zwangsverheiraten.
Von Thorsten Krüger

Deniz Gamze Ergüvens empfindsamen Debüt wohnt ein Zauber inne, der an Sofia Coppolas „The Virgin Suicides“ anschließt und den unbändigen Freiheitsdrang fünf heranwachsender Mädchen beschreibt, die mit langen „Mustang“-Mähnen Lebenslust verströmen und zu sterben drohen, wenn man sie einsperrt. Das sanft Feingefühl, die großartige Atmosphäre und die fünf fabelhaften Nachwuchs-Mimen berühren das Herz.

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Spotlight

Souveräner wie erschütternder Journalisten-Thriller mit Top-Besetzung über die Aufdeckung eines kirchlichen Missbrauchsskandals

Spotlight Cover

Tom McCarthy, USA 2015
Kinostart: 25.02.2016
Story: Als Marty Baron 2001 Chefredakteur des Boston Globe wird, setzt er das Spotlight-Team von Walter Robinson auf eine Reihe von Kindesmissbrauchsfällen durch Priester an. Die Journalisten decken massive Verbrechen auf, die die katholische Kirche in Boston seit Jahrzehnten unter den Tisch kehrt.
Von David McAllan

Der bislang nicht sonderlich auffällig gewordene, zuletzt mit der Adam-Sandler-Fantasy „The Cobbler“ immerhin gefällige Tom McCarthy, trifft mit dem Tatsachen nachempfundenen „Spotlight“ ins Schwarze. Ihm gelingt ein authentischer Journalismus-Film par excellence, der mit seiner Zunft selbstkritisch ins Gericht geht und sich mit hochklassigen Darstellerauftritten komplex-erwachsen einem Kehlen zuschnürendem Thema verschreibt.

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Brooklyn

Saoirse Ronan steht zwischen zwei Welten in einem romantischen, großartig gefühlvollen Emigrantendrama

Brooklyn Cover

aka Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten, John Crowley, IRL/GB/CDN 2015
Kinostart: 21.01.2016
Story: Anfang der 1950er Jahre herrscht in Irland Perspektivlosigkeit, weshalb der lokale Pfarrer der jungen Eilis ein Ticket nach Brooklyn als Verkäuferin löst. Nach großem Heimweh lernt sie Klempner Tony kennen und blüht auf. Ein Schicksalsschlag bringt sie in die Heimat zurück, wo sie sich entscheiden muss.
Von Caroline Lin

Nach seinem hochgelobten Jugenddrama „Boy A“ gelingt John Crowley in seiner Adaption des gefeierten Romans von Colm Toibin genau jenes ausstatterisch erstklassige, bewegende (Liebes-)Melodram, das Todd Haynes‘ „Carol“ gerne gewesen wäre. Erst unauffällig, dann hervorragend inszeniert, findet „Brooklyn“ mit Anmut und Zärtlichkeit zu einer Hommage an die Immigranten, die Amerika mit aufgebaut haben.

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The Revenant

Leonardo DiCaprio kämpft sich durchs winterliche Indianerland: bildgewaltiges, authentisches Überlebensepos in einem wilden Kontinent

The Revenant Cover

aka The Revenant – Der Rückkehrer, Alejandro González Iñárritu, USA 2015
Kinostart: 06.01.2016, DVD/BD-Start: 19.05.2016
Story: Um 1820. Nach einem Indianerüberfall lässt Felljäger Fitzgerald den durch einen Bärenangriff schwerverletzten Trapper Glass zum Sterben in der Wildnis zurück und tötet seinen Adoptivsohn. Im einsetzenden Winter kämpft Glass ums Überleben und bahnt sich, verfolgt von Ree-Indianern, seinen Weg nach Süden.
Von Thorsten Krüger

Nach seinem Oscargewinner „Birdman“ beschreibt Alejandro González Iñárritu, der Erforscher menschlicher Extremsituationen, einen Überlebenskampf, der sich wie eine Neudefinition des Westerns als Männer-Survival-Marathon ausnimmt. Dass „The Revenant“ so gegenwärtig und authentisch ausfällt, liegt nicht nur am Volleinsatz der Darsteller, sondern vor allem an der sagenhaft brillanten Kamera von Emmanuel Lubezki.

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Star Wars: Das Erwachen der Macht

Episode VII bietet Verbeugung vor einem und Verwaltung eines Mythos, aber das mit Dynamik, Action, Humor und Emotionen

Star Wars: Das Erwachen der Macht Cover

Star Wars: The Force Awakens, J.J. Abrams, USA 2015
Kinostart: 17.12.2015, DVD/BD-Start: 28.04.2016
Story: Auf dem Wüstenplaneten Jakku verbündet sich der kriegstraumatisierte Sturmtrupper Finn mit Schrottsammlerin Rey, um das Imperium daran zu hindern, den kleinen Droiden BB-8 aufzuspüren, der Hinweise auf den Verbleib Luke Skywalkers birgt. Auch die Rebellen erhoffen, den letzten Jedi-Ritter zu finden.
Von Max Renn

Der siebte Teil der Sternenkriegs-Mär unter der Leitung von Reboot-Profi J.J. Abrams („Mission: Impossible 3“, „Star Trek“) ist eine rundum unterhaltsame Space-Opera. In weiten Teilen fast schon ein Remake von George Lucas‘ 1977 erschienenen Erstling variiert das Heldenepos „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ alle geläufigen Elemente, würzt diese mit Emotionen, einem satten Actionplot und überraschend viel Humor.

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Carol

Stilvolles Liebes- und Gesellschaftsdrama nach Patricia Highsmith um die Sehnsucht zweier lesbischer Frauen in den 50er Jahren

Carol Cover

Todd Haynes, GB/USA/F 2015
Kinostart: 17.12.2015, DVD/BD-Start: 20.04.2016
Story: 1952 trifft die New Yorker Kaufhaus-Verkäuferin Therese auf Society-Lady Carol. Obwohl sie einen Freund hat, kommt sie Carol näher, die im Scheidungskrieg um ihre heißgeliebte Tochter schlechte Karten hat, weil ihr Gatte sie und Therese auf ihrer Fahrt durch das Land von einem Privatdetektiv beschatten lässt.
Von Thorsten Krüger

Douglas-Sirk-Verehrer Todd Haynes („I’m Not There“) hat nach „Dem Himmel so fern“ bereits seine zweite Hommage an den Meister des Technicolor-Melodrams vollendet. „Carol“, entstanden nach Patricia Highsmiths autobiografisch geprägten und deshalb 1952 vorsichtshalber unter Pseudonym veröffentlichten Roman „Salz und sein Preis“, hat Haynes seinen homo-/multisexuellen Stempel noch ein Stück weit mehr aufgedrückt.

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film international: genre. arthaus. mainstream