Inside Llewyn Davis

Die tragikomische Folk-Ballade der Coen-Brüder suhlt sich in stilvoller Depressivität und vollendeter Misanthropie.

 Inside Llewyn Davis Cover

Joel Coen, Ethan Coen, USA/FR 2013
Kinostart: 05.12.2013, DVD/BD-Start: 10.04.2014
Story: Eine Woche im bitterkalten New Yorker Winter 1961. Vergeblich müht sich der junge Folkmusiker Llewyn Davis, nach dem Selbstmords seines Partners schwer depressiv, um Erfolg. Auf einer Reise nach Chicago ruiniert systematisch jede Möglichkeit dafür, weil er sein Talent nicht zu verkaufen weiß.
Von Thorsten Krüger

Schön, dass die Coens einmal keine blutige Moritat („True Grit“) oder Gangstergroteske („No Country For Old Men“) in die Welt setzen. Schade, dass sie sich trotz ungewöhnlichem Thema – die New Yorker Folkmusikszene 1961 kurz vor Bob Dylan – vornehmlich müde selbst zitieren. Wieder ein Pechvogel-Porträt, wieder eine sardonische Antipathie-eske über Misanthropen, wieder eine absurde Odyssee zu verqueren Sonderlingen.

„Du bist wie König Midas‘ idiotischer Bruder: Alles, was du anfasst, wird Scheiße“. Diese Unglück buchstabieren die Coens in finster-ungemütlichem Wintergrau aus. Objekt ihrer Film gewordenen, stilvollen Menschenfeindlichkeit ist ein Barde aus Greenwich Village, der sich vergeblich abstrampelt einen Fuß in die Tür dieser schlecht gelaunten Unfreundlichkeitswelt zu bekommen – weil er als aufbrausender Parasit noch jeden vergrault.

Pointenlose Höllenfahrt, fast so kafkaesk wie „Barton Fink“

Erstaunlich, mit welcher Konsequenz diese Apotheose der Depression vorgeht und mit ihrer existenzialistischen Tragikomik an Woody Allen in seiner düstersten Bergmann-Phase gemahnt. Lakonisch und mit selbstgefälligem Zynismus führen die Coens in Independent-Manier einen Unsympathen vor, dessen zweifellos hörenswertes Talent keiner zu schätzen weiß und der verbittert zusieht, wie Käse statt Kunst Kasse macht.

So sehr sie sich in seiner Erfolglosigkeit suhlen, so sehr sympathisieren sie mit diesem zukunftslosen Sisyphos, schenken ihm eine Katze als Running Gag, üble Hasstiraden und bizarre Begegnungen bis hin zum heroinabhängigen John Goodman. Und vor allem eine Trübsinns-Ballade mit von T Bone Burnett („O Brother, Where Art Thou?“) ausgesuchten, ausgezeichneten Songs, plus Carey Mulligan und Justin Timberlake als Sängerpärchen.

Sieht so die Quintessenz des Coenschen Lebens aus? Warum nicht: Eine zu nichts führende, pointenlos endende Höllenfahrt, fast so kafkaesk wie „Barton Fink“.

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