Venus im Pelz

Ironisch-vielschichtig zettelt Roman Polanski ein Duell der Geschlechter an, das doch nur biedere Altherrenphantasie bietet.

Venus im Pelz Cover

La Vénus à la fourrure, Roman Polanski, FR/PO 2013
Kinostart: 21.11.2013
Story: Ein langer und erfolgloser Castingtag für das eigens adaptierte Theaterstück „Venus im Pelz“ geht für den angehenden Regisseur Thomas enttäuschend zu Ende. Als die vulgäre Vanda auftaucht und vor leeren Rängen überzeugt, ist Thomas hingerissen. Rasch entwickelt sich daraus ein wahrer Geschlechterkampf.
Von Max Renn

Mit der Adaption von David Ives‘ Broadway-Zwei-Personen-Hit kann Roman Polanski an seine vorangegangenen Großtaten „Der Ghostwriter“ und „Der Gott des Gemetzels“ qualitativ nicht anknüpfen. Letzterer Theaterverfilmung gleich, bietet das amüsante Komödien-Duell zwischen den nach „Schmetterling und Taucherglocke“ wieder gemeinsam agierenden Mathieu Amalic und Emmanuelle Seigner hintersinniges Vergnügen.

Zwischen dem vermeintlich ordinären, drallem Dekolleté und dem intellektuellen Künstler entbrennt ein mit witzig-tiefgründigen Dialogen gewürzter Geschlechterkampf, bei dem das nassforsche Weib die Regie übernimmt. Ein sein reduziertes Set souverän beherrschendes Vexierspiel beginnt, bei dem Rollen und Ebenen manisch wechseln: Spiel und Ernst, Bildung und Unwissen, Macht und (Selbst)Unterwerfung, sogar Geschlechteridentitäten.

Seigner als Göttin zwischen Vamp und Furie

Zum Teufel mit der Vernunft: So dominiert in der Diskussion über die Interpretationshoheit von Sacher-Masochs Novelle von 1870 die feministische Exegese, die Polanski mit erotischem Unterwerfungs-Masochismus ambivalent konterkariert. Im Kreativprozess der beiden legen die Improvisationen Persönlichkeitsschichten frei, die jedoch allesamt, wie ihre Eitelkeiten, unoriginellen Freud-Analysen anheim fallen.

Überdeutlich dient Amalric als Alter Ego Polanskis, der hier derart persönlichen Obsessionen à la „Bitter Moon“ folgt, dass diese anderen kaum so erhellend erscheinen, wie das Woody Allen stets charmant gelingt. Während Amalrics Rolle blass bleibt, trumpft Seigner als Göttin zwischen Vamp und Furie auf – aber für reizvolle Erotik ist sie schlicht zu alt. Ihre Laszivität wirkt daher oft eher komisch denn sexy.

Das verspielte Bühnenstück entwickelt eine latente Irrelevanz

Das schön verspielte Bühnenstück büßt dadurch viel ein, entwickelt eine latente Irrelevanz und wird zu einer, wenn auch sehr souveränen, Altherrenphantasie, die an Experimentalansätzen wie „Dogville“ kein Interesse zeigt. Auch vom modernen Theater hätte sich Polanski einiges abschauen können, entscheidet sich aber für eine recht biedere Art, die sich von der Psychologie etwas hilflos in die Kunst hochschraubt.

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