Die Eiskönigin – Völlig unverfroren

Klassisches Familienmusical? Moderner CGI-Kinderspaß? Erwachsenenmelodram? Diese Disney-Animation will alles sein und ist doch zu wenig.

Die Eiskönigin Cover

Frozen, Chris Buck, Jennifer Lee, USA 2013
Kinostart: 28.11.2013, DVD/BD-Start: 03.04.2014
Story: Als am Tag ihrer Krönung Elsas mühsam verborgene Zauberkräfte ausbrechen und ihr Reich Arendelle in eine ewige Eiswüste verwandeln, flieht sie in die Berge. Ihre Schwester Anna will sie mit Naturbursche Kristoff, Elch Sven und Schneemann Olaf finden, muss sich Ungetümen und Intrigen am Hofe erwehren.
Von Sir Real

Olaf ist die Rettung. Der naive Schneemann, der kein Wässerchen trüben kann, entfacht als lustiger Simpel mit Grundoptimismus ein wahres Gute-Laune-Feuerwerk. Der charmesprühende Auftritt des schrägen Kerlchens (deutsch von Hape Kerkeling gesprochen), der vom Sommer träumt, bläst den Staub aus einer im schlechtesten Sinne Old-School-Erzählung. Auch wenn der Sidekick eigentlich viel zu spät kommt.

Vor allem ist der 53. Disney-Animationsfilm ein Musical. Mit pausenlosen Songs zum Ohren zuhalten, die man garantiert bei der Oscar-Gala nochmal erdulden muss: Da möchte man den Kino-Ton auf stumm stellen. Die Betonköpfe, die jahrelang an dem Film arbeiteten, haben offenbar vier Dekaden Wandel verschlafen, was sie in Halbzeit zwei bemerken und ein freches (Action)Märchen à la „Rapunzel – Neu verföhnt“ nachschieben.

Tradition und Moderne wollen nicht richtig amalgamieren

Alles basiert lose auf Andersens Kunstmärchen „Die Schneekönigin“, remixt aber vornehmlich unüberschaubar viele Motive aus dem Disney-Fundus und großer Klassiker. Ein ausgesprochen mühseliges Konstrukt startet eine Problemstellung, die ein einfaches Gespräch beendet hätte. Statt dessen folgt daraus eine leidlich vergnügliche Schlitterpartie, die nicht gerade in der „Die fantastische Welt von Oz“-Liga spielt. In überflüssigem 3D.

Tradition und Moderne, Jux für Kleine und Ernstes für Große wollen nicht richtig amalgamieren. Romantik als Comedy, Kindchenschema und Herrscherkulissen sind defizitäre Formeln eines Zutatenkinos, das allen etwas bieten will und sich damit für keinen so recht eignet. Die Jüngsten sind in „Das Geheimnis der Feenflügel“ besser aufgehoben, Ältere finden in „Die Hüter des Lichts“ ein vielseitigeres, rasanteres Mythen-Abenteuer.

Mixt zu viele divergierende Stilansätze

Zwar schummeln sich Buck und Lee mit einer turbulenten Eiszeit über die Ziellinie. Aber bis die zunächst schnarchig-dröge Story endlich Fahrt und Esprit aufnimmt, hat einen das Dauergesinge hart an der Schmerzgrenze schon fast vergrätzt. Insgesamt reißt „Frozen“ vieles an, vertieft aber wenig (etwa was es mit der Magie auf sich hat) und mixt zu viele divergierende Stilansätze, die einfach nicht miteinander harmonieren wollen.

2 Gedanken zu „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“

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