Der Lieferheld

Der Lieferheld Cover

Delivery Man, Ken Scott, USA 2013
Kinostart: 05.12.2013, DVD/BD-Start: 05.06.2014

Kaum ein Jahr ist die kanadische Komödie „Starbuck“ alt, da ist der US-Klon schon geboren. Der Crowdpleaser, u.a. Opener des Filmfest München 2012, war eine haarsträubender Feel-Good-Spaß, der eine gefühlsechte Familienode dichtete über einen liebenswerten Loser, der als Samenspender einst Hunderte Kinder zeugte, von denen ein Großteil jetzt ihren bislang anonym gebliebenen Vater kennenlernen will. Nun hat ausgerechnet der Regisseur selbst, Ken Scott, seinen französischsprachigen Erfolg in die Sprache des gemeinen GI übersetzt.

Obwohl er die Vorlage fast eins zu eins wiederholt, beweist er, dass sich Komödien ganz um Timing, Typen und Charme drehen – denn das alles fehlt dem amerikanischen Remake komplett. Es ist eine Kunst für sich, aus einem Feuerwerk eine flaue Fehlzündung zu generieren, die sämtlichen Tabasco aus den Gags herausfiltert, bis eine labbrige Familiensoße übrig bleibt. Als sei die Seele des Originals beim Kopieren verstorben, ist das Esprit verraucht und etwaige noch vitale Witze erwürgt Scott gnadenlos. Wenn eine Pointe krepiert, wiederholt er sie noch fünf Mal.

Wo ist der Trauerkranz?

Seine Mühen können Kraft und Potenzial der skurril-originellen Idee nicht ganz eliminieren. Mag auch „How I Met You Mother“-Robin Cobie Smulders verschenkt sein, Vince Vaughn („Die Hochzeits-Crasher“) fällt immerhin nicht negativ auf. Und die liebenswerte Fabel von der größten Sippe der Welt mit dem späten Erwachsenwerden eines Kindskopfes, der als Schutzengel falsche Entscheidungen korrigieren will, ist gewiss braves Umarmungskino mit sorgfältig abgeschliffenen Kanten.

Die augenzwinkernde Betrachtung, dass bei gleichen Genen von Genie bis Gurke alles möglich ist, entpuppt sich als scharfsichtige Selbstreflexion. Ohne den warmherzig-frechen Pointen-Regen des kleinen Komödienwunders bleibt nur ein dünnes Familienrührstück von Vaterfreuden bis Heiratsqualifikation übrig – aber selbst das reicht immer noch für nette Reklame für „Starbuck“.

Jochen Plinganz

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