Camp 14: Total Control Zone

In Nordkorea werden Hunderttausende in Konzentrationslagern totgefoltert, aber wen interessiert das schon?

Camp 14: Total Control Zone Cover

Marc Wiese, D/ROK 2012
auf DVD erhältlich
Story: Als Kind zweier Häftlinge wurde Shin Dong-Hyuk in einem nordkoreanischen Arbeitslager für politische Gefangene geboren und wuchs dort auf. 2006, im Alter von 23 Jahren, gelang ihm, der keine Welt jenseits des Stacheldrahts kannte, die Flucht. Seitdem berichtet er davon, bleibt der Freiheit aber fremd.
Von Thorsten Krüger

Geboren im KZ: Alles, was Sie je über Nazi-Lager gelernt haben, gibt es hier auch. Nicht historisiert, sondern jetzt, während Sie diese Worte lesen. Heute. 2013. Schon seit Jahrzehnten. Geschätzt 200.000 Menschen sterben aktuell qualvoll in den Gulags der Kim-Dynastie, die Kim Jung-un noch ausbauen lässt. In seinem finsteren Vasallenstaat von Chinas Gnaden, einer brutalen Diktatur, am Leben erhalten von einer anderen.

Na und? Uns doch egal. Laut Statistikdienst EDI haben sich genau 2328 Besucher dieses Dokument des Schreckens im Kino angesehen. Wir wollen eben lieber Zerstreuung als abstoßende Realität. Den sinnfreien Krampf „Hangover 3“ guckten drei Millionen, nur so als Beispiel. Ich weiß nicht, was mich mehr erschüttert: Unser Desinteresse an Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder die unfassbare Leidensgeschichte des Shin Dong-Hyuk.

Ein zerstörter Mensch, müde, leer, erschöpft

Der kam in dem Vernichtung-durch-Arbeit-Lager zur Welt, seine früheste Kindheitserinnerung ist eine Exekution. Schläge und Folter, wovon er am ganzen Körper vernarbt und deformiert ist, waren sein Leben. Für ihn war es normal, dass ein Mädchen wegen fünf Weizenkörnern totgeschlagen wird. Menschliche Zuwendung hingegen kannte er nicht. Er floh, als man Mutter und Schwester vor seinen Augen exekutierte.

Nun lebt er in Südkorea, körperlich. Mental bleibt er hinter Stacheldraht gefangen. Ein zerstörter Mensch, müde, leer, erschöpft, der erstmals vor der Kamera seine Erlebnisse schildert. Reglos, man sieht ihm die Wut nicht an. Er hält zwar Vorträge für eine Menschenrechtsgruppe, bleibt aber ein Fremdkörper, verwirrt von unserem Totalitarismus, dem des Geldes. Alpträume und Einsamkeit sind seine Begleiter. Er sehnt sich ins Lager zurück.

Zeichnungen illustrieren Folterpraktiken

Denn die 25.000-Insassen-Sklavenstadt mit ihrer verdrehten Moral ist alles, was er wirklich kennt. Was ihm dort widerfuhr, berichten auch ein Ex-Geheimdienstmann von Kims Gestapo und ein Lagerkommandant. Wie ihr stalinistisches, perfide durchdachtes Terrorsystem funktioniert und Menschen zu Tieren degradiert, wie magenumdrehende Folterpraktiken aussehen – das illustrieren in der sehr zurückhaltenden Doku Zeichnungen.

Sie stammen von Ali Soozandeh, der schon die Iran-Revolten-Niederschlagung „The Green Wave” mit eindringlichen Bildern versah und ermessen in erschreckender Ruhe die ganze Grausamkeit. Was am meisten verstört, sind aber nicht Shins Worte (deutscher Sprecher: August Diehl), sondern diesen Gebrochenen zu betrachten – etwa seinen Appetit nach Jahrzehnten des Hungerns, was selbst die recht fade Regie nicht dämpfen kann.

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