Nicht mein Tag

„Knockin’ on Heaven’s Door“: Peter Thorwarths unentschlossene Buddykomödie ist ein kurioser Ausbruchsversuch gefesselter Männlichkeit.

Nicht mein Tag Cover

Peter Thorwarth, D 2013
KinoStart: 16.01.2014, DVD/BD-Start: 28.08.2014
Story: Den vom Spießerdasein entnervten Bankangestellten Till wirft ein Überfall samt Entführung durch den groben Gelegenheitsganoven Nappo aus der Bahn: Auf der Flucht wähnt sich Till von seiner Frau betrogen, beschließt, die Sau rauszulassen und legt sich in Amsterdam mit der albanischen Mafia an.
Von Sir Real

Die neue Komödie von „Bang Boom Bang“-Regisseur Peter Thorwarth nach dem gleichnamigen Buch von „Stromberg“-Autor Ralf Husman ist ein überlanges „Falling Down“ als Roadmovie, eine Buddy-Räuberpistole, die im Kern, die Beteiligung Til Schweigers als Produzent verrät es, doch nur eine Beziehungskomödie ist. Deren Figuren, Plot und Stil unentschlossen zwischen Thrill-Realismus und Komödien-Fantasie schwanken.

Statt Schocktherapie gegen Zivilisationsschäden wie unlängst die Punk-Bizarrerie „Our Day Will Come“, Psycho-Satire à la „Fight Club“, oder Dramödie wie „Ein Freund von mir“, wo Jürgen Vogel verrückte Streiche spielen darf, regiert hier publikumswirksam der Pop. Selbst, wenn der Rock’n’Roll-Soundtrack röhrt und ein paar launige Randale-Gags gelingen: es bleibt doch ein letztlich harmloses Pärchen-Rettungs-Märchen.

Routinierte Bausparer-Midlife-Crisis

Ein abgemagerter Axel Stein beweist Klasse als vollfrustrierter Anzugs-Vollidiot, der durch eine Entführung derart aus der Bahn geworfen wird, dass er als Atzen-Outlaw nun über die Stränge schlägt und all das gefährdet, was er vermeintlich verloren hat: seine Familie. Moritz Bleibtreu hingegen ist als Andreas-Baader-Machoganove viel zu einseitig vulgär fluchend angelegt, die Pseudo-Nummer als Gewaltprolet nervt auf Dauer.

Thorwarth spult diese Bausparer-Midlife-Crisis insgesamt stereotyp, routiniert und oberflächlich ab, was weniger seiner Unna-Trilogie als Schweigers Kassenhit „Knockin’ on Heaven’s Door“ ähnelt. Ralf Richter, diesmal als Schrottplatz-King, hat sich definitiv abgenutzt. Es ist schon bezeichnend, dass Til Schweigers lockerer Cameo gelungener ist, als die Missverständnisse und Drehbuchverrenkungen, die die Buddys aneinander ketten.

Rabiate, actionreiche Comedy-Ausbrüche

Die Dramaturgie nach erprobten Es-wird-immer-schlimmer-Muster ersinnt immer wieder actionreiche Comedy-Ausbrüche, die mitunter rabiat, aber klamottig ausfallen. Wenn der Rocker im Spießer geweckt wird und der domestizierte Mann befreit, ist das ein Jugendtraum, dessen Unreife Thorwarth liebenswert-schelmisch belohnt. Und: Es sind Frauen, die ihre Männer als Loser betrachten und den Schaden damit erst potenzieren.

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