Paranormal Activity: Die Gezeichneten

Im Latino-Spin-Off der populären Horror-Reihe regiert ein neues Konzept aus Comedy, Story und probat-effektivem Horror.

Paranormal Activity: Die Gezeichneten Cover

Paranormal Activity: The Marked Ones, Christopher Landon, USA 2014
Kinostart: 02.01.2014, DVD/BD-Start: 15.05.2014
Story: Jesse und seine Latino-Clique aus Oxnard nahe L.A. haben just die High School absolviert und filmen sich selbst, als im Apartmentkomplex in der Wohnung unter ihnen Unheimliches geschieht. Jesse wacht mit Bissspuren an seinem Arm auf – sie verleihen im enorme Kräfte. Denn ein Dämon haust nun in ihm.
Von Caroline Lin

Es ist nicht der fünfte Teil der Low-Budget-Schocker-Serie, den Christopher Landon, Autor des zweiten, dritten und vierten „Paranormal Activity“-Formats, ausbedingt. Sondern ein Spin Off (wie vor drei Jahren die japanische Version „Paranormal Activity – Tokyo Night“), das, statt auf den bewährten Zusammenschnitt von Überwachungskamera-Material, auf Drama, Humor und Schrecken in der Latino-Gemeinde setzt.

Daraus ergibt sich nun ein rege montierter Found-Footage-Horror, der zwar einerseits sein Alleinstellungsmerkmal verliert, andererseits aber auch den zuletzt arg abgenutzten Ansatz neu auffrischt. Da er außerdem „Exorcist“ zumindest streift, sowie das Superheldengrenre (in Form von „Chronicle“), ist für Abwechslung gesorgt. Diese fällt nicht über Gebühr zwingend aus, regelt ihren Angstpegel im Finale aber herzhaft hoch.

Der Horror kommt, wenn die Kamera in die Stille hineinhorcht

Zuvor entwickelt sich eine veritable Komödie mit passablem Unterhaltungswert: Die Großstadtjugend filmt sich mit dem Camcorder begeistert selbst bei ihren Jackass-Stunts und verarscht sich gegenseitig. Als aus der dunklen Erdgeschosswohnung unter ihnen schaurige Geräusche dringen, erschrecken sie vorwiegend über ihre eigenen Scherze. Und auch die vielen Falsche-Alarm-Schocks sind vorwiegend Comedy.

Der Horror kommt dann, wenn Landon mit statischer Kamera in die Stille hineinhorcht, die in dem schäbigen Kellerloch mit seinen Voodoo-Kultobjekten gähnt. Was auch immer den Nachbarjungen in den Selbstmord getrieben hat, ergreift nun Besitz von Jesse, der plötzlich Superkräfte entwickelt, damit erst Spaß hat (sein Youtube-Video davon halten andere für Fake), sich aber rasch zu einem Aggro-Asi auswächst.

Das Grauen wird mit probaten Mitteln eingesetzt

Die besseren Ideen schwanken zwischen Lachen und Entsetzen, wie das Senso-Spiel mit seinen Leuchttasten, das als Oujia-Board (!) dient oder schwarze Fäden, die Jesse aus seinen Augen zieht. Alles andere, wie das Arkanum über Schattenwesen oder ein laienhafter Spontan-Exorzismus, sind reine Routine. Aber dabei startet der Spuk so richtig durch, führt in das Anwesen eines Satanisten-Zirkels, wo sich die Ereignisse überschlagen.

Mit zwei bewaffneten Homies geht es gegen das Grauen, das mit probaten Mitteln eingesetzt sein mag, aber ziemlich gut sitzt. Alles ist erlaubt, Hauptsache, es springt vor die Linse. Das funktioniert, also warum nicht? So fällt das Schreckensszenario gebührend angsteinflößend und ziemlich effektiv aus, weist gar zum Ende noch einen netten Schlenker zum ersten Teil auf. Mithin ein goutierbarer Halloween-Snack.

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