Rigor Mortis

A Chinese Ghost Story: extraordinäres urbanes Geisterdrama, eine berauschend bildgewaltige und kreative Effekt-Fantasy.

Rigor Mortis Cover

Geung si, Juno Mak, HK 2013
DVD/BD-Start: 11.04.2014
Story: Der verarmte, von Frau und Kind verlassene Ex-Star Chin bezieht in einem Hongkonger Wohnsilo das Apartment 2442, um sich dort zu erhängen. Garküchenbesitzer und Hobby-Vampirjäger Yau rettet ihn in letzter Sekunde, denn in dem verfluchten Gemäuer lauern Geister auf Körper wie den von Chin.
Von Caroline Lin

Von J-Horror-Ikone Takashi Shimizu („The Grudge“) produzierte Asia Gothic, die der Schauspieler Juno Mak („Revenge: A Love Story“) in seinem Regiedebüt zum optischen Grusel-Genuss verwandelt. Seine Hommage an die „Mr. Vampire“-Reihe aus den 80ern vereint einige Original-Darsteller, ist aber keineswegs Komödie, sondern visuell überwältigendes Mood Movie, stilles Memento Mori, blutige Schauermär und Fusion vieler Topoi.

Die völlig atypische Symbiose übernatürlicher Phantastik besticht durch kunstvolle Farbgebung – ein nur inhaltliches Düsterwerk in hellen Bildern, ästhetisch ein wahres Design-Gedicht. Der Rhythmus entspricht hingegen dem eines bedächtiges Requiems mit entspannt dasitzenden (sich manchmal etwas zu banal unterhaltenden) Akteuren. In der losen, episodisch angelegten Story sind diverse Bewohner mit dem Jenseits verbunden.

Auf dem Weg zu einem wahren Nosferatu-Inferno

In der Betonkulisse, dem wie ein Epitaph aufragendem Wohnsiloblock, wohnt der Volksaberglaube in all seinen Spielarten – passionierte Hobby-Schamanen, die eine seit Generationen vererbte Tradition pflegen, halten mit Beschwörungen und Ritualen Geister fern, andere rufen sie mit schwarzer Magie herbei. Folklore pur, voller hübsch hergerichtetem Paraphernalien-Inventar, auf dem Weg zu einem wahren Nosferatu-Inferno.

So vereinen sich Elemente aus „The 6th Sense“ und „Stay“, aus „Friedhof der Kuscheltiere“ und „Wake Wood“, aus „Donnie Darko“ und „Jacob’s Ladder“ mit asiatischen Geistern, Schicksalsglaube, Yin & Yang, taoistischen Exorzisten und exquisiten Untoten zu einer faszinierenden Legierung. Die allerdings nicht heftigen Schrecken evoziert, sondern nur moderat unheimlich ausfällt, aber mit richtig guten Computereffekten verwöhnt.

Unheilvolles Crescendo, das in einer dämonischen Leinwand mündet

Juno Mak konzentriert sich auf den Verlust der liebsten Angehörigen, an die man sich auch nach ihrem Tod verzweifelt klammert, ein Nebeneinander von lebendiger und toter Welt in Korridoren und Wohnungen, die die Kamera langsam durchgleitet. So sehr sein leidendes Ensemble auch in trauermelancholischen Emotionen schwelgt, sie kommen nicht immer an. Viel eher schon sporadische Mordtaten und kuriose Kämpfe.

Diese fallen extrem blutig aus und steigern sich zu einem unheilvollen Crescendo, das in einer wahrhaft dämonischen Leinwand mündet: eine Todesfantasy, die veritabel Atmosphäre atmet, sich mit Stil, Look und fast meditativer Ruhe deutlich von fernöstlichen Horror-Stereotypen abhebt, die mit fabelhafter Ausstattung, Postproduction-Sorgfalt und ihrem Meta-Motiv-Mix womöglich noch großen Einfluss ausüben wird.

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