The Return of the First Avenger

The Return of the First Avenger Cover

Captain America: The Winter Soldier, Anthony Russo, Joe Russo, USA 2014
Kinostart: 27.03.2014, DVD/BD-Start: 14.08.2014

Der Spion, der aus der Kälte kam: Der originaltitelgebende Winter Soldier ist ein von den US-Geheimdiensten gezüchteter Frankenstein, der den berüchtigten Menschenexperimenten der CIA entsprungen sein könnte. Mit ihm als Nemesis verwandeln die patenten Regie-Brüder Anthony und Joe Russo die all-amerikanische Supersoldaten-Saga in einen handfesten Paranoia-Actionthriller, der – auch wegen der Besetzung mit Robert Redford – ganz im Geiste der 70er-Jahre-Ikonen „Die drei Tage des Condor“ und „Die Unbestechlichen“ steht.

Somit kann der zweite Stand-Alone-Auftritt des Marvelhelden, eingebettet in das ausufernde Kinouniversum des Konzerns, auf Spionagefilm-Qualitäten und eine konspirative Traue-niemandem-Atmosphäre zurückgreifen. Drei aufrechte Bürger, neben Chris Evans („Snowpiercer“) als Captain stellen sich Ex-KGB-Agentin Natasha alias Black Widow (Scarlett Johansson als sexy Nerd) und The Falcon (Anthony Mackie aus „Inside Wikileaks“) der Verschwörung. Statt Aliens und Nazis der Hydra ist es nun der militärisch-industrielle Komplex, der die Organisation kompromittiert, den Chef assassiniert und sie gnadenlos jagt, denn die Verräter sitzen in den Schaltzentralen der Macht.

All-amerikanische Supersoldaten-Saga in einen Paranoia-Thriller verwandelt

Willkommen also in der Realität von Drohnenkrieg und NSA-Affären im Wikileaks-Zeitalter. Der Kampf um Freiheit und Menschenrechte gleicht einer Abrechnung mit der blindwütigen Bush-Ära. Das Trio ist „Auf der Flucht“ vor der Vorsprung-durch-Rüstung-Doktrin, wobei sich der Captain als schneller Renner (notfalls durch Wände) erweist. Jenseits der knackig gestalteten Action knistert es vernehmlich zwischen ihm und Natasha, dieser Luxus-Lisbeth-Salander. Sein erster Kuss seit 1945 gliedert sich aber wehmütig in die Erinnerungen an sein verlorenes Leben ein, wie auch seine Mitstreiter von Schuld und Verlust geprägt sind.

Paranoia und Charaktere treten im aufgedonnerten Finale leider beiseite, wenn im Simultan-Showdown Gut gegen Böse im Superkräfte-Spektakel einer SciFi-Raumschlacht gleich auf futuristisch fliegenden Flugzeugträgern loslegen – je länger dies dauert, desto schwerfälliger und gewöhnlicher fällt das Ringen um die neue Weltordnung aus. Im zweifellos sehenswert getricksten Bombast einer Art Skynet-Unternehmen geht die beklemmende Wirkung von Infiltrationen, Sabotageakten und Kalte-Kriegs-Geheimprojekten schließlich unter. Kein zweiter „Watchmen“ in Sicht.

Max Renn

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