Die Bestimmung – Divergent

Mit diesem faschistischen Rekrutierungs-Actiondrama voller Emo-Schmonz droht die nächste Teenie-Dystopie-Trilogie.

Die Bestimmung – Divergent Cover

Divergent, Neil Burger, USA 2014
Kinostart: 10.04.2014, DVD/BD-Start: 14.08.2014
Story: In einer postapokalyptischen, abgeschotteten Stadt muss Tris wie alle anderen Jugendlichen sich einer der fünf Fraktionen anschließen und zieht zu den Furchtlosen, wo sie unter Ausbilder Four knallhartes militärisches Training erhält. Doch Tris ist eine Gefahr für das System, das die Soldaten manipuliert.
Von Max Renn

Die Adaption von Veronica Roths Young-Adult-Romanen verhält sich zu „Die Tribute von Panem“ wie die Fanfiction zu einem Meisterwerk. Der stark auf seine jugendliche Zielgruppe zugeschnittene Quark hat mehr mit „Equilibrium“ oder „The Host“ gemein als der Suzanne-Collins-Reihe und bietet kaum mehr als ein dröges Dystopie-Derivat. In erster Linie ist es aber ein Rekruten-Werbevideo, ein Happy-Army-Movie für Elitesoldaten.

Anpassungs-Zwang hin oder her, Neil Burger, der mit „The Illusionist“ und „Ohne Limit“ nur halb überzeugte, feiert die Fraktion der furchtlosen Draufgänger, die in harten Trainingskämpfen zu richtigen Männern geschliffen werden. Hier werden stolze Helden wie eine SS-Eliteeinheit geformt, und die billige Industriebrachen-Kulisse gleicht einer primitiven Napola für „Junge Adler“ – das Gegenteil zu „Ender’s Game“.

Überlange, unreflektierte Faschismus-Verherrlichung

Verklärt wird dies gehörig durch Coolness- und Feel-Good-Faktoren einer Pop/Rock-Soße, und, puh, voll spannenden Fahnenspielen und so total muskulösen Ausbildern, die wie Bravo-Hotties ausschauen. Wow! Beim Besiegen körperlicher Grenzen und psychischer Ängste nähern sich der starke Four (Theo James) und die pausbäckige Tris (Shailene Woodley, „The Spectacular Now“) an, aber ihre Schmalzromanze bleibt chemiefrei.

Auch, weil sie eher wie seine kleine Schwester wirkt. Zudem ist das ganze schemenhafte Szenario dramaturgisch abgedroschen: Eine Kontroll-Diktatur (Kate Winslet spielt einen besseren Nazi als in „Die Vorleserin“), missbraucht via Drogen die Soldaten zu einer Zombiearmee für ein Massaker an aufmüpfigen Zivilisten. Wie empörend! Die Grundausbildung hingegen: Eine Schule fürs Leben. Totalitarismuskritik geht anders …

Diffuser, wenig durchdachter Zukunftsentwurf

Diese überlange, unreflektierte Faschismus-Verherrlichung mit halbgarer So-nicht-Moral basiert auf einem diffusen, kaum durchdachten Zukunftsentwurf, der so unglaubwürdig ausfällt wie die Kampftechniken. Zusammen mit komischen Kostümen und Waffen wird daraus nur künstlicher Käse. Und die furchtbar fiesen Bösewichte im Kontrollzentrum einfach zu überwältigen, ist so realitätsfern lächerlich, wie es klingt.

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