Rio 2 – Dschungelfieber

Fast schon ein Musical: Als Familienanimationskomödie maskierte Wohlfühl-Packung für die Kleinen.

Rio 2 Cover

Rio 2, Carlos Saldanha, USA 2014
Kinostart: 03.04.2014, DVD/BD-Start: 01.08.2014
Story: Das blaugefiederte Arapärchen Blu und Jewel bricht mit seinen drei Kindern aus Rio zu einer Abenteuerreise in den Amazonas auf, wo die vermeintlich Letzten ihrer Art auf eine Kolonie mit Jewels Eltern stoßen. Während Blu um Akzeptanz kämpft, bedrohen Kakadu Nigel und Holzfäller das Naturparadies.
Von Sir Real

Zu viel Karneval, zu wenig Story: So lässt sich die vorwiegend an ein junges und ungestüm begeisterungsfähiges Publikum adressierte Fortsetzung des Animations-Überraschungshits abstecken, bei dem wieder der brasilianische „Ice Age“-Regisseur Carlos Saldanha die Fäden zieht. Sein feier-, sing- und tanzwütiges Sequel gleicht einer kunterbunten Marketing-Maßnahme für die in Kürze anstehende Fußball-WM in seinem Land.

Der Gute-Laune-Gesang dringt penetrant in den letzten Winkel, aber die breite musikalische Palette reicht von der obligatorischen Samba-Party-Kultur der Hauptstadt Rio und der aus „Madagascar“ stammenden „I Like to Move it“-Karaoke bis hin zu Opernarien. Kurzum: Popmusik ohne Ende mit einem Herz für Federknäuel und einem Rührsal-Knuddel-Exzess, als die fünf Vögel im Regenwald Jewels verschollene Verwandtschaft finden.

Kakadu Nigel stiehlt allen die Show

Daraus entsteht „Meine Braut, ihr Vater und ich“ im Papageiendschungel, wo ein überzivilisierter Haustiertrottel unter vielen Demütigungen vom knallharten Schwiegerpapa zum Wildtier umerzogen wird, bis der GPS-Parrot Selbstbewusstsein und Anerkennung findet. Dennoch, der lose Plot um Verantwortung, Wildnis und Kultur bleibt Nebensache und bietet nur genügend Anlass, um am laufenden Meter Träller-Einlagen anzuzetteln.

Auch wenn „Rio 2“ substanzloser family fun mit ermüdendem Feier-Jubel-Marathon ist, spätestens das Finale versöhnt: Denn da darf sich das schillernd-komische Bösewicht-Trio ganz entfalten. Vor allem bad bird Nigel, der Shakespeare-zitierende, flugunfähige Kakadu, angehimmelt von einem tragisch-toxischen, liebestollen Froschweib, stiehlt mit einer „I Will Survive“-Interpretation allen die Show, die dieser Film schließlich ist.

Kunterbunte Marketing-Maßnahme für die Fußball-WM

Wenn alle Tiere vereint über menschliche Umweltzerstörer triumphieren und dabei Technologie und die Hilfe eines Tierschützerpärchens als Trumpf anwenden, könnte das nicht weiter von der Wirklichkeit entfernt sein. Das Eintreten für Arten- und Regenwaldschutz wirkt wie ein pflichtschuldiger Greenwashing-Anstrich, ein Imagefilm für Brasilien als happy nation, die mit intakter Natur, Familienfreuden und Songs einläd.

5 Gedanken zu „Rio 2 – Dschungelfieber“

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