Stereo

Stilbewusster deutscher Noir-Thriller, der aus schizophrener Perspektive in eine kriminelle Gewalt-Unterwelt absteigt.

Stereo Cover

Maximilian Erlenwein, D 2014
Kinostart: 15.05.2014, DVD/BD-Start: 04.11.2014
Story: Motorradmechaniker Erik hat sich ins ländliche Idyll zurückgezogen und verbringt seine Freizeit glücklich mit neuer Freundin Julia und deren kleiner Tochter. Als sich der grobe Henry wie ein Schatten an Erik heftet, ihn eine Zigeunerbande und der brutale Bordellpate Keitel bedrohen, muss er wider Willen handeln.
Von Max Renn

Am Nischendasein des deutschen Genrefilms werden auch gelungene Exempel wie „Blutgletscher“ oder dieses von Maximilian Erlenwein für drei Millionen Euro mehr als solide in sorgfältige Szene gesetzte Psychodrama, das sich zum brutalen Gewaltthriller auswächst, nichts ändern. Attraktiv anzusehen bleibt die eigenständige, stilstarke Modifikation von „A History of Violence“ sowie „Drive“ und „Only God Forgives“ allemal.

Erlenwein, der nach „Schwerkraft“ wieder mit Jürgen Vogel arbeitet, zeigt ihn als domestizierten Familienmensch mit dunkler Seite. Diese schlägt sich wie in „Fight Club“ in einem anarchischen Bruder nieder, den der mit Vogel erstmals gemeinsam vor der Linse stehende Moritz Bleibtreu verkörpert: Er spielt den bad guy wieder so lustvoll wie in „Nicht mein Tag“, ein finsterer „Buddy“, der einen zersetzenden Psychotrip anzettelt.

Von Techno pulsierende Reise in die Nacht

So imaginär und lästig der ordinäre Kapuzenmann auch sein mag, die Bedrohung durch echte Gangster ist real. Statt absehbare B-Movie-Handlungsroutinen nutzt der von ZDF und Arte mitproduzierte Noir gekonnt vielfältige Elemente von surrealer Hypnose, schräger Komik, heftigen Traumata und harten Gewaltspitzen, um einen Alptraum für Erwachsene, eine von Techno pulsierende Reise in die Nacht anzutreten.

Phasenweise gerät die Engführung von Unterwelt und Unterbewusstsein faszinierend enigmatisch, der in einer Person zusammenlaufende Gegensatz von Macho-Männerwelt und bürgerlichem Familienleben reizvoll. Trotz einem zu grotesk geratenen Georg Friedrich („Über-Ich und Du“) als Widerling und dem mäßigen Ende bleibt der beklemmend-dämonische Fegefeuer-Furor im Geiste Nicolas Winding Refns beachtlich.

2 Gedanken zu „Stereo“

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