The White Storm

Grausig mit Kitsch zugekleisterter Polizei-vs-Drogengangster-Actionthriller, der sich an einem Bloodshed-Revival versucht.

The White Storm Cover

Sao Du, Benny Chan, C/HK 2013
ohne deutschen Start
Story: Die eng befreundeten Tin, Wai und Chow arbeiten für das Drogendezernat der Hongkonger Polizei. Sie wollen den aus dem Goldenen Dreieck Thailands operierenden Drogenboss Eight-Faced Buddha verhaften, dessen Organisation Chow undercover infiltriert hat. Die Aktion läuft tödlich schief.
Von Gnaghi

Seit seinem Kinodebüt „A Moment of Romance“ von 1990 hat Benny Chan („New Police Story“) eigentlich kein gutes Werk mehr abgeliefert, ist aber so kommerziell ausgerichtet, um immer genug Yuan für größere Actionblockbuster und eine Star-Riege zu erhalten. Sein nicht nur mit wirrem Script ausgestattetes, sondern auch handwerklich schwaches Blutsbrüder-Schuld-und-Rache-Drama bietet wieder einmal höchstens Mittelmaß.

Was wie der gefühlt 538. „Infernal Affairs“-Klon beginnt, der bitter klarstellt, wie es um den künstlerischen Elan der einstigen Kronkolonie bestellt ist, entwickelt sich zur Hommage an das Bloodshed-Kino der frühen 90er Jahre. So sehr Chan dabei stilistisch wie inhaltlich „A Better Tomorrow“ und in gewissen Zügen auch „Bullet in the Head“ nacheifert, so meilenweit sind John Woo, aber auch Ringo Lam („Full Alert“) entfernt.

Eifert „A Better Tomorrow“ und „Bullet in the Head“ nach

Schnittig, aber schludrig lässt es Chan krachen; wüste Helikopterkanonen mit satter Durchschlagskraft und Autos, die explodieren, sobald man auf sie schießt, bedienen den Actionfan. Aber sobald es ans zwischenmenschliche Drama geht, immerhin um seelische Qualen, regiert bitterernster Camp, in einem Freundschaftsmelodram, das gerade in tragisch-stillen Momenten auf komische Art daneben langt, weil es auf die Tränendrüse drückt.

Das klasse Darstellertrio – Lau Ching Wan („Running Out of Time“), Louis Koo („Drug War“) und Nick Cheung („Nightfall“) – agiert engagiert ins Leere. Chan rührt fern von Feingefühl, Handschrift und Professionalismus eines Johnny To in Schmuseclipmanier schlechten Männerkitsch an um drei Leidende, die sich eine tränenreiche Schrei-und-Entschuldigungs-Orgie liefern. Ein teurer Look allein macht noch lange kein gutes Kino.

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