In the Blood

Glaubhafter B-Actionthriller, in dem Schwarzgurtträgerin Gina Carano Karibikmafia und Korruption den knallharten Kampf ansagt.

In the Blood Cover

John Stockwell, GB/PRI 2014
DVD/BD-Start: 17.04.2015
Story: Die kampferprobte Ava hat mit Derek in eine reiche Familie eingeheiratet und verbringt die Flitterwochen auf einer karibischen Insel. Als Derek bei einem Abenteuerausflug verunglückt, kommt er nie im Krankenhaus an. Da Polizei und Schwiegereltern die Hilfe verweigern, sucht ihn Ava auf eigene Faust.
Von Max Renn

Schauspieler (und vor allem Regisseur) John Stockwell („Crazy/Beautiful“, „Into the Blue“) reist wieder an Traumstrände, um Touristenalpträume wahr werden zu lassen und sein Abenteuer-Thriller „Turistas“ mit dem Rachereißer „96 Hours“ zu kreuzen. Nur, dass Mixed Martial Arts Champion Gina Carano („Haywire“) in dem packenden Real-Horror-Szenario jedem Kerl das Fürchten lehrt und die Geschlechterformel umdreht.

Nimmt sich Stockwells genuine Genregeschichte zunächst wie ein schlechtes Postkartenvideo aus, gelingt ihm ein ansprechender, weitgehend übertreibungsfreier, engagierter Thriller mit Anleihen bei „Ambulance“ und „Frantic“: Eine auf sich selbst gestellte Frau muss in einem fremden Land ohne jede Hilfe gegen die korrupten Behörden (die sie erst ausweisen und dann umbringen wollen) ihren verletzten Mann finden.

Ein echtes Kampftier, das jeden Mann platt tritt

Der heißt Cam Giganget („The Fighters“) und überlässt der wunderbaren, solide spielenden, körperlich voll überzeugenden Carano den Vortritt. Die gibt ein gedrungenes und stabiles, echtes Kampftier mit süßem Lächeln ab, das jeden Mann platt tritt. Ihre Ava hat gelernt, sich nur auf sich selbst zu verlassen: Kämpfen, überleben, niemals weinen – eine harte Schule, aber deshalb ist dies auch psychisch nachvollziehbar und beklemmend.

Hinter dem spurlosen Verschwinden steckt ein von langer Hand geplantes Verbrechen, das sie mit der beeindruckende Zähigkeit einer Ironman-Teilnehmerin unerbittlich aufdeckt. Diese Marathonfrau überwindet jeden Widerstand mit knallharten, aber sehr effektiven (Folter)Methoden. Sie ist taff, aber verzweifelt, erschöpft, kein überstilisiertes, fetischisiertes Tomb-Raider-Bimbo aus dem armseligen Frauenbild von Hollywood.

Stellt das armselige Actionfrauenbild Hollywoods auf den Kopf

Stockwells lebensechte Fahndung ist einfach ehrlich (auch, da nie so elegant wie Soderbergh). Ava ist kein Zorn Gottes wie Liam Neesons Wutbürger in „96 Hours“, dessen Overkill grotesk ausfällt. Erstens kann die Frau wirklich kämpfen, was man jeder Szene beeindruckend ansieht; zweitens wird die mit bündiger Direktheit gezeigte Gewalt nie ausgewalzt und manches – als sie Luis Guzmán zum Selbstmord (!) zwingt – gar nicht gezeigt.

„Survivors have scars. Losers have funerals“: Drittens ist Carano verwundbar. Ihr gelingt es zwar, die grausame Kabale des Narco-Paten der fiktionalen Karibikinsel (Drehort: Puerto Rico) zu entlarven. Sie hat der schwer bewaffneten Armee aber nur einen chancenlosen Guerillakampf entgegenzusetzen und benötigt lokale Unterstützung. Vom Ende abgesehen, Auftritt: Danny Trejo („Machete Kills“), ist das verdammt glaubwürdig.

2 Gedanken zu „In the Blood“

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