The Amazing Spider-Man 2

Mehr eine Teen-Selbstfindungs-Dramödie: Auf 140 Minuten aufgeblasene Comic-Fantasy über den Marvel-Spandexheld.

The Amazing Spider-Man 2 Cover

Marc Webb, USA 2014
Kinostart: 17.04.2014, DVD/BD-Start: 04.09.2014
Story: Als seine Freundin Gwen ihm den Laufpass gibt, kann Peter Parker seine heimliche Rolle als New Yorks Held Spider-Man nicht mehr genießen. Dabei braucht ihn die Stadt mehr denn je: Freund Harry, der todkranke Firmenerbe und Fan Max werden durch die Experimente von OsCorp zur Gefahr.
Von Sir Real

Angesichts von Sam Raimis kaum einer Dekade alter „Spider-Man“-Trilogie (2002-2007) kann die frenetische Reboot-Flut schon mal verwirren, was auch an der austauschbaren Handlung des zweiten Teils von Marc Webbs Franchise-Neustart liegt: Diese schwankt zwischen gut gelauntem Pop/Nerd-Lustspiel, der Seelenqual-Tragödie von Verstörten und Verlassenen sowie einer Teenie-Romanze, aufgelockert durch 3D-Flugspäße.

Webb und seine sieben (!) Drehbuchautoren haben nicht den Mut zum pubertären Comic-Pulp von Stan Lees/Steve Ditkos Vorlage, auch wenn dies als bunte Actionkomödie immer wieder durchscheint. Aber sie wollen dramatisch ernst genommen werden und dichten die Leiden des jungen P., der Arbeits- und Privatleben mit Freundin auf die Reihe kriegen will. Weder ihm noch dem Film gelingt es, das alles unter einen Hut zu bringen.

Spider-Mans Beziehungsstatus: kompliziert

Zwar ist der sensible Andrew Garfield in der Hauptrolle ideal; Emma Stone („The Help“) hingegen uninteressant, weshalb alle Tragik in Verbindung mit ihr nicht berührt. Die Qualen von Jamie Foxx („Django Unchained“) als Electro und Dane DeHaan („Chronicle“) als todgeweihter Jüngling Harry werden pflichtschuldig abgearbeitet, was lang(weilig) ausfällt und auf ungerechtfertigten 140 Minuten nicht zu fesseln vermag.

Sobald Webb den Anspruch (das Drama um Lügen und was sie mit uns anrichten) ab- und den Comedyschalter anlegt, gewinnt der Spinnenmann am meisten Charakter: Wenn er nach seinen Einsätzen zerschlagen ins Bett fällt oder dazed & confused sein Chaos-Leben zu ordnen versucht – Beziehungsstatus: kompliziert. Doch das plätschert viel zu sehr vor sich hin – und der gefühlvollste Song ist aus „The Spectacular Now“ geklaut.

Steht nicht zu seinen Trash-Wurzeln

Im Kampf um New York, was als Zeitlupen-CGI-Spektakel weniger eine Destruktions- denn eine Lichtblitze-Orgie ist, feiert eine Stadt schließlich die Überwindung einer Stromausfall-Krise, die natürlich an den 11. September erinnert. Wenn die Bürger begeistert ihrem kinderlieben Helden applaudieren und eine Hoffnungsrede Zuversicht in Anbetracht noch bevorstehender Schrecken verbreitet, wendet sich das auch an die ganze Nation.

Dazwischen kann diese Episode ihr Wurzeln im grellen Trash nicht verleugnen – nur steht sie einfach nicht dazu.

5 Gedanken zu „The Amazing Spider-Man 2“

  1. @Sir Real: Ich bezweifel mal, dass das so ist… Ich glaub ich muß mir die Lobhuldigung bei Gelegenheit mal durchlesen… Hast mich neugierig gemacht… Ich erwarte mir von dem Film nichts weiter als totalen bis leicht gehobenen Durchschnitt…

  2. Dabei ist die Regie wahrlich um Drama und Tiefe bemüht – und Andrew Garfield spielt sich einen Wolf (klapp einfach nur nicht). Erschütternd: In der SZ von heute steht eine wahre Lobhuldigung. Ob der liebe Knabe den gleichen Film gesehen hat wie ich?

  3. Ich weiß nicht, irgendwie lassen die neuen Spiderman Verfilmungen den Charme der ersten beiden Sami Raimi Adaptionen mit Tobey Miguire vermissen… Aber was will man erwarten außer grelles Spektakel, inhaltlich flach…

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