Afflicted

Ein Rucksacktourist verwandelt sich in ein Nosferatu-Monster und dokumentiert seine Agonie im Videoblog.

Afflicted Cover

Derek Lee, Clif Prowse, CA/USA 2013
DVD/BD-Start: 04.09.2014
Story: Gegen den Willen seiner Angehörigen bricht der von einem Blutgerinnsel im Gehirn bedrohte Derek mit seinem besten Kumpel Clif zu einem Sabbatical nach Europa auf. In Paris verletzt Partyaufriss Audrey Derek bei einer gemeinsamen Nacht schwer. In der Folge entwickelt er bizarre Symptome, Superkräfte – und Durst auf Blut.
Von Gnaghi

Dafür, dass die seit Jahren befreundeten Newcomer Derek Lee und Clif Prowse die überstrapazierten Formeln des Found Footage mit jener des Vampirfilms verbinden, muss man beiden attestieren, ein unterhaltsames Exemplar des Fake-Doku-Schreckens hervorgebracht zu haben. Ihre Horrorausgabe von „Chronicle“ wartet mit schmucken POV-Actionsequenzen auf und einer plausiblen seelisch-körperlichen Agonie der Hauptfigur.

In einem aufgekratzten und eifrig gebloggten Travelogue sind die Figuren, die so heißen wie im realen Leben, durchweg sympathisch und der gesundheitsgefährdete, stille Derek sogar substanziell. Obwohl er nach dem blutigen Zwischenfall schlafsüchtig ist, Pasta meterweit ausspeit und krasse Allergieanfälle bekommt, sich damit Hinweise auf Vampirismus verdichten, vermuten seine Mitreisenden die Folgen eines Aneurysmas.

Blutige Actionflucht aus Ego-Shooter-Sicht

Gleichwohl fällt seine qualvolle Metamorphose von einem jungen Mann, der nochmal die Welt sehen möchte, zu einem knurrenden Nacht-Raubtier durchweg spannend aus. Er bildet Superkräfte heraus und testet sie ausgiebig, gefilmt aus POV-Perspektive, entwickelt aber unkontrollierbaren Bedarf an Frischblut – und zwar menschlichem. Mal ist er Patient, mal Superman, eine erschreckende Verwandlung vom Menschen weg.

Als sich dieses Blut riechende, monströse Wesen einer verheerenden Tat bewusst wird, will es sich selbst erschießen – das eklige Ergebnis ziert das Filmposter. Denn Derek ist unsterblich und sucht Erlösung von dem Fluch, Therapie von der Krankheit und Antworten von der Frau, die ihn infizierte, wobei er von Interpol und Spezialkommandos der Polizei ins Visier genommen wird: eine blutige Actionflucht aus Ego-Shooter-Sicht.

Die Horrorausgabe von „Chronicle“

Seine beklemmend abnormale Entwicklung ist als zunehmendes Verzweifeln an sich selbst, als Qual des Verdammten zu spüren. Der summarisch überraschend konventionelle Ablauf hat das Touristenvisa eines „American Werewolf“-Plots und Elemente aus „Interview mit einem Vampir“ im Gepäck. Er gewinnt dem Vampirmythos zwar keine neue, aber eine gelungene Variante ab, wie das „Wer“ jüngst hinsichtlich Werwölfen gelang.

http://www.youtube.com/watch?v=Ydxe7lX6_6g

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