The Raid 2

Der Gangsterthriller bietet Action und brutale Gewalt satt, aber es fehlt das schlagende Konzept des Kultvorgängers.

The Raid 2 Cover

The Raid 2: Berandal, Gareth Evans, RI/USA 2014
Kinostart: 24.07.2014, DVD/BD-Start: 27.11.2014
Story: Kaum hat Nachwuchspolizist und Schwarzgurtkämpfer Rama die Razzia im Hochhaus überlebt, stecken ihn skrupellose Vorgesetzte in den Knast, damit er Bandenboss-Sohn Uco das Leben rettet und später dessen Organisation infiltrieren kann. Jungmobster Bejo aber plant einen ganzen Unterweltkrieg.
Von Jochen Plinganz

An Ambitionen mangelt es Gareth Evans Nachfolger zum eigenen, drei Jahre alten, ultrabrutalen Martial-Arts-Reißer keineswegs – aber das wortwörtlich schlagende Konzept einer Actionfassung von „Rio Bravo“, das beste Argument für den Vorgänger. So verteilen sich Shootingstar Iko Uwais, der hippe Soundtrack, der Stakkatokampfstil des indonesischen Pencak Silat und sehr viel Gewalt auf ein Gangsterepos aus Jakarta.

Dem Waliser Wahlindonesier Evans schwebt ein großes Hexenkessel-Epos vor. Doch das hat nicht genügend Substanz für die enormen 150 Minuten. Es nimmt sich trotz John-Woo-Story-Elementen wie ein x-beliebiger Asia-Unterweltthriller rund um verschlungene Undercover/Cops/Mobster-Schachzüge auf den Spuren von „Infernal Affairs“ aus, ohne dessen Klasse – oder jene des koreanischen „The Yellow Sea“ – zu erreichen.

Gemetzelgeilheit äußert sich in frenetischen Fights

Der Entwurf all der Machination, worin sich Gesetzeshüter und Gangster an Rücksichtslosigkeit überbieten, bleibt bezüglich des Noir-Touches um jene wenigen Aufrechten, die unverschuldet im Kriminalitätssumpf feststecken und versinken, ausbaufähig. Dafür beweist der erst 33-jährige Regisseur wieder mal seine Gemetzelgeilheit, die sich in frenetischen Fights äußert – deren Choreographie indes oft zu gestellt wirkt.

In seinem farbarmen Halbdunkelwerk wollen sich die gefährlichsten Gesellen an die Kehle, planen shakespearartig, wie man sich seiner Widersacher entledigt und hetzen dann die Bluthunde aufeinander. In Schlammschlachten kommen dabei vorwiegend Messer, Macheten, Knüppel und die nackten Fäuste zum Einsatz – alles was tötet und verstümmelt, hat Vorfahrt. Die Kämpfe sind zwar nur sporadisch, aber ihr Blutzoll ist überzogen.

Jakarta-Gangsterepos auf den Spuren von „Infernal Affairs“

So sehr, dass der Schritt zum Gore-Movie nur noch ein ganz kleiner ist. Die Action mit heftigen Stunts bietet exzellente Fan-Kost. Wie ein manipulierter und verratener Einzelkämpfer, der in einer Fernbeziehung vom Frieden träumt, Emotionen erlebt, vermittelt auch die immense Laufzeit nicht, allenfalls indirekt durch seine Narben. Und der Adrenalinrausch hält nicht den wieder videogamemäßigen Gewaltexzess vor.

3 Gedanken zu „The Raid 2“

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