Nebenwege

Nebenwege Cover

Michael Ammann, D 2014
Kinostart: 03.07.2014

Wenn ich ins Kino gehe, will ich keinen TV-Film sehen. Etwas anderes kann der für Daily Soaps wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ und „Verbotene Liebe“ zuständige Michael Ammann freilich nicht. Nach eigenem Script wildert er im Terrain von Marcus H. Rosenmüller („Wer früher stirbt, ist länger tot“) und bringt drei Generationen einer Familie in einer Regional-Dramödie um eine unfreiwillige Pilgerreise zusammen. Jeder Versuch, Komik zu erzeugen, scheitert zum Fremdschämen; in langweiligen Aufnahmen arbeiten sich alldieweil drei Klischeefiguren an ihren Problemen ab.

Ein überfordert-hilfloser Vater (Roeland Wiesnekker) will mit seiner pampigen Teentochter (Lola Dockhorn, „Einer wie Bruno“) die starrsinnig-rücksichtslose Oma (Christine Ostermayer) wegen ihres beginnenden Alzheimers in ein Seniorenstift bringen, doch die Alte büxt aus und wandert querfeldein zur schwarzen Madonna nach Altötting. An dem Darsteller-Trio liegt es nicht, dass alle drei ausnehmende Antipathen sind, mit denen man keine Minute verbringen will – aber dazu gezwungen wird, sich mit ihnen redundant im Kreis zu drehen und alle ihre Konflikte (Schuld am Tod des Bruders, mangelnde Ehrlichkeit, gebrochene Versprechen) einschläfernd einzeln auszutragen.

Aus dem TV-Dramaturgie-Grundkurs-Bausatz zusammengefügte Story

Die aus dem TV-Dramaturgie-Grundkurs-Bausatz zusammengefügte Story dringt nie zu den Charakteren vor. Speziell das Hinterhergerenne des erratischen Vaters nervt dauerhaft und ist nicht nachvollziehbar. Gleiches gilt für die Oma, die mal geistig fit, mal völlig dement ist, je nachdem, wie es das Drehbuch gerade braucht. Dies geht mit einer vergnüglich-gemütlichen Musik einher, die Zuneigung und Einfühlsamkeit demonstrieren soll, deren Dauergedudel aber nur ärgert. Und dann rupft die BR-Produktion auch noch lieblos bayerische Folklore-Klischees – vom krachledernen Kirmes bis zum zauseligen Bauerngratler. Das ist nicht nur ideenlos abgespult, es ruiniert auch die einzige Szene, in der so etwas wie Stimmung aufkommt: ein Zitherspiel in der rustikal-räudigen Kate.

Max Renn

Bislang kein Trailer online

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