Jodorowsky’s Dune

Der größte Film, den es nie gab: Frank Pavich forscht nach, wie Jodorowsky gewaltige „Dune“-Verfilmung ausgesehen hätte.

Jodorowsky's Dune Cover

Frank Pavich, USA/FR 2013
ohne deutschen Start
Story: Mitte der 70er folgte Kultfilmer Alejandro Jodorowsky der Einladung des Produzenten Michel Seydoux nach Paris, um dort die Adaption von Frank Herberts SciFi-Roman „Der Wüstenplanet“ vorzubereiten. Jodorowsky spannte die besten Künstler seiner Zeit ein – bis Hollywood den Geldhahn zudrehte.
Von Thorsten Krüger

„The most important picture in the history of humanity“ nennt der 84-jährige Regisseur mit wachem Geist und Riesen-Ego, fast 40 Jahre nach dem Scheitern, seine Vision. So größenwahnsinnig sein Kunstfilmprojekt des Jahrhunderts auch gewesen sein mag, für Frank Pavich erzählt Alejandro Jodorowsky bereitwillig vom Mythos seines „cineastischen Gottes“, der nur in einem kiloschweren Storyboard aus 3000 Zeichnungen existiert.

Animationen daraus illustrieren Aspekte als fertigen Film und Beteiligte von einst sowie Bewunderer von heute (Richard Stanley, Nicolas Winding Refn) veranschaulichen, wie das als halluzinogener LSD-Trip geplante Opus Magnum ausgesehen hätte. Die Mitwirkung der größten Künstler und kommenden Talente jener Tage füttert die eigene Imagination derart, dass alles unter verrückt und revolutionär hoffnungslos untertrieben wäre.

Surrealistisches Epos mit Riesenbudget

In einem kurzen Abriss stellt Pavich Person und Werk des vom Avantgarde-Theater kommenden, aus Chile stammenden Mexikaners Jodorowsky vor, der Anfang der 70er mit „El Topo“ und „The Holy Mountain“ zum Schamanen des psychedelischen Midnight Movies wurde. Er nahm das Angebot des französischen Produzenten Seydoux an, um Frank Herberts bahnbrechende Bibel der Science Fiction anzugehen – ohne sie gelesen zu haben.

Jodo, der Jedi, der Guru esoterischer Experimentalkunst, wollte mit Riesenbudget ein surrealistisches Epos schaffen. Der spirituelle Krieger suchte Mitstreiter – und fand sie: Den begnadeten Comiczeichner Jean Giraud (alias Mœbius), der die Ideen Bild für Bild ins Skizzenbuch übertrug. Dazu den renommierten SciFi-Cover-Maler Chris Foss, Effektspezialist Dan O’Bannon („Dark Star“) sowie den aufstrebenden Künstler H.R. Giger.

Prophet der kühnen Kompromisslosigkeit

Nach dem Motto „Kein Meisterwerk ohne Wahnsinn“ betete Jodorowsky Pink Floyd, Salvador Dalí und Orson Welles an – und engagierte sie alle kurzerhand. Des weiteren, zumindest nach seinen Aussagen: Mick Jagger, Udo Kier (direkt aus der Andy Warhol Factory), David Carradine und Dalís Muse Amanda Lear. Und seinen 12-jährigen Sohn Brontis, den er auf dem Altar der Kunst opferte und Jahre lang in die Kampfsporthölle schickte.

Auch wenn man Pavichs Ansatz hagiographisch nennen kann, desavouiert sich der jovial plaudernde Jodorowsky doch selbst als rücksichtslos und megaloman. Es benötigt keinen Kommentar, um sich von diesem erleuchteten Propheten zu distanzieren und sich zugleich für dessen kühne Kompromisslosigkeit zu begeistern. Mit diesen erstaunlichen Konzepten wäre die Filmgeschichte vermutlich ein wenig anders verlaufen.

Der Stoff, aus dem Legenden sind

Man versteht, wieso kein Studioboss die damals exorbitanten 15 Millionen riskieren wollte für einen Halb-Verrückten, der „Frank Herberts Roman vergewaltigen“ wollte, „aber mit Liebe“. Andererseits ist Jodorowsky aus gutem Grund noch heute auf die phantasielosen Krämerseelen wütend – jeder Hollywoodmagnat hatte eins der voluminösen Entwurfbücher vorliegen, aber keiner wagte die fehlenden fünf Millionen auszugeben.

Der Traum platzte also – eine katastrophale Enttäuschung, David Lynch übernahm und vermasselte es grauenhaft. Aus diesem Stoff wurde eine Legende geboren, deren Einfluss von „Star Wars“ bis „Prometheus“ reicht, auch weil viele Künstler ihre Ideen (u.a. in „Alien“) realisierten. Keiner kann sagen, ob das Werk je ein Erfolg geworden wäre, aber nun kann jeder davon träumen. Anschauen ist ergo oberste Cineastenpflicht.

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