Brick Mansions

Paul Walkers letzter (vollständiger) Kinoauftritt: Ein formelhaftes Jump&Run-Game aus Luc Bessons Action-Factory.

Brick Mansions Cover

Camille Delamarre, FR/CA 2014
Kinostart: 05.06.2014, DVD/BD-Start: 05.11.2014
Story: Cop Damien muss eine Neutronenbombe entschärfen, die der skrupellose Drogenboss Tremaine in Detroits No-Go-Area, dem abgeriegelten Kriminellenviertel Brick Mansions, versteckt hat. Dafür spannt er Gauner Lino ein, dessen Freundin in Tremaines Gewalt ist. Aber die Politik treibt ein falsches Spiel.
Von Sir Real

Der französische Genre-Magnat Besson hat seinen kontinentalen Hit von 2004, auf deutsch grauenvoll „Ghettogangz“ betitelt, international neu verföhnt, wieder als Drehbuchautor und Produzent. Den Popcorn-Quark exekutiert für ihn ein Werbeclip-No-Name, erneut mit dem Parkour-Profi David Belle, bekannt geworden in eben jenem „Banlieue 13“, schon dem Namen nach ein Mix aus „Assault“ und „Escape From New York“.

Daran hat sich auch zehn Jahre später nichts geändert. Ebenso wenig daran, dass Luc-Besson-Produktionen immer nach mehr aussehen wollen, als sie sind, cool die Posen der Großen imitieren und doch nur Pop aus der Motivmühle sind: „Brick Mansions“ ist so weit von jeder Realität und Physik entfernt, wie ein Actionfilm nur sein kann; somit reine Fantasy und doch wesentlich fantasieloser als der dynamische Vorgänger angerichtet.

Technisch souveräner Cartoon, doch nie ernstzunehmendes Handwerk

Seinem größten Trumpf, dem artistischen Mauerstürmer Belle (sowie generell jeder Actionsequenz), raubt das Montage-Massaker sämtliche spektakuläre Wirkung, bis nur noch ein inkohärentes Gewirr aus Zufallsbildern übrig bleibt. Rasanz und Irrwitz von Pierre Morels Original fehlen in dem technisch souveränen Cartoon, der nie ernstzunehmendes Handwerk, sondern nur die Macken fehlgeleiteter modern day action darlegt.

Zwischen ausgelutschter Buddyaction und lahmer Klischeekomödie kann man sich auf dem Niveau eines naiven Märchens unterhalten, wo Gegner K2 oder Yeti heißen, Gangstervisagen Halbstarkensprüche ablassen, RZA als Hobbykoch und Crimelord sich in einem absurden Twist als Gutmensch, manipulative Mächtige als böse Wichte herausstellen. Neben dieser Antiklimax besticht das Geschehen mit jugendfreier Harmlosigkeit.

Ein Mix aus „Assault on Precinct 13“ und „Escape From New York“

Obwohl Homeboys und Homegirls in der „gefährlichsten Stadt der Welt“ hausen, fällt ihr Wirken weitgehend unblutig bis moderat aus. Dazu wählt Delamarre in gesichts- und stillosem Look immer die gleiche Ansicht einer Industriebrache in Detroit. Wer die Atmosphäre der sterbenden Metropole kosten möchte, muss sich Jim Jarmuschs „Only Lovers Left Alive“ ansehen. Oder allgemein die erwähnten John-Carpenter-Klassiker.

So ein Schmalspurwerk hat Paul Walker als Vermächtnis nicht verdient – es bleibt die Hoffnung auf „Fast & Furious 7“.

2 Gedanken zu „Brick Mansions“

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