The Unknown Known

The Unknown Known Cover

The Unknown Known, Errol Morris, USA 2013
Kinostart: 05.06.2014

Seriös, aber viel zu brav porträtiert die hochdekorierte Dokumentar-Koryphäe Errol Morris („The Fog of War“, Produzent von „The Act of Killing“) einer der umstrittensten US-Politiker der jüngsten Zeit, den Republikaner Donald Rumsfeld. Als Verteidigungsminister unter George W. Bush war er maßgeblich für die erfundene Begründung für den Überfall auf den Irak sowie systematische Folter in Abu Ghuraib und Guantanamo verantwortlich. Eine Hassfigur für viele, die sich ohne jede Selbstkritik oder Gewissensbisse herausredet und -windet.

Biografisches über den seit Mitte der 70er (für Nixon) Tätigen flicht Morris kurz mit ein, lässt dem Zeitzeugen weitgehend die Deutungshoheit, da er als Talking Head selbst vornehmlich aus der vergangenen Dekade erzählen darf, als er die treibende Kraft des „war on terror“ war. Dazu kommen Grafiken und Animationen, TV-Footage von Aussagen, deren Fakten Rumsfeld beim munteren Zurechtbiegen seines Wirkens nur selten widerlegen. Zudem vermitteln einige kontemplative Cinemascope-Totalen zu Danny Elfmans Mysterymusik ja, was? Tiefe? Nachdenklichkeit?

Wortverdreher von Goebbels’scher Gewandtheit

Meist geht Morris diesem charmanten Machiavellist, superschlauen Schurken und Wortverdreher von Goebbels’scher Gewandtheit mit seinem Ausflüchte-Repertoire auf den Leim. Dann darf der launige Rumsfeld sich unbedrängt selbst darstellen. Der Chef-Propagandist und -Stratege der Bush-Administration macht sich einen Spaß daraus, Guantanamo-Misshandlungen und den Katalog von Bestialitäten zu verharmlosen und Schandtaten jovial zu leugnen. Das ist an Zynismus nicht zu übertreffen und damit ein schauderhaft gelungenes Bildnis eines Selbstgerechten – das freilich einige Kenntnis der Geschehnisse seit dem 11. September voraussetzt.

Wieso also grinst dieser Mann? Eine nahezu rhetorische Frage: Weil er nichts zu befürchten hat, vor allem keine Folgen für seine immensen Verbrechen. Schließlich lehnen die USA die Statuten des Internationalen Strafgerichtshofs aus gutem Grund hartnäckig ab – damit amerikanische Militärs und Politiker nicht für Angriffskriege (Irak, Afghanistan) und Verbrechen gegen die Menschlichkeit (diverse Foltercamps) belangt werden können, mithin genau das, wofür die NS-Führung von den Alliierten in Nürnberg zum Tode verurteilt wurde.

Thorsten Krüger

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