Rheingold – Gesichter eines Flusses

Rheingold - Gesichter eines Flusses Cover

Dr. Peter Bardehle, Lena Leonhardt, D 2014
Kinostart: 21.08.2014, DVD/BD-Start: 28.01.2015

Der Rhein, diese mitteleuropäische Lebensader, bis auf zwei Einstellungen auf einem Boot ausschließlich aus der Vogelperspektive gefilmt – eine komplett mit dem Helikopter-Kamerasytsem Cineflex entstandene Doku nach Art von „Deutschland von oben“. So atemberaubend und feinsinnig wie „Die Alpen – Unsere Berge von oben“ fällt die über zwei Jahre hinweg entstandene Arbeit von Dr. Peter Bardehle (Kamera zu „Die Ostsee von oben“ und „Die Nordsee von oben“) und Debütantin Lena Leonhardt zwar nicht aus; aber interessant und informativ genug, auch wenn dem bestechenden visuellen Konzept des Schweben, Driftens und Kreisens thematisch eine gewisse Schwammigkeit gegenübersteht.

Die Idee, die volltönende Stimme Ben Beckers als poetischen Rhein Lyrisches und eine sachliche Sprecherin alles Nennens- und Wissenswerte entlang des Stroms verkünden, mithin Mythos und Moderne abwechseln zu lassen, entwickelt eine Dysbalance. Trotz musikalischen Klassik-Motiven aus Wagners „Rheingold“ werden Legenden, Sagen und Nibelungen nur angekratzt (aber erhellend verortet) – Triviales und Kontemporäres hingegen überbetont. Von den zerklüfteten Höhen des Gotthardmassivs und seinen phantastischen Bergpanoramen hangeln sich Bardehle und Leonhardt von der Wildnis rasch zur Kulturlandschaft, wo sie an Städten, Sehenswürdigkeiten, also Burgen und Kirchen, Traditionen und Kuriosem vorbeifliegen – TV-tauglich, aber sehr wohl im Kinoformat.

Bestechendes visuelles Konzept für ein interessantes Panorama

Die Luftbilder sind der einzige Spezialeffekt einer erfreulich bescheidenen, dennoch imposanten Natur- wie Kulturdoku, die auch genug Tiere entdeckt, vor allem Vögel, diesen aber nicht mit den sonst üblichen Zeitlupen und -raffern oder dramaturgischen Mätzchen beikommt. Eine angenehm puristische Linie, die nie ins Skulpturelle wie „Watermark“ oder ins Edukative/Animierte wie der spektakuläre „Planet Deutschland“ verfällt. Historisches und Aktuelles von den Römern bis zu den Deutschen erbietet sich, wenngleich geographisch, geschichtlich (und auch sonst) nie zu wissenslastig, sondern in wohlverträglichen Häppchen; und auch: nie deutschtümelnd, sondern dem europäischen Geist verpflichtet. Schließlich verbindet der Rhein sechs Länder, lehrt dieses sehenswerte Panorama.

Jochen Plinganz

Bislang kein Trailer online

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