Zoran – Mein Neffe der Idiot

Weinselige Charakterschweinkomödie, die arthausig-skurril einen temperamentvollen Troll aus dem Depressionssaufen holt.

Zoran - Mein Neffe der Idiot Cover

Zoran il mio nipote scemo, Matteo Oleotto, I 2013
Kinostart: 19.06.2014, DVD/BD-Start: 05.12.2014
Story: Der versoffene Misanthrop Paolo verbringt die Tage in der Stammtaverne seines nordostitalienischen Dorfes, als er von einer vergessenen slowenischen Tante den 15-jährigen Zoran erbt. Den hält er für einen Idioten, bis er sein Darts-Talent entdeckt, mit dem er reich werden und seine Ex zurückgewinnen will.
Von Gnaghi

Nach dem Natur- und Geisterhorror „Across the River“ kommt binnen kurzem ein zweiter Film aus der nordostitalienischen Region um Friaul in unsere Kinos. Matteo Oleottos Spielfilmerstling bedingt freilich nicht Furcht, sondern Vergnügen und funktioniert als erdfarbene Charakterstudie, in dem die Leistung von Giuseppe Battiston („Brot & Tulpen“, zuletzt in „Venezianische Freundschaft“) ein beachtlich boshaftes Vergnügen bereitet.

Als skrupelloser Roué mit dem (Alkohol-)Appetit eines Gérard Depardieu, der Laune eines Tolkienschen Trolls und der Konstitution eines Bud Spencer, schaut man den menschenfeindlichen Gemeinheiten einer leicht reizbaren, schnell tobenden Tonne zu. Und weil Oleotto in der Ästhetik des Kneipenhalbdunkels, mit gelassener Gemächlichkeit und vorerst moralfrei seinem Handeln beiwohnt, ist Battistons Spiel eine echte Show.

Giuseppe Battiston als tobende Tonne ist eine echte Show

Wie der Rüpel manipuliert, lügt und täuscht, andere verachtet und gewissenlos benutzt, um Geld abzusahnen und seine Ex Stefania wieder zu erobern, ist komisch und skurril. Mit seiner Schmierenkomödie stößt er schließlich an Grenzen, bis sich herausschält, was für ein seelische gebrochener Loser er ist, der im Suff die Einsamkeit ertränkt und durch eine späte Erziehungs- und Besserungsagenda doch noch ein netter Kumpel und Onkel wird.

Allerdings gelingt die Zähmung des Egoisten, der vorher so charmant brillierte, am wenigsten. Wo James McAvoy im „Drecksau“-Delirium Mitleid und Bestürzung auslöste, stellt sich dieser Pfad zur Freundschaft als langweilig heraus. Oleottos bis dahin so erfrischende Farce verliert ihren Punch und viel Luft. Die Weingesänge der Säuferkumpanen und das Verhalten eines schrägen Schlitzohrs bleiben indes in reizender Erinnerung.

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