Killers

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aka Killers – In jedem von uns steckt ein Killer, Kimo Stamboel, Timo Tjahjanto (The Mo Brothers), RI/J 2014
DVD/BD-Start: 06.11.2014

Gibt es eigentlich noch einen Japaner ohne privaten Folterkeller? Bei der Flut an solchen Filmen zweifelt man ernstlich daran. So darf auch Nomura (Kazuki Kitamura, „Kill Bill“ plus „The Raid 2“), Ästhet und Frauenverstümmler, eine Gefangene tothämmern und den „Guinea Pig“-Snuff-Clip ins Netz stellen. Der US-Investmentbanker, einem „American Psycho“ nicht unähnlich, ist eine Lifestyle-Bestie in Tokio, favorisiert Hochkultur und Menschenfleisch in Scheibchen. Anschließend zersetzt er die Leichen in „Sado“-Säurewannen und lehrt via Laptop den fassungslosen indonesischen Kameramann Buya die Kunst des Tötens. Der will als Rächer für das Gute kämpfen und mächtigen Kinderschändern das Handwerk legen.

Den zuletzt für Horror-Anthologien wie „The ABCs of Death“ oder „V/H/S 2“ tätigen Kimo Stamboel und Timo Tjahjanto, alias The Mo Brothers („Macabre“), schwebt in ihrem vorgeblich letzten gemeinsamen Werk ein Essay über Gewalt und Trauma vor. Ihr verkrampfter Versuch eines Brutalo-Schockers, dessen Blutbarbarismen öfter mal brechreizerregend ausfallen, gerät zum verlogenen bis degoutanten Unfug. Die Studie über unser Verhältnis zu Gewalt zwischen Attraktivität und Abscheu interessiert sich nicht im geringsten für Figuren oder Story, sondern nur ihre Pointen. Weshalb in dem aufs Exemplarische abgemagerten Plot alles unnatürlich und aufgesetzt wirkt.

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Protagonist Buya (Oka Antara, ebenfalls aus „The Raid 2“) agiert so dämlich, das es weh tut – als blutiger Amateur steht er nur blöd im Weg herum. Jede seiner Szenen ist lächerlich. Nomura hingegen fällt so überzogen diabolisch aus wie die Floristin Hisae (Rin Takanashi, „Like Someone in Love“) naiv. Die Regie zerdehnt das Geschehen extrem, so als würden sich die formelhaften Wendungen allein dadurch in Arthauskino verwandeln. Das Erzähltempo ist eine 137-minütige Geduldsprobe, die sich ausgefeilt gibt und doch nur furchtbar plumpen Krampf über Weltekel und Tötungslust vertickt.

„Killers“ gibt eine weltanschauliche Tiefe vor, die er nicht hat: Er ringt seinem Sujet nur plakative, abgedroschene Einsichten ohne einen Funken Neuem ab. Übel wird es immer dann, wenn die Ventile intensiv aufdrehen und nichts als Geschrei, Gebrüll, Gekreisch und Geheul produzieren. Das plustert sich ganz groß bedrohlich auf und beweist, wie ungeeignet diese inszenatorischen Mittel für die Intention sind. Fürwahr eine Tragödie für mitfühlende, eine Komödienqual für Mitdenkende.

Max Renn

5 Gedanken zu „Killers“

  1. So schlecht wie der Film hier da gestellt wird ist er überhaupt nicht.
    Besitze die völlig ungeschnittene Blu-ray und eines kann ich schon mal mit sicherheit sagen und zwar das es dort nichts zu lachen gibt.
    Der Film ist schonungslos und sehr düster.
    Gewalt wird dort realistisch da gestellt ohne ein Augenzwinkern.
    Auch der sehr gut eingesetzte und dosierte Score weiß zu gefallen welcher den Film gleich noch mal eine Stufe düsterer erschscheinen lässt.

    Wer in dem Film was zu lachen hat der ist entweder schon so sehr abgestumpft das ihm die Gewalt völlig am Arsch vorbei geht oder aber er schaut den falschen Film.

    Kann man Gewalt so gut und schonunglos Filmen?
    Ja , man kann!

    Gruß
    Kai

  2. ja gut, in asien liegen horror, thriller und komödie eh immer sehr weit aneinander, fast jeder ernste film ist auch total witzig, aber das macht die filme irgendwie voll cool imho.

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