To Kill a Man

Chilenisches Selbstjustizdrama, das für den Arthaussektor minimalistisch über Moral meditiert – nur leider arg leblos.

To Kill a Man Cover

Matar a un hombre, Alejandro Fernández Almendras, FR/RCH 2014
DVD/BD-Start: 23.07.2014
Story: Seit Kurzem haust eine Bande Straßenstrolche in der Stadtrandsiedlung des friedlichen Forstarbeiters Jorge. Als Anführer Kalule Jorges Sohn anschießt und nach einer milden Strafe zwei Jahre später seine Tochter zu vergewaltigen versucht, schauen die Behörden weg und Jorge holt die Schrotflinte aus der Vitrine.
Von Thorsten Krüger

Der Rachefilm-Katalog erhält mit diesem lateinamerikanischen Exponat einen weiteren Eintrag, wenn auch keinen sonderlich zwingenden. Der dafür in Rotterdam und Sundance ausgezeichnete Alejandro Fernández Almendras („Huacho – Ein Tag im Leben“) hungert alle Anhänger reißerischer Actionthriller konsequent aus. Sein neorealistischer, von Auslassungen geprägter Autorenstil kommt Götz Spielmanns „Revanche“ nahe.

Obwohl der Auftakt mit dem Tongemälde eines „There Will Be Blood“ hervorsticht, die strengen Kompositionen öliger Nachtschwärze zunächst wie von Gaspar Noé in beengter Kadrage und Kamerawinkeln eingefangen sind, verliert sich diese künstlerische Dichte wieder. Der mit 82 Minuten recht kurze Film über das Töten findet zwar sporadisch Verstörendes von lakonisch-lapidarer Gewalt, implodiert aber fortan dramaturgisch.

Gefühle und Gedanken lassen sich kaum erahnen

Der Zerfall einer Familie geht in Aussparungen unter, aber auch, weil die Figuren nicht nur räumlich auf Distanz bleiben und kurz durchs Bild huschen. Das zerfurchte Gesicht des die Konfrontation scheuenden Antihelden Jorge (Daniel Candia) hingegen sieht man in fast jeder Einstellung. Doch nicht nur die Kommunikation mit seiner Familie schlägt fehlt, auch lassen sich Gefühle und Gedanken des verschlossenen Vollbarts kaum erahnen.

Der eskalierende Konflikt bleibt zu unscheinbar, zu uneindringlich, zu reduziert, um daraus außer intellektuellen Ansprüchen entschiedene Stärken zu gewinnen. Neben der Klage gegen ein gleichgültiges Rechtssystem fehlt es an Subtext. Zu selten sind Sequenzen, die den psychologischen Effekt der Selbstjustiz auf den erratischen Jorge gestalten. Dies gleicht mehr einer kuriosen Zeitungsmeldung, auf der „To Kill a Man“ letztlich basiert.

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