Under the Skin

Die Frau, die vom Himmel fiel: Scarlett Johansson kurvt als Alien durch Schottlands Straßen in einem spärlich-surrealen Kunsthorrortrip.

Under the Skin Cover

Jonathan Glazer, GB/USA/CH 2013
DVD/BD-Start: 24.09.2014
Story: Ein Alien hat die Gestalt einer verführerischen Frau angenommen, liest mit einem Kleinbus alleinstehende Männer von den Straßen rund um Glasgow auf und lockt sie in ein schäbiges Haus. Dort werden die Erregten vom Boden verschluckt, ihr Komplize beseitigt Spuren. Bis sie mit ihrer Aufgabe fremdelt.
Von Max Renn

Der britische Videoclipper Jonathan Glazer erwies sich 2000 mit seinem grotesken Poolduell „Sexy Beast“ als Entdeckung, verwirrte vier Jahre darauf mit dem kryptischen „Birth“. Seine dritte Arbeit, sehr frei nach Michel Fabers vieldeutigem Romandebüt, ist hochambitioniert, aber auch in erheblichem Maße apathisch und einfältig, variiert Nicolas Roegs „Der Mann, der vom Himmel fiel“ kalt, unheilvoll und hermetisch.

Scarlett Johansson beweist Mut, sich mit ihrem Image als Sexsymbol bis unter die libidinöse Haut zu entblößen. Als gefühlskalte Außerirdische fehlt ihr in dem minimalistischen, dialogarmen Drama das Gegenüber, oder die Möglichkeit, mehr auszudrücken als ihre stumme Andersartigkeit. Als Stimme von „Her“ artikulierte sie nuancierter denn nur verständnislose Verwunderung für die Welt der Menschen und sich selbst als Maschine.

Kaum zu durchdringende Rätselhaftigkeit

Der Auftakt berückt: Abstrakte Formen, Sprachübungen und das Elektro-Soundscape ergeben einen fremdartig-finsteren, alptraumhaften Rausch, der an „2001“ gemahnt. Solche Experimentalstrecken sind jedoch rar. Meist sieht Glazer seinem figurbetonten, üppigen Lockvogel zu, wie er Männer aufzugabeln versucht. Elliptische Abfolgen in handlungsverkürzender Montage, eine alltagsbanale, dokumentarische Collage.

Ein schwarzer Grundton dominiert, farblich wie stimmungsmäßig, aber auch was die kaum zu durchdringende Rätselhaftigkeit der reichlich spärlichen Story anbelangt. Glazer verschreibt sich dem Visuellen und Surrealen, aber gerade davon bietet er variationslos wenig. Unterschwellig brodelt Unbehagen, nur Beklemmendes wie das schreiende Baby am Strand oder den Elefantenmensch gibt es zu selten, öde Stadtstraßen zu oft.

Als Kunstinstallation interessanter denn als Narrativ

Es passiert und man erfährt zu wenig, um wirklich involviert zu werden, sowohl was den mysteriösen Motorradfahrer betrifft, der als Cleaner agiert, als auch die Sinnkrise einer in fremder Haut Steckenden, die ein schottischer Gentleman ihre Mission hinterfragen lässt. Auch wenn die Bilder originell ausfallen, die ein, zwei lyrischen Momente schottischer Seelenlandschaften können die Monotonie nicht emotional auftauen.

Auf existenzialistischer Waldwanderschaft, wo sie ein Vergewaltiger verfolgt, endet die Selbsterkenntnis einer Roboterhaften, die, tja was, Gefühle? entdeckt. Diesmal ist die Venusfliegenfalle selbst die Beute. Eine sardonische Pointe? Depressive Mystik? Oder lediglich Mangel an Ideen? Das ist als Kunstinstallation interessanter denn als distanziertes Narrativ und nicht mal so hypnotisch wie „Beyond the Black Rainbow“ komponiert.

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