Maps to the Stars

Giftig-kühle Showbiz-Satire, die Hollywoods schönen Schein in einem unverdünnt ätzenden Panorama psychischer Perversionen auflöst.

Maps to the Stars Cover

David Cronenberg, CA/USA/D/FR 2014
Kinostart: 11.09.2014, DVD/BD-Start: 23.02.2015
Story: Die brandvernarbte Agatha trifft in Los Angeles ein, lernt Star-Chauffeur Jersome kennen und beginnt für die alternde Diva Havanna zu jobben. Doch eigentlich will die von ihrer Familie Verstoßene und Verschwiegene Kontakt zu ihrem Bruder Benji, einem Kinderstar, sowie ihren Eltern Stafford und Christina aufnehmen.
Von Sir Real

Nach seinem vollkommen verunglückten „Cosmopolis“ macht der kanadische Meister fleischlicher und psychischer Abgründe („Die Fliege“) wieder sehr viel mehr richtig. Don DeLillos Finanzfarce konnte David Cronenberg nicht angemessen bebildern, Bruce Wagners Script hingegen richtet er als extracooles Säurebad an – als hätte Bret Easton Ellis einen postmodernen „Boulevard der Dämmerung“ verfasst, mit Hang zum Spirituellen.

Die Verdorbenheiten Tinseltowns schreitet Cronenberg furios in einem Walk of Shame ab. Meisterlich kühl seziert er das Filmgeschäft, indem er ein Ensemble auffährt, das ausnahmslos einen Schaden hat. Seine Studie psychischer Verfassungen betrachtet subtil und komplex, aber auch böse und in perfekt-provokanten Dialogen mit Adult-Obszönitäten die verlogenen Heuchler, Zyniker, Pillenschlucker, Misanthropen. Und die Noch-Träumer.

Vollendet kaputte Familie als Sinnbild für Hollywood

Robert Pattinson betreibt als Chauffeur Wiedergutmachung für seinen „Cosmopolis“-Part, Mia Wasikowska („Spuren“) ist die unschuldige Schuldige, John Cusack und Olivia Williams sind stark als ihre Eltern. Aber Julianne Moore („Non-Stop“) stiehlt ihnen locker die Show als larmoyant-durchtriebene Norma Desmond und Nachwuchsmime Evan Bird brilliert als sarkastischer Justin-Bieber-Verschnitt, ein lebendes Franchise.

Seine vollendet kaputte Familie und ihre inzestuösen Skandal-Geheimnisse – sie sind Sinnbild für Hollywood. Aber ihre psychotische Tragik lässt leider ziemlich kalt. Cronenberg mischt schneidende Sottise und mörderisches Psychodrama, verdichtet sie nur nicht zum Alptraum eines Lynch oder Abgesang eines Wilder. Sein motivisch um Feuer kreisendes Porträt der von Geistern heimgesuchten Monster ist elegant, aber unterkühlt.

6 Gedanken zu „Maps to the Stars“

  1. Dann liegt es wohl nahe, dass mir beide Cronenbergs gefallen könnten. Generell gefallen wir auch beide Kino-Gruppierungen, anspruchsvoll und anspruchslos 🙂

  2. Mein Favorit ist “Die Fliege”, noch vor “Videodrome”, beides reinster Body Horror. Ab “Dead Ringers” wollte er dann nur noch Anspruchsvolles für den Festival- und Kulturbetrieb machen. Jeder, wie er mag.

  3. Ich hab bisher 3 Cronenbergs gesehen. “Shivers” war beschissen, “Videodrome” und “Dead Ringers” waren klasse, wobei zumindest letzterer ja kein wirklicher Body Horror mehr ist.. oder?

  4. Der alte Cronenberg mit seinem Body Horror ist wie ein anderer Regisseur – “Rabid” oder “Brood” haben denkbar wenig mit “A History of Violence” und “A Dangerous Method” zu tun…

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