Colt 45

Regengrauer Cop-Thriller, in dem ein Nachwuchsmeisterschütze durch die (Korruptions)Hölle geht, bevor er zurückschlägt.

Colt 45 Cover

Fabrice Du Welz, FR 2014
DVD/BD-Start: 07.10.2015
Story: Der gerade mal 25-jährige Vincent ist Waffenexperte für die Polizei. Als der Hobbykonstrukteur einen internationalen Schießwettkampf gewinnt, sind Eliteteams aus aller Welt hinter ihm her. Vincent lehnt ab und begegnet dem Agenten Milo. Der erpresst ihn und missbraucht Vincents Wissen für Morde und Überfälle.
Von Jochen Plinganz

Sechs Jahre Pause gönnte sich der mit „Calvaire“ und „Vinyan“ bekannt gewordene Belgier Fabrice Du Welz, der dieses Jahr in Cannes gleich mit zwei Filmen auftrat – einmal „Alleluia“, eine hochgelobte französischsprachige Fassung der Honemoon Killers, zum anderen diese angespannt-fiebrige „Training Day“-Abwandlung, anteilig auch Film Noir, Charakterstudie und reiner (Action)Thriller: Ein kalt-straffer Männerfilm.

Darin ist Ymanol Perset als naives Bübchen mit viel Wissen, aber keiner Erfahrung ein perfektes Opfer – ein Überflieger und Einzelgänger, der den Falschen vertraut und als Rekrut wie der letzte Dreck behandelt, ausgenutzt und manipuliert wird. So perfekt er schießt, so stümperhaft lässt er sich missbrauchen. Jede Schwäche wird bestraft und als er in Notwehr tötet, hat ihn sein dubioser Kollege (Joey Starr, „22 Bullets“) in der Hand.

Emotional unterkühlte, stickige Ästhetik

Du Welz’ Welten sind Vorhöllen, in denen Verdammte schmoren, gleich dem Triptychon von Stieg Larsson, dessen Schlagworte Verblendung, Verdammnis und Vergebung lauten. Vincent steckt bis zum Hals im Sumpf von Kriminalität, Mord und Korruption. Was er auch macht, er gerät immer tiefer in diesen brütenden Alptraum, rutscht einen Abhang der Schuld hinab – denn mit jedem Befreiungsversuch wird selbst zum Übeltäter.

Allerdings hängen er und sein Umfeld zu sehr in der Luft. Du Welz extrahiert gewiss große Anspannung aus bleigrauen Bildern, aus denen alle Farben geflossen sind. So intim und reduziert er seine Figur zeigt, sie wird kaum fassbar. In der emotional unterkühlten, zugleich stickigen Ästhetik kann man zu diesem Vincent kaum Kontakt herstellen. Alldieweil haftet seinem Leben dadurch etwas Irreales an, über das er keine Kontrolle hat.

Ein kalt-straffer Männerfilm

Nicht nur die tiefen elektronischen Geräusche und die kalten Synthie-Flächen verströmen ein gutes Maß an Verstörung. Gleiches gilt für die rapiden, brutalen Ermächtigungshandlungen, wenn Vincent aufräumt und dafür in die finstersten Ecken hinabsteigt. Das ist hart, aber Du Welz walzt es nie aus, handelt es wie den ganzen zwischen Arthaus und Genre stehenden Jenseits-des-Gesetzes-Thriller rasch und bisweilen zu kursorisch ab.

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