Gott verhüte!

Gott verhüte! Cover

Svecenikova djeca, Vinko Bresan, HR/SRB 2013
Kinostart: 07.08.2014

Um dem Bevölkerungsschwund auf einer dalmatinischen Insel entgegenzuwirken, sabotiert der junge Geistliche Don Fabijan Präservative und Pillen, bis ihm nach neun Monaten die Folgen seines Tuns über den Kopf wachsen. Die kroatisch-serbisch Produktion wäre gerne tragikomisch, wird in den Händen von Vinko Bresan („Marschall Tito’s Geist“) aber zur laschen Dramödie, die sich nicht entscheiden kann, was sie sein soll. Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert – das gilt für den Priester wie für den Film, der gut gemeint, aber einschläfernd gemacht ist und nicht im Entferntesten so witzig wie der Trailer ausfällt, weil er seine Pointen ordentlich verschläft.

Es hätte ein katholischer „Starbuck“ werden können, schlingert aber zwischen verschämten Schwank und vulgärer Volkskomödie, packt ein wenig Balkan-Folklore obendrauf, alles ein wenig ironisch, skurril und schwarzhumorig. Trotz Trauertrompeten verzichtet Bresan darauf, so rustikal-rumpelnd wie Kusturica vorzugehen. Er liebt es leiser, ist dafür aber nicht sensibel genug, den Figuren fehlt das 3D, der verstockte Seelsorger (Kresimir Mikic aus „Sturm“) wirkt besonders blass. Eigentlich eine schwunglos-zahme Posse für Priester – stünden in der Skizze des Sexualsittenbilds nicht die Tabus Spalier, Pädophilie unter Würdenträgern inklusive.

Trotz des spritzigen Themas herrscht tote Hose

Denn eigentlich tritt Bresans co-verfasstes Skript derbe nach der katholischen Kirche, greift satirisch Bevölkerungspolitik in einer vom Aussterben bedrohten Provinz auf, evaluiert verkrustete und progressive religiöse Haltungen, zeigt Segen und Fluch des Kinderkriegens. Aber auch die im Hintergrund eingeflochtene Kriegsvergangenheit mit ihren erheblichen Hinterlassenschaften kratzt nur an der Oberfläche und tritt so lange auf der Stelle herum, bis alles platt getrampelt ist. Was auf Papier nach einer remake-kompatiblen Idee klingt, köchelt auf Sparflamme und schöpft weder das Komische, Kritische, noch das Tragische oder Menschliche aus.

In der Fruchtbarkeitsphänomen-Fabel auf einer Insel der Liebe schlummert eine klasse Komödie, der realiter aber Turbulenz und Tempo, Emo-Einsatz und Überschwang fehlen. Sowie eine ausdrucksstarke Regiehandschrift, die mehr als gewöhnliches Bildverständnis beweist, womit trotz des spritzigen Themas tote Hose herrscht.

Sir Real

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