The Purge: Anarchy

The Purge: Anarchy Cover

James DeMonaco, USA/FR 2014
Kinostart: 31.07.2014, DVD/BD-Start: 11.12.2014

James DeMonacos rasch nachgeschobener Nachfolger zum drei Millionen Dollar günstigen Überraschungserfolg „The Purge“ macht aus dem ohnedies aufgesetzten Prinzip des jährlichen 12 Stunden straffreien Mordens, dessen stabilisierender Effekt auf eine vormals bankrotte Nation mehr als schleierhaft war, endgültig die pure Exploitation eines Amerika der nahen Zukunft. Was selbstverständlich in Ordnung ginge, wenn er dies nicht mit der Betroffenheits-Dramatik einer Telenovela zu erreichen versuchte.

Die Mischung aus Survival-Suspense, blutig-brutaler Action und dem Horror einer (ohne jeden SF-Effekt auskommenden) Dystopie verlegt sich vom Home-Invasion-Thriller zum 5-Leute-fliehen-durch-Downtown-L.A.-Überlebenskampf, der auf Stars nun ganz verzichtet – oder kennt jemand Nebendarsteller Frank Grillo („The Return of the First Avenger“)? DeMonaco strebt eine Satire auf Amerikas Waffenwahn an und auf eine Regierung, die Arme massenhaft für Wohlstand und dekadente reiche Menschenjäger massakriert. Was ganz im Geiste John Carpenters steht.

Bei jedem Geräusch wird „was war das?!“ gekreischt

Im Gegensatz zu dessen besten Werken aber ein ohne jeden Stil angerichtetes Run & Kill ist, bei dem vier Knalltüten wie auf einem gemütlichen Spaziergang (obwohl auf der Flucht vor Scharfschützen) die grottigsten Dialoge zum Besten geben. Im Dauergeplapper poppt alles auf, was den Weichhirnen durch den Kopf schwirrt – bei jedem Geräusch wird „was war das?!“ gekreischt und alles, was geschieht, nochmal erklärt. Die munter wackelnde Close-Up-Kamera frisst sich mit emotionalisierter Erregung ins gelbgefilterte Halbdunkel und die erschrockenen Gesichter.

Außer Frank Grillos Sergeant, dem mit einer Gewissensentscheidung Ambivalenz verliehen werden soll, verhalten sich seine Schützlingen dermaßen unvorsichtig, dass man einer Seifenoper-Komödie auf nächtlichen Kreuzungen zusieht. Naturgemäß schießt auch die Satire weit über ihr Ziel hinaus, indem sie Wohlfeiles wie eine „Running Man“-Veranstaltung der Oberschicht ausschlachtet oder den Occupy-Agitprop von Anti-Purge-Rebellen deklamiert. DeMonaco hatte alle Freiheiten eines anarchischen B-Filmers. Und bringt nur bescheuerten Schund zustande.

Max Renn

5 Gedanken zu „The Purge: Anarchy“

  1. Frank Grillo spielt im famosen „Disconnect“ mit. Das ist dann aber auch der einzige Film, den ich mit ihm gesehen habe.

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