The Salvation

Apokalyptischer Rachewestern mit Mads Mikkelsen und Eva Green in einer kapitalismuskritischen Moralparabel.

The Salvation Cover

Kristian Levring, DK/GB/ZA 2014
Kinostart: 09.10.2014, DVD/BD-Start: 11.02.2015
Story: Als der dänische Kriegsveteran und Aussiedler Jon 1871 Frau und Sohn in die Pionierstadt Black Creek nachholt, schänden und ermorden sie zwei Verbrecher, bevor Jon diese töten kann. Aber der Bruder des Täters ist der brutale Bandenboss Delarue, der von den Einwohnern Jons Auslieferung erzwingt.
Von Thorsten Krüger

Dogma-95-Mitbegründer Kristian Levring („Wen du fürchtest“) hält sich an die Kodices des Rachewesterns und bricht seine Story auf archetypische Komponenten herunter – überraschungsfrei, aber ausdrucksstark, besonders visuell: Die südafrikanischen Landschaften sind der Ästhetik eines John Ford wie Sergio Leone gleichermaßen verpflichtet, in einer kapitalismuskritischen Moralparabel wie in besten Italowesternzeiten.

So einfallslos das magere Grundgerüst um die übliche Rachenahme auch ist, so erfinderisch geht der Däne mit dem von ihm und Anders Thomas Jensen („Nach der Hochzeit“) verfassten Script vor, das Fred Zinnemanns „12 Uhr mittags“ und „Spiel mir das Lied vom Tod“ entlehnt ist, aber auch Sergio Corbuccis „Django“ – der Sarg – anführt. Freilich nicht als plumpe Popkulturzitate, sondern eingebettet in ein eigenständiges Drama.

Passionsspiel, Endzeitvision und Rachestory

Mehr noch gleicht die archaisch-alttestamentarische Blutsaga mit ihrer apokalyptischen Stimmung Enzo G. Castellaris „Keoma – Das Lied des Todes“, der ebenfalls Passionsspiel, Endzeitvision und Rachestory vereint. Die bei Mondlicht fotografierte, finstere Prärie und die kontraststarken Bilder mit ihren tiefen Schwarzwerten leuchten auf der Leinwand und entwickeln düster-epische Wucht und beträchtliche Aussagekraft.

Das organisierte Verbrechen, das in Form eines die Bevölkerung auspressenden Feudalherren auftritt, kooperiert eng mit der Hochfinanz und dem Großkapital, begeht nicht nur fortgesetzt Landraub für Öl – der Schluss verweist auf „There Will Be Blood“ -, sondern spannt die frömmelnden Einwohner auch für seine skrupellosen Pläne ein. Dies gelingt nur, weil die Gottesfürchtigen korrupte Heuchler sind, die jeden verraten.

Christlicher Kapitalismus, der keine Sittlichkeit kennt

Levring entlarvt ihre Moral als religiös verbrämten Zynismus, der der sadistischen Barbarei der Mordbrenner zuarbeitet, eine wahre „Sin City“. Am Ende aller Menschlichkeit erblüht eine gleichnishafte Jesus-Geschichte, wo einem am Marterpfahl Hängenden noch die Schuhe geklaut werden. Der verdorbenste Abschaum hält sich jedoch glatt für das Gute – widerwärtige Pharisäer eines christlichen Kapitalismus, der keine Sittlichkeit kennt.

Bedächtige Klänge der meist leisen Sorte und inszenatorische Ruhe geben der Auge-um-Auge-Eskalation Konzentration und Reife, um Dänemarks Schauspielstar Mads Mikkelsen („Walhalla Rising“) und seinen Filmbruder im Krieg gegen die tyrannische Gang Delarues (Jeffrey Dean Morgan) natürlich und stilisiert zugleich erscheinen zu lassen. Beeindruckend ist Eva Green als stumme Schwägerin, die Delarue als Besitz missbraucht.

Gier erzeugt verbrannte Erde

Selbst Misshandlung und Notzucht können die stolzen Blicke der wortlos leidenden Schönheit nicht brechen. Wenn Mikkelsen barfüßig und halbtot aus seinem Versteck kommt, um in den verregneten Ruinen einer heruntergebrannten Stadt in den Häuserkampf zu ziehen, zeigt Levring nicht nur, wie Gier verbrannte Erde erzeugt, sondern auch wie sehr er die Spaghettiwestern verehrt und mit einer hervorragenden Hommage an sie anknüpft.

2 Gedanken zu „The Salvation“

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