A Most Wanted Man

Philip Seymour Hoffmans letzte Rolle: als desillusionierter alter Fuchs in einem Post-9/11-Agententhrillerdrama nach John le Carré.

A Most Wanted Man Cover

Anton Corbijn, GB/USA/D 2014
Kinostart: 11.09.2014, DVD/BD-Start: 18.02.2015
Story: Als der Tschetschene Issa Karpov in Hamburg auftaucht, schrillen die Alarmglocken der seit 9/11 islamistische Terroristen jagenden Geheimdienste. Bachmann, Leiter einer kleinen Einheit, will über Anwältin Richter und Banker Brue an Karpovs Hintermänner gelangen, seine Chefs aber schießen quer.
Von Thorsten Krüger

Der im Februar an einer Überdosis Heroin verstorbene Darstellerguru („The Master“) wirkt von seiner Sucht gezeichnet, nichtsdestotrotz gelingt ihm noch einmal eine eindrucksvolle Leistung als abgehalfterter Koordinator einer winzigen Überwachungsabteilung, die von rivalisierenden Geheimdiensten verraten und von Vorgesetzten für eigene Zwecke missbraucht wird. Leider ist Hoffman das Beste an einem recht schwachen Thriller.

Allein aufgrund der substanzstarken Vorlage von John le Carrés 2008 erschienenen Roman „Die Marionetten“ fällt Anton Corbijns Adaption etwas besser aus als sein vorangegangenes Hitman-Werk „The American“. Aber ein Thriller-Regisseur wird aus dem VIP-Fotografen, der mit „Control“ so faszinierte, nicht mehr. Diese „The Wire“-Version schafft es schon im verhangenen Auftakt nicht, einen Spannungsbogen zu entwickeln.

Verzichtet auf Action und Thrill, bietet aber keinen Ersatz

Geschweige denn im Rest der zwei Stunden. Ohne erkennbare Gabe reiht Corbijn unerheblich ein Treffen an das nächste, fängt die Geheimdienstarbeit von Informantennetzwerken bis Überwachungsalltag ein, ohne zu einem echten Erzählfluss zu finden. Eine gewisse Langeweile breitet sich aus. Denn Corbijn verzichtet fast ganz auf die Oberflächenreize Action und Thrill, bietet aber keinen adäquaten Ersatz dafür.

In seinem Charakterporträt bleiben alle außer Hoffman selbst einigermaßen blass, womit weder eine fesselnde Studie noch ein echter Politthriller zustande kommt. Im untertourigen, kühl-trüben Glanz sind es besonders die mit deutschem Akzent vorgetragenen Dialoge, die kein Charisma entfalten, weshalb sich aus der Inkongruenz von Look, Stil und Inhalt keine Aura schält, sondern vieles oft wie eine „Tatort“-Folge anmutet.

Kollateralschäden an Unschuldigen

Was Corbijn wohl avisiert: Mit bitterer Moral die undankbare Kärrnerarbeit eines mehrfach verheizten und deshalb anderen nicht mehr über den Weg trauenden Agenten zu porträtieren und wie einflussreiche Konkurrenten all seine Erfolge einstreichen, dabei Kollateralschäden an Unschuldigen, Folteropfern und Menschenrechtlern verursachen. Allein: Der packende Tiefgang und das Format eines „Der ewige Gärtner“ fehlen.

Obwohl es mit Rachel McAdams („Alles eine Frage der Zeit“) und Willem Dafoe („Das Schicksal ist ein mieser Verräter“) sowie vielen Deutschen (darunter Daniel Brühl, „Rush“) genug fähige Mimen gibt, kann keine Figur richtig andocken. Auch, weil Corbijn damit enttäuscht, dass er letztlich kein Old-School-Genreklischee auslässt. Die menschlichen Kosten der Spionage bringt Philippe Haïms „Secret Defense“ weit besser hervor.

2 Gedanken zu „A Most Wanted Man“

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