Bären

Den Ein-Jahres-Zyklus einer Bärin und ihrer beiden Jungtiere kann man trotz verniedlichendem Kommentar genießen.

Bären Cover

Bears, Alastair Fothergill, Keith Scholey, USA 2014
Kinostart: 13.11.2014
Story: Im Frühling verlässt die Braunbärenmutter mit ihren Neugeborenen Amber und Scout die Höhle, um über Alaskas Bergschneefelder zu den blühenden Wiesen direkt am Meer hinabzusteigen. Dort erwartet sie fischreiche Nahrung, aber auch die gefährlichen Bärenbullen Magnus, Chinook und ein listiger Kojote.
Von Jochen Plinganz

Die britische Naturdoku-Instanz Alastair Fothergill, der mit „Deep Blue“ die Weltmeere und mit „Unsere Erde“ den ganzen Planeten opulent ins Kino hievte, kollaboriert nach „Im Reich der Raubkatzen“ wieder mit Keith Scholey und widmet sich wie in seinem letzten Werk „Schimpansen“ nur einer einzelnen Tierart. Wie jene beiden für den Maushaus-Ableger Disneynature, was sich im gnadenlos popularisierten Kommentar niederschlägt.

Der stammt im Original von Komödienstar John C. Reilly („Guardians of the Galaxy“), der wenig informiert, dafür arg mit Niedlichkeitsscherzen belustigt und bei Gefahren wie ein aufpeitschender Box-Reporter agiert. Weshalb man nach 20 Minuten das Bedürfnis verspürt, den beknackten Sprecher zu lynchen, um ungestört die atemberaubende Prachtentfaltung der Landschaft des Katmai Nationalparks in Alaska genießen zu können.

Plastisch eingefangene Traumpanoramen purer Natur

Bei so viel Disneyfizierung, Vermenschlichung und an Kids adressierte Worte darf man kein Purist sein, sondern sollte eine Gifttoleranz gegenüber süßlichem Family Entertainment haben. Aber man gewöhnt sich auch daran. Denn immerhin hat man auf der schnörkellos-fokussierten Wanderung der Bären gewiss noch die mit einer langsam-dynamischen Kamera plastisch eingefangenen Traumpanoramen purer Natur für sich.

Neben dem Braunbären-Trio und zwei Rivalen spielen nur einige Raben, Möwen, Lachse und ein herumschleichender, hellfelliger Kojote nennenswerte Rollen. Sonst gehen die Protagonisten ungestört ihrer Hauptbeschäftigung nach: Extensive Nahrungssuche und -aufnahme auf einer Grasebene, eingerahmt von Berghängen und Ozean. Nicht nur fabelhafte Luftaufnahmen liefern saftige Ansichten in spektakulärer Luzidität.

Der Familienmensch soll dies dringend liebhaben

Die Zeitraffer von Gezeiten im Wattenmeer und Wolkenzug in Bergwäldern, die Zeitlupen von Kämpfen und der Jagd sind von Kompositionsveteran George Fenton („Gandhi“) mal leichtfüßig-zierlich, mal epochal-orchestral unterlegt und mit warmherzig-gefälligen Folkpop ergänzt, damit auch niemand vergisst, dass der glückliche Familienmensch von Jung bis Alt dies dringend liebhaben soll. Für alle anderen: lediglich Zeitvertreib.

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