Silence

Finsteres Indie-Psychodrama, das sich mit dem Terror eines unheimlichen Wesens zum blanken Hör-Horrortrip ausformt.

Of Silence Cover

Of Silence, Jeremiah Sayys, USA 2014
DVD/BD-Start: 09.04.2015
Story: Nachdem er seine Frau brutal ermordet vorgefunden hat, kehrt Colby in ihr gemeinsames Haus in Kalifornien zurück, wo er sich in depressiven Erinnerungen vergräbt. Von gelegentlichen Besuchen anderer Angehöriger abgesehen, ist er allein. Und hört immer bedrohlichere, monströse Geräusche.
Von Jochen Plinganz

Der rührige Jeremiah Sayys hat offenbar noch einiges vor und zwei Lenze nach dem (von ihm nur geschriebenen und produzierten) Familienabenteuer „The Legends of Nethiah“ (deutsch in eindeutiger Absicht „Die Chroniken von Phantasia“ betitelt) einen gewaltigen Qualitätsschritt nach vorne unternommen. Was noch keinen Meisterregisseur aus ihm macht, aber einen versierten Könner mit Talent zu mehr.

Sein Beinahe-Ein-Mann-Projekt, das er vor und hinter der Kamera kreativ schultert, ist ein clever in nur einer Location – angeblich Sayys‘ Haus – ausgetragenes, erkennbar unabhängig finanziertes Psychohorrordrama. Es brütet wie ein Kammerspiel um einen in einsamer Kummer verloren gehenden Witwer langsam vor sich hin und schickt ihn via akustische Halluzinationen in einen Trauer-Alptraum mit ausgefeiltem Tonspur-Terror.

Das Grauen darf direkt andocken

Ungleich zu „Berberian Sound Studio“, der die Toneffekte als Hommage an den Giallo durchkonjugiert, steht hier keine Metaebene zwischen Zuschauer und Grauen – es darf direkt andocken. In Stille frisst der erstarrte Colby seine Schwermut in sich hinein, ein keineswegs friedliches Schweigen, sondern eines, das ein knurrendes Monster gebiert. So schrecklich seine Schizo-Symptome, so psychologisch plausibel sind sie.

„Of Silence“ startet verhalten und wird immer furioser, beginnt mit gutturalen Geräuschen, die sich aus der Peripherie an den Protagonisten heranschleichen, einem Mann, dem der Schuldeneintreiber im Nacken sitzt, der in den Resten seiner gescheiterten Existenz ins Bodenlose fällt. Und das ist tiefes, schluckendes Schwarz, das selbst im Sonnenschein noch kontraststark dominiert. Die Dunkelheit um Colby wächst unentwegt.

Ohne zwangsweise enttäuschende Erklärungen

Seine Wahn-Anfälle verschärfen sich, aus einer sparsam eingesetzten Heimsuchung mit Untier-Lauten aus dem Boden werden Angriffe mit Ritualmessern auf einen gemarterten Geist und Körper. Ist es sein Verstand? Der Geist seiner toten Frau? Beides? Ohne zu irgendwelchen zwangsweise enttäuschenden Erklärungen anzusetzen, kombiniert Sayys eine verhalten-subtile Performance und ungemütliche Unheimlichkeit.

Sensibel und mit furchteinflößenden Soundschöpfungen beschreibt er, wie ein Heim voller trauriger Erinnerungen, visueller wie akustischer, seinen Bewohner aufsaugt. Ein Fade to Black der Gefühle, eine pathologische Entwicklung, die der Blutspur der Schulden und Schuldgefühle folgt und mit einem gewissen Anspruch im völliger Finsternis endet, wo Colby ultimativ Gefangener einer fiesen Manifestation eigener Ängste wird.

5 Gedanken zu „Silence“

  1. Die Kritik klingt dem Film und seinen Machern gegenüber angenehm fair…Werde ihn nun wohl doch nicht verschlossen umtauschen, sondern ihm eine Chance geben…
    Verisse schreiben ist jedenfalls oft leichter, als sich auf andere Sehgwohnheiten oder Erwartungen einzulassen…;)

    So ganz sicher bin ich mir trotzdem nicht, wie dir der Film nun tatsächlich gefallen hat…Du beschreibst, wertest und analysierst – eigentlich ohne ein subjektives Gesamtfazit oder gar eine Zielgruppenempfehlung abzugeben…

    Damit bleiben das Geheimnisvolle und Andeutungen, die den Streifen wohl ausmachen, auch in der Kritik erhalten…;)

  2. Dachte ich mir schon. Für solche Filme brauche ich die richtige Stimmung, sonst wird das nix mit der Rezeption. Wohl ein Grund, warum ich noch so viele Filme auf der Watchlist habe, für die ich bisher ’stimmungslos‘ war.

  3. Ist auch wirklich nicht der sonnigste Film! Kommt dem Gefühl einer echten Depression gefährlich nahe…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *