Sin City 2

Robert Rodriguez wärmt den einst revolutionär gestalteten Noir-Comic in einer überflüssigen Fortsetzung lauwarm auf.

Sin City 2 Cover

Sin City: A Dame to Kill For, Frank Miller, Robert Rodriguez, USA 2014
Kinostart: 18.09.2014, DVD/BD-Start: 29.01.2015
Story: Pokerspieler Johnny will seinen Vater, den verrohten Senator Roark, am Tisch ausnehmen und wird dafür von diesem verstümmelt. Dwight geht ins Netz seiner ruchlosen Ex-Geliebten Ava, die zwanghaft Männer mordet. Stripperin Nancy will sich nach John Hartigans Tod ebenfalls am korrupten Roark rächen.
Von Thorsten Krüger

Neun Jahre nach seiner optisch innovativen Adaption von Frank Millers Kultcomic legt Robert Rodriguez („From Dusk Till Dawn“) einen lose mit dem Vorgänger verbundenen, abermals artifiziellen Hybriden aus Comic und Film Noir vor. In drei überlappenden Episoden wärmt er das Prozedere aus Sex, Crime & Violence lau auf, ohne Charme und Pulp-Appeal des zwar overhypten, aber wenigsten stilvollen Erstlings zu erzielen.

Unter erneuter Mitwirkung Millers als Drehbuchautor und Co-Regisseur gibt sich Rodriguez seinen doch ziemlich beschränkten Stripbar-Jungs-Fantasien hin, ohne aus ihnen einen Mehrwert zu schöpfen – wie zum Beispiel Thrill, Gefühl oder Stimmung. Nichts rockt an den kraftlosen Storys ohne jeden Touch, nicht einmal die Star-Parade. Rodriguez hat fast alles an Begabung und Instinkt verloren, was er je besaß. Falls er es je besaß.

Das Voice-Over-Gebrabbel textet alles tot

Besser als seine Bankrotterklärung „Machete Kills“ ist es immerhin – und auch als „300: Rise of an Empire“, das gründlich missratene Sequel eines anderen CGI-gestützten Actionhits des vergangenen Jahrzehnts. Aber genießen lässt sich das stilisiert-kontrastreiche, oft als Comicstrip verfremdete Schwarzweiß mit einigen wenigen Farbtupfern nicht. Allein schon das unentwegte Voice-Over-Gebrabbel textet einfach alles tot.

Die Hommage an Hollywoods schwarze Serie artet oft zur Parodie aus, etwa bei der prätentiös als Femme Fatale/schwarze Witwe chargierenden Eva Green, die so phantastisch in „The Salvation“ war. Die Ausstellung der Künstlichkeit ist schon bestürzend kunstlos, ebenso die manierierte Selbstdarstellung in Verkennung ihrer tatsächlichen Wirksamkeit und die fortwährende Beteuerung, wie heiß dies alles sei – uncool. Sehr uncool.

Rodriguez scheitert, etwas damit zu erreichen

Den letzte Spaß hat mir der Splatter genommen, bei dem alles Blut nun komplett weiß ist. Nicht, dass hier sonst nichts geschähe, nur ist es leblos und bestechend irrelevant, wie der ganze Film unfassbar überflüssig und unwesentlich. Sogar Anspruch und Trübsinn sind aufgesetzt, anstatt ausgeführt zu werden. Rodriguez scheitert mit Millers Material daran, etwas damit zu erreichen. Aber womöglich liegt es eben auch daran: Am Material.

3 Gedanken zu „Sin City 2“

  1. oha, sehr harte Kritik. Wirklich so schlecht?
    Nachdem ich ja eigentlich ein Rodriguez-Filmfan bin (was aus deiner Kritik herauslesend auf dich nicht zutrifft?), freue ich mich trotzdem schon sehr auf diesen Film 🙂

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