Pride

Unwiderstehliche Ensemble-Komödie, die mitreißend-euphorisch von Freundschaft und Solidarität im asozialen Thatcher-England erzählt.

Pride Cover

Matthew Warchus, GB 2014
Kinostart: 30.10.2014, DVD/BD-Start: 11.03.2015
Story: London 1984. Eine kleine schwul-lesbische Aktivistengruppe sammelt aus Solidarität für streikende Minenarbeiter, die von Thatchers eiskalter Privatisierungspolitik betroffen sind. Als sie diese in ihrem walisischen Grubendorf besuchen, müssen sie erst einmal Berührungsängste und Vorurteile überwinden.
Von Thorsten Krüger

Der Feelgoodfilm hat eine große Tradition auf der Insel. Unter den zahlreichen jüngsten Exemplaren, darunter auch „Ein Schotte macht noch keinen Sommer“, zieht aber nur Matthew Warchus‘ Version einer historisch verbürgten Begebenheit derart gleich mit den Vorbildern „Ganz oder gar nicht“ und „Billy Elliot“. Der Sozialrealismus eines Ken Loach vereinigt sich hier menschlich sehr bewegend mit einer Verbrüderungs-Fabel.

Die erste Arbeit des Regisseurs von „Simpatico“ nach 15 Jahren Abstinenz und das erste Drehbuch des TV-Darstellers Stephen Beresford haben umwerfende Qualitäten: nämlich Wohlfühlwärme aus den Figuren selbst abzugeben und diese mit Schwung und Spaß in euphorische Rauschzustände zu heben. Angesichts von so viel ansteckender Laune verblüfft, dass das Toleranzmärchen vom Scheitern des ursprünglichen Vorhabens handelt.

Wie Menschen einander überraschen können

Doch aus Niederlagen und Rückschlägen erwächst ein Veränderungsschub, der für die zahlreichen Teilnehmer ein Coming of Age bedeutet, das Selbstbehauptung, Mut und Toleranz umfasst. Was mit einem Benefizkonzert in einer ergreifenden Bewegung gipfelt, dem zeigt eine Realität von Verleumdungen, Schwulenhass und dem Schatten von Aids die Grenzen auf, beweist aber auch, wie Menschen einander überraschen können.

Mit rührenden Subplots, die die Sorgen und Probleme von einem Dutzend Personen mit Humor ernst nehmen, entsteht ein dramaturgisch kompaktes, famoses Zeit- und Gesellschaftsporträt der 80er: Zwei Davids verbrüdern sich gegen den abstoßend intoleranten Thatcher-Goliath. Ausgrenzung und Ärger, Widerständen und Berührungsängsten wird ehrlich und charmant begegnet, anstatt sie verlogen zu übertünchen.

Bewundernswerter Mut, sich Spott und Abscheu auszusetzen

Angegafft, angepöbelt, angegriffen: Der Kulturschock zwischen der reaktionär-rückständigen (Land)Bevölkerung und urbanen, regenbogenbunten Paradiesvögeln schlägt genau beobachtete, feurige Funken. Dass die Vorurteile so beschämend tief in den verbohrten Köpfen selbstgerechter Sittenheuchler stecken, überführt die vielen Mini-Tatchers und ihr bigottes Büttel. Sind sie es doch selbst, die gegen jeden Anstand verstoßen.

Mit bewundernswertem Mut setzen sich talentierte Nachwuchsakteure dem Spott und Abscheu der Öffentlichkeit aus und mit ihnen lernt ein ebenso wunderbar aufspielendes Alt-Ensemble (Bill Nighy, „Alles eine Frage der Zeit“, Imelda Staunton, „Maleficent“, Paddy Considine, „Honour“) für seine Überzeugungen einzutreten, statt sich zu verstecken. Zudem birgt die Pits-and-Perverts-Story begeisternde Musik, u.a. von Bronski Beat.

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