Who Am I – Kein System ist sicher

Strikt auf Kassenhit gestylter Hacker-Thriller cum Psychodrama – trotz namhafter Besetzung nur effekthascherischer Schwachsinn.

Who Am I Cover

Baran bo Odar, D 2014
Kinostart: 25.09.2014, DVD/BD-Start: 16.04.2015
Story: Computerfreak Benjamin ist ein einsamer Nobody. Bis er den großkotzigen Max trifft und mit dessen Kumpels Stephan und Paul eine Hacker-Gruppe gründet, die mit Spaßaktionen berüchtigt wird. Als sie den BND hacken, geraten sie in einen Mordfall und landen auf der Fahndungsliste von Ermittlerin Lindberg.
Von Jochen Plinganz

Nach dem von Baran bo Odar („Das letzte Schweigen“) mitverfassten und überinszenierten, aufgedonnerten Nachtglanzthriller nach der turbogestylten Designvorlage „gefährlich“ steht fest: Es gibt nur ein gutes deutsches Hackerdrama – Hans-Christian Schmids „23“. Der technisch aufwendige, handwerklich arg schludrige Pop-Reißer indes beleidigt fortwährend die Intelligenz, ist bei ausgeschaltetem Gehirn aber goutierbar.

„Who Am I“ ist so gernegroß und gleisnerisch wie Max (der chargierende Elyas M’Barek, nicht mal halb so cool wie in „Fack ju Göhte“). Das Blendwerk gibt sich souverän und virtuos, ist aber Schwachsinn pur. Es will mit Power und Fun rocken, trifft aber nie den richtigen Ton. Viel fehlt nicht, dass es funktioniert. Man würde gerne mitgehen, da alles als furios wirbelt, aber nicht abhebt, sondern einen am Boden mitschleift.

Das Gegenteil von authentisch

Das fängt bei den schlampig hingerotzten Figuren an, der plakativen „Tiefgangs-Psychologie“: Ihr Verhalten ist zu keiner Sekunde glaubhaft, wie der Rest das Gegenteil von authentisch. Besonders, was die Hacks betrifft. Hier wird naiv mit Fachausdrücken um sich geworfen, dass nicht nur CCC-Mitglieder Schreianfälle bekommen. Wie man Milieu und Jargon plausibel etabliert, hat jüngst erst der rasante „Inside Wikileaks“ vorgemacht.

Wie eine Loser-Knalltüte in illegale Aktivitäten hereingezogen wird, spottet inszenatorisch jeder Beschreibung und ist künstliches Kintopp bar jeder Realität (freilich ohne dies zu realisieren). Odars Methodik ist so durchsichtig wie ein schlechter Phishing-Versuch und deshalb mit einem pumpenden – ziemlich guten – Techno-Soundtrack zugedröhnt. Aber nicht oft genug: Denn nicht nur die Dialoge sind ein großer Haufen B.S.

Wackeliges Konstrukt mit dreifachem Boden

Immerhin weist das wackelige Konstrukt gleich einen dreifachen Boden auf, von einem Psychotwist nach Art von „Identity“ (und „Fight Club“-Zitat) eingeleitet. Den hatte zuletzt „Stereo“ besser ausgetüftelt. Und leider erklärt Odar seine Tricks auch noch, womit er fast alles Charisma abtötet. Nur am Ende zeigt sich die Aura des Mysteriösen beim Verschwinden eines Masterminds, was mit diesen „Hackers“ eigentlich möglich gewesen wäre.

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