Einer nach dem anderen

Finster komischer, blutiger und winterkalt-lakonisch Thriller-Rachefeldzug eines resoluten Unbescholtenen an Drogenkartellen.

Einer nach dem anderen Cover

Kraftidioten, aka In Order of Disappearance, Hans Petter Moland, N/S/DA 2014
Kinostart: 20.11.2014
Story: Der Sohn des unscheinbaren Schneepflugfahrers Nils ist an einer Überdosis gestorben. Niemand stört, dass er kein Junkie war, also forscht Nils mit Faust und Gewehr nach und legt sich direkt mit den Handlangern des lokalen Drogenbosses an. Womit er weitere Revanche und einen kleinen Gangsterkrieg provoziert.
Von Thorsten Krüger

Am Anfang sieht es so aus, als wolle Schwedens internationaler Star Stellan Skarsgård („Der Medicus“) dem Ü-60-Club der Charaktermimen im Dirty-Harry-Rachemodus beitreten wie zuletzt Denzel Washington in „The Equalizer“. Aber seine zweite Kollaboration mit dem Norweger Hans Petter Moland folgt der ersten, dem hinterhältigen „Ein Mann von Welt“, als opferreiche Rachechronik mit skandinavisch-schwarzem Humor.

Das in einer eingeschneiten Wintergegend spielende, sehr lakonische Thrillerdrama bildet die Schnittmenge aus den jederzeit erkennbaren Vorbildern Quentin Tarantino, Aki Kaurismäki, Takeshi Kitano und den Coen-Brüdern. Dem kühnen Nacheifern fehlt gleichwohl deren meisterhafte Stilvollendung und auch der extensiv angewandte Stoizismus ist lange nicht so meditativ-erhaben, wie es beim Finnen Kaurismäki zugeht.

Auf zwei Stunden ausgewalzte Moritat

Die auf zwei Stunden ausgewalzte Moritat von geringer Intensität bleibt ästhetisch und erzählerisch ohne klare Linie, fertigt eine Art Wohnraum-Schau und Mentalitäts-Skizze der beteiligten Anzug-Gangster als Panorama an – ein internationales Völkchen, was Kommentare zu landestypischen Eigenheiten lostritt. Manche Privatleben-Glossen geraten aus den Fugen, etwa die des als jämmerlich karikierten Drogengrafen (Pål Sverre Hagen).

Während eine Tat die nächste provoziert und der unbeirrbare Rachefeldzug in einen Unterweltkrieg mit den Serben – Bruno Ganz („Der Untergang“) als Pate – mündet, erscheinen die Namen der Opfer als Texttafeln wie in Traueranzeigen, ein pechschwarzer Running Gag. Anderen Anlagen kommen kaum zur Entfaltung: Nils’ leidende Frau, die ihn nicht mehr wiedererkennt, ist Randnotiz, deren Tragik gar keine weitere Rolle spielt.

Tarantino-Dialoge über Wohlfahrtsstaat und Vegetarismus

Schneepflüge, die sich ihren Weg durch eingeschneites Terrain bahnen und dem Wind trotzen, der das Schneetreiben aufwirbelt, sind Sinnbild des Protagonisten, was so erschöpft wie die Tarantino-Dialoge über Wohlfahrtsstaat und Vegetarismus. Für den Verzicht auf Action- und Thriller-Konventionen dirigiert Moland nicht ausgereift genug. Manchmal wünscht man sich den vitaleren Guy Ritchie oder Rock’n’Roll à la „Jackpot“ herbei.

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