Maze Runner

Erst originell, dann hanebüchen: Science Fantasy um erinnerungslose Teenager, die in einem Irrgarten ums Überleben kämpfen.

Maze Runner Cover

The Maze Runner, aka Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth, Wes Ball, USA 2014
Kinostart: 16.10.2014, DVD/BD-Start: 26.02.2015
Story: Ein Aufzug bringt Thomas, der sich nur noch an seinen Namen erinnert, auf eine große Waldlichtung, wo sich Dutzende anderer Jugendlicher bereits seit zwei Jahren selbst versorgen. Sie sind von den hohen Mauern eines Labyrinths eingeschlossen, dessen Monster schon einige Opfer gefordert haben.
Von Caroline Lin

Ein weitere annehmbare Teenie-Dystopie: Effektspezialist Wes Balls erster Regiejob setzt James Dashners YA-Fantasy von 2009 als High-Concept-Thriller um, breitet als visionäres Abenteuer (mal wieder) mit strukturellen Einflüssen von „Die Tribute von Panem“ (bzw. „Battle Royale“) ein großes Experiment mit Anleihen beim Minotaurus- und Orpheus-Mythos aus. Nur: Je mehr er enträtselt und erklärt, desto schlechter wird’s.

Weshalb es ein echter Vorteil ist, dass sich die Exposition gemächlich gestaltet, sich in einem ruhigen Rhythmus – von wenigen Actionsequenzen unterbrochen – eine qualitativ ansprechende Mystery entfaltet. 50 Jungs (und später ein Mädchen – Kaya Scodelario aus „Linda’s Child“, die mit zarten und komischen Tupfer die Zielgruppe erweitert) bilden eine Schicksalsgemeinschaft, umringt von den mechanischen Mauern Jerichos.

Mythologiemotive werden nicht vertieft

Halb realistisch, halb symbolisch sind sie in der metaphysischen Konstruktion eines „Cube“ gefangen, ein kleines Idyll im Schatten eines dunklen Grenzwalls. Im Rumoren des sich selbst verschiebenden Labyrinths wie dem Grollen der Kreaturen darin sind griechische Mythologiemotive latent vorhanden, werden aber nicht vertieft. Und auch die sehenswerten biomechanischen Monster wären interessanter als die Sozialdynamik.

Die orientiert sich weidlich an „Herr der Fliegen“, bietet einen Regelsatz „The Village“-Tabus, öde Machtkämpfe zwischen Thomas (Dylan O’Brien, der „Teen Wolf“) und Anführer Ben (Chris Sheffield), weil sich ein Neuling zunächst in die Pfadfinder-Gemeinschaft eingliedert, dann mit seinem Mut die bestehende Ordnung aus den Angeln hebt. Der Status Quo: ein Leben in ständiger Angst vor den Morlocks (hier heißen sie „Grievers“).

Die Welt hinter den Mauern entdecken

Im Appell an den Wagemut bleibt Neugier indes die einzige Rettung. Das Ringen von Konservatismus und Revolution führt dazu, die Welt hinter den Mauern zu entdecken, ein aufklärerischer Schritt in die Moderne einer Stammeskultur, die sich ihren eigenen Blutdämonen stellen muss. Derweil kommen existenzphilosophische und pragmatische Einsichten, was das Labyrinth aus den Bewohnern gemacht hat, zumindest marginal auf.

Je mehr das Mysterium entschlüsselt wird, desto absehbarer fügt es sich zu einem hanebüchenen postapokalyptischen Quatsch zusammen. Alles hat einen Sinn – und der ist total bescheuert. Ball unterstreicht den ärgerlichen Niveauabfall mit einem die Binnenlogik torpedierenden Soap-Drama-Ende, das sehr komisch gerät, aber leider so unfreiwillig wie „Divergent“. Bessere Figuren und Emotionen bot „The Giver“. Bitte keine Fortsetzung!

2 Gedanken zu „Maze Runner“

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