Der Richter. Recht oder Ehre

Hochkarätiges Schauspiel-Entertainment: ein sentimental-humorvolles Familiendrama im Korsett eines Justizthrillers. Hollywood pur!

Der Richter. Recht oder Ehre Cover

The Judge, David Dobkin, USA 2014
Kinostart: 16.10.2014, DVD/BD-Start: 26.02.2015
Story: Widerwillig reist der in Scheidung lebende, aalglatte Großstadtwinkeladvokat Hank – Markenzeichen: skrupellos schuldige Verbrecher vertreten – in die Provinzheimat zur Beerdigung seiner Mutter zurück. Wo er seinen herrischen Vater, den unter Mordverdacht stehenden Richter, verteidigen muss.
Von Thorsten Krüger

David Dobkin kennt man für Komödien wie „Die Hochzeits-Crasher“ und auch sein Wechsel ins seriöse Fach birgt einige Komik, was zusätzliches Entertainment bedeutet. Aus dem Korsett eines Justizthrillers wie aus der Feder von John Grisham („Die Jury“) entschlüpft die humorvolle Zusammenführung einer (Männer)Familie mit den Ingredienzien eines Tennessee-Williams-Dramas („Die Katze auf dem heißen Blechdach“).

Dadurch vermeidet Dobkin weitgehend ein Gerichtsfilm und verlegt das Epizentrum in das Zerrüttungsverhältnis einer dysfunktionalen Vater-Sohn-Beziehung, die auf Brüder und Jugendfreunde nachteilig abgefärbt hat. Dies ist so scharfzüngig und nach altmodischer Hollywood-Manier ausgeheckt, dass es schon reinen Genuss bereitet, dem Schauspielduell zwischen Robert Duvall und Robert Downey Jr. („Iron Man“) beizuwohnen.

Der Schalk im Nacken ist eine Wohltat

In dem Machtkampf eines sturen, unfairen Unsympathen, der seine Kinder wie Hunde dressierte und seinen Sohn, ein zynischer Erfolgsanwalt, für seine vermeintlich schwache Moral verachtet, sammeln sich freilich die üblichen Zutaten. Die geschmeidige Regie flicht jedoch so viel Qualitätsmerkmale ein, dass die mitunter richtig witzige Rückkehr in die Provinzstadt amüsiert. Der Schalk im Nacken des Films ist eine Wohltat.

Andererseits kommen die weiteren Hochkaräter des Ensembles nur bedingt zum Zuge. Billy Bob Thornton („Parkland“) als Staatsanwalt, Vincent D’Onofrio („Escape Plan“) als Bruder und Vera Farmiga („Up in the Air“) als Love Interest dürfen trotz enormer 140 Minuten kaum nennenswerte Aspekte entfalten. So unerwartet viele Räume sich für Duvall/Downey öffnen, so oft führen manche Nebenplots nirgendwohin und enden einfach.

Wahrheiten über sich und andere erfahren

Das betrifft auch einen möglichen, aber wieder entschärften Inzest (mit „Gossip Girl“ Leighton Meester). Dobkin lässt Biografisches Revue passieren, wodurch der aller Fehler zum Trotz sympathische Hank mehr Wahrheiten über sich und andere erfährt, als ihm lieb sein kann. Diese bisweilen hässlichen Seiten, wie auch Krebs, werden menschlich-locker gelöst, im Zuge der sehr auf Rührung und Sentimentalität programmierten Aussöhnung.

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