Die Entdeckung der Unendlichkeit

Exzellent gespielt, tief bewegend, legendenfrei: Das Biopic über den gelähmten Wissenschaftler Stephen Hawking ist ein Oscarkandidat.

Die Entdeckung der Unendlichkeit Cover

The Theory of Everything, James Marsh, GB 2014
Kinostart: 25.12.2014, DVD/BD-Start: 07.05.2015
Story: Als sich der Cambridge-Student Stephen Hawking 1963 in seine Kommilitonin Jane Wilde verliebt, erreicht den nur 21-jährigen Astrophysiker die erschütternde Diagnose, binnen zwei Jahren an einer Nervenlähmung zu sterben. Beide heiraten und Hawking arbeitet an seiner Theorie über die Geburt des Universums.
Von Caroline Lin

Dem Briten James Marsh („Man on Wire“) gelingt ein veritabler Drahtseilakt bei der Adaption von Jane Hawkings Memoiren, die eine herzzerreißende Lovestory, aber auch das schwierige Scheitern ihrer Ehe mit dem bedeutendsten (und bekanntesten) lebenden Astrophysiker unserer Zeit darlegt. Die maßvoll-bescheidene Regie lässt die beiden fantastischen Darsteller aufblühen und die Biografie wahrhaft leuchten.

Eddie Redmayne („Les Misérables“) als linkisch-verschmitzter Nerd, dessen hochgradiger Intellekt aber gesellschaftsfähig bleibt, stürzt in eine Romanze mit Felicity Jones („The Amazing Spider-Man 2“), die atemberaubend hübsch und treu an seiner Seite steht und ihn pflegt, als ihn die degenerative und unheilbare Nervenkrankheit ALS – Amyotrophe Lateralsklerose – langsam lähmt. Beide spielen unbedingt nahegehend.

Eine beschwingte „Kurze Geschichte der Zeit“

Was zunächst noch wie Konventionalistisches aus der Biopic-Abteilung anmutet, reift rasch zu einem klassischen, unaufdringlich-feinfühligen Drama, das ohne Betroffenheitskitsch teilnehmend, fast märchenhaft die Lebensrealität schildert, in der Hawking dennoch drei Kinder zeugt, seine Doktorarbeit verfasst und die Mathematik des Urknalls erforscht. Aber auch, wie eine belastete Ehe scheitert und beide andere Partner finden.

Gewagter, als die bescheidene Oberfläche vermuten lässt, verliert in dieser beschwingten „Kurzen Geschichte der Zeit“ (Hawkings berühmtes Buch) dieser nie Humor und Esprit. Er nutzt die vermeintlich knappe Zeit, die ihm bleibt. Sie fließt fugenlos, bis sie am Ende rückwärts läuft, wenn sich alle Träume erfüllt haben – nur nicht der, wieder gehen zu können. So bewegend wie die Musik und die Unterstützung von Familie und Freunden.

Ein Gedanke zu „Die Entdeckung der Unendlichkeit“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.