Con Game – Kenne deine Feinde

Wild, roh, rau, unbekümmert: Donovan Marshs südafrikanischer Indie-Heist-Thriller ist ein waschechter Actiongeheimtipp.

iNumber Number Cover

iNumber Number, aka Avenged, Donovan Marsh, ZA 2013
DVD/BD-Start: 03.11.2014
Story: Der von seinem korrupten Chef um die verdiente Belohnung geprellte, bis dahin gesetzestreue Cop Chili infiltriert die berüchtigte Bande von Gangsterboss Mambane, der einen Überfall auf einen Geldtransporter vorbereitet. Chili will abkassieren, aber sein Partner Shoes fällt Mambane als Geisel in die Hände.
Von Gnaghi

Der für wenig Geld im kriminalitätsverseuchten Johannesburg und Soweto entstandene, vitale Actionthriller von dem zuvor mit den beiden Internatskomödienteilen „Spud“ bekannt gewordenen Südafrikaner Donovan Marsh ist ein schmuddelig-spannender Reißer, so grimmig wie unterhaltsam. Ein Township-Knüller, wie es „Zulu“ gern gewesen wäre, ohne dessen Polit-Überbau, allein mit Schweiß, Schmutz und Waffen.

„We are all dogs here“: „Reservoir Dogs“, um genau zu sein. Quentin Tarantinos Debüt abzüglich der Popkultur-Dialoge dient in einer verlassenen Industrieruine als Orientierungspunkt. Zwar wird daraus kein richtiges Charakterdrama, weshalb der Mittelteil ziemlich durchhängt, dann aber suspensevoll zu einem großen Crescendo anschwillt, wo die Gangster wie Bluthunde übereinander herfallen, um sich die Beute abzujagen.

Wahrhaft grimmiges Todesringen

In dem Chaos will ein eigentlich aufrechter Undercovercop seinen Kumpel retten, was ein wahrhaft grimmiges Todesringen auslöst: Hier wird noch richtig langsam gestorben. Mit automatischen Waffen und aufbrausendem Habitus gerüstete Hitzköpfe streiten sich, versuchen einen Maulwurf zu entlarven, das ist so rau montiert wie die Gewalt roh ausfällt, ernst und verbissen, von famoser Kamera und dem Schnitt hart beschleunigt.

Der wilde Auftakt in schäbigen Baracken ruft mit seinem ungesund grünlich-mattorangen Look „Tropa de Elite“ und „Metro Manila“ ins Gedächtnis; aber der Story-Remix pflügt munter durch die versammelte Vorbildschaft. Von „Stirb langsam“ über Florent Siris „Das tödliche Wespennest“ bis Verhoevens „RoboCop“ und „Infernal Affairs“ fehlt nichts. Und doch zitiert Marsh nicht, legt keinen überzogenen Fetisch-Film mit Spielereien hin.

Schweiß, Schmutz und Waffen

Im unerbittlichen Duell der Ratten und Mäuse vermittelt er intensiv Nervosität, Aufregung, Brutalität; dies vibriert bei allem Delirium noch vor etwas Authentischem, Realen. Und irre spannend ist es sowieso vom Überfall bis zur iPhone-Koordination von Angriffen, weshalb Marshs stilistisch furioser Knaller zu US-Remake-Ehren kommen soll und er sich in eine Reihe mit Gavin Hood („Tsotsi“) und Neill Blomkamp („District 9“) stellt.

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