Exodus: Götter und Könige

Exodus: Götter und Könige Cover

Exodus: Gods and Kings, Ridley Scott, GB/USA/SP 2014
Kinostart: 25.12.2014, DVD/BD-Start: 07.05.2015

Gott ist ein Kind und hat verdammt schlechte Laune. Denn in Ridley Scotts Bibelepos um Moses und den Auszug der Juden aus ägyptischer Sklaverei ist er kein sanfter Gebieter, sondern ganz alttestamentarisch zornig und rachsüchtig. Düsterer Höhepunkt: Er raubt den Atem aller Erstgeborenen, weil Ramses das geknechtete Volk nicht ziehen lassen will. Ansonsten dominiert die kühle Rationalität von Christian „Batman“ Bale, der 1300 vor unserer Zeitrechnung als pragmatischer Skeptiker zwar mit einem nur ihm sichtbaren Schöpfer Zwiegespräche führt und dessen Auftrag erledigt, aber kein bisschen missioniert. Das ist für ein Quasi-Remake von Cecil B. DeMilles „Die zehn Gebote“ schon verblüffend.

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The Frame

Unabhängige urbane Phantastik-Vision, die metaphysisch schaurig und herzergreifend humanistisch Fiktion in Existenz verwandelt

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Jamin Winans, USA 2014
ohne deutschen Start
Story: Die engagierte Sanitäterin Sam rettet Leben, flieht vor ihrer Vergangenheit und verfolgt eine TV-Serie um Dieb Alex im Dienste eines gefährlichen Kartells. Bis sich beide durch den Fernseher gegenseitig sehen, den jeweils anderen für fiktiv halten und Sam begreift, dass Alex im Staffelfinale sterben soll.
Von Sir Real

Schon länger träumt der Indie-Regisseur Jamin Winans nur von ihrem Budget begrenzte, talentierte städtische Mystery-Fantasien mit SciFi-Touch („11:59“ und vor allem „Ink“). Ambitionierter denn je arrangiert er eine schlaue und trotz kleinem Budget auch effekttechnisch suberbe doppelte „Truman Show“, in der sich zwei einsame Seelenverwandte gegenseitig vor der „Final Destination“, ihrem geplanten Tod, zu retten versuchen.

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1001 Gramm

Stillleben mit melancholischer Seele und Sinn für Schönheit: eine kühle Wissenschaftlerin füllt ihre Leerstellen im Gefühlsleben

1001 Gramm Cover

1001 Gram, aka 1001 Grams, Bent Hamer, N/D 2014
Kinostart: 18.12.2014, DVD/BD-Start: 19.06.2015
Story: Die in Scheidung lebende Marie arbeitet für das norwegische Eichamt und springt für ihren Vater ein, als dieser einen Herzinfarkt erleidet und im Krankenhaus liegt: Sie fliegt zu einer Wissenschaftskonferenz in Paris, um das Referenzkilogramm neu zu kalibrieren und verliebt sich in den charmanten Gärtner Pi.
Von Thorsten Krüger

Wiederholt hat der Norweger Bent Hamer versucht, per Vermessung die Welt zu verstehen. Diesmal reduziert er zwar die Skurrilität seiner größten Erfolge „Kitchen Stories“ und „O’ Horten“, nicht aber die undramatische Stille und, natürlich, skandinavische Lakonie, mit der er Ane Dahl Torp („Pioneer“) warmherzig zuschaut, wie diese Schwester im Geiste von „Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit“ von ihren Gefühlen eingeholt wird.

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Die Wochenstarts vom 27.11.2014

Diese Woche neu im Kino

Filmtitel Cover

The Green Prince
Der Sohn eines der sieben Hamas-Mitbegründer spioniert für die Israelis, um Anschläge zu verhindern: Dokuthriller mit ungeheuerlichen Einsichten in die Terrororganisation.

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Predestination

Ethan Hawke erleidet Zeitreise-Schocks in der verwegen konstruierten, frappierend elektrisierenden Retro-SciFi nach Robert A. Heinlein

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Michael Spierig, Peter Spierig (The Spierig Brothers), AUS 2014
DVD/BD-Start: 05.02.2015
Story: Nachdem man sein von einer Explosion entstelltes Gesicht chirurgisch rekonstruiert hat, reist ein Zeitagent ins Jahr 1975, um als Barkeeper getarnt den mörderischen „Fizzle Bomber“ zu finden. Er trifft Autor John, der ihm von seiner Geschlechtsumwandlung erzählt. Der Agent macht ihm ein einmaliges Angebot.
Von Caroline Lin

Nach der 13-seitigen Kurzgeschichte „Entführung in die Zukunft“ („All You Zombies“, 1959) von Robert A. Heinlein, gemeinhin für seine „Starship Troopers“-Vorlage bekannt, haben die in Deutschland geborenen australischen Zwillingsbrüder Michael und Peter Spierig keinen durchgestylten SciFi-Thriller à la „Minority Report“ ausgetüftelt, sondern einen retrofuturistischen Noir, der das Hirn verknotet und das Herz berührt.

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Late Phases

Rentner vs. Werwolf – trotz wilder Kreaturen kein Schocker, sondern vorwiegend ein Ruhestands-Drama mit dem klasse Nick Damici

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Adrián García Bogliano, USA 2014
DVD/BD-Start: 01.06.2015
Story: Kaum hat sein distanzierter Sohn Will den frisch verwitweten, blinden Vietnam-Veteran Ambrose in einer bewachten, properen Rentersiedlung untergebracht, greift ein Werwolf an und tötet Hund und Nachbarin. Die Polizei schenkt dieser Version keinen Glauben. So lässt sich Ambrose Silberkugeln gießen.
Von David McAllan

Der spanische Genrefilmer Adrián García Bogliano, bekannt geworden durch den bei uns kürzlich veröffentlichten „Here Comes the Devil“, trotzt wieder erprobten Versatzstücken ein Stück Individualität ab. Wofür er sich auch bei dem stets zuverlässigen Nick Damici bedanken kann, der sowohl als Schauspieler wie auch als Drehbuchautor für Jim Mickle bei „We Are What We Are“ sowie „Cold in July“ ordentliche Arbeit leistete.

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Der große Trip- Wild

Beständig berührend: Reese Witherspoon wandert auf einem Marathonpfad nach den Memoiren von Cheryl Strayed zu sich selbst zurück

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Wild, Jean-Marc Vallée, USA 2014
Kinostart: 15.01.2015, DVD/BD-Start: 21.05.2015
Story: Ohne Vorbereitungen lässt Cheryl ihr zertrümmertes Leben hinter sich und beginnt im Sommer 1995 wild entschlossen auf dem Pacific Crest Trail durch die einsame Wildnis fast 2000 Kilometer von Südkalifornien bis Nordoregon zu wandern. Verfolgt von Erinnerungen verarbeitet sie allmählich ihre Fehler.
Von Thorsten Krüger

Nach männlicher Selbstfindung in seinem spröden Oscargewinner „Dallas Buyers Club“ geht Jean-Marc Vallée an die weibliche – der Pilgermarsch einer großen Sünderin nach dem autobiografischen Bestseller „Wild“ von Cheryl Strayed. Im humorvoll-nachdenklichen Läuterungsweg geht der Kanadier einen großen Schritt auf den Zuschauer zu und kann sich auf die Kompetenz von Drehbuch-As Nick Hornby („About a Boy“) verlassen.

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Die Pinguine aus Madagascar

Die Pinguine aus Madagascar Cover

Penguins of Madagascar, Eric Darnell, Simon J. Smith, USA 2014
Kinostart: 27.11.2014, DVD/BD-Start: 02.04.2015

Wer sich als Sidekick und Szenendieb in einer Animationsreihe bewährt, muss sich noch lange nicht als tragfähiges Konzept eines eigenen Abenteuers erweisen. Nach drei tierischen „Madagascar“-Abenteuern – der vierte Teil lässt noch bis 2018 auf sich warten – folgt das Solo des coolen Pinguin-Quartetts. Ihr Spin-Off darf in Form einer sich durch erfindungsreich die Popkultur zitierenden Agentenactionparodie („nicolas-cage them!“) das Dreamworks-Franchise weiter melken, neben TV-Serien, Kurzfilmen und Computerspielen.

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The Drop: Bargeld

Tom Hardy und James Gandolfini als Nobodys in einem allzu behäbig vor sich hin trottenden Brooklyn-Noir nach Dennis Lehane

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The Drop, Michaël R. Roskam, USA 2014
Kinostart: 04.12.2014, DVD/BD-Start: 16.04.2015
Story: Seit tschetschenische Gangster die Bar von Marv übernommen haben, wird dort Mafia-Bargeld durchgereicht. Nach einem Überfall müssen Marv und Barkeeper Bob es wiederbeschaffen. Letzterer bekommt Ärger mit Schläger Eric, dessen Pitbull-Welpen er rettet und so Ex-Freundin Nadia kennenlernt.
Von Max Renn

Stille Wasser gründen fraglos tief. So dachte sich der Belgier Michaël R. Roskam, bekannt geworden mit seinem oscarnominierten Arthaus-Testosterondrama „Bullhead“. Aber so viel Atmosphäre sein Unterwelt-Noir im heruntergekommenen winterlichen Hinterhof-New-York ausstrahlt, so sehr dümpelt Dennis Lehanes Drehbuch nach seiner eigenen Kurzgeschichte „Animal Rescue“ herum, ohne Emotionen zu wecken.

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Sea Fog

Der authentisch-atmosphärische Moralthriller um eine menschliche Tragödie auf hoher See ist verdient Koreas Auslandsoscarbeitrag 2015

Sea Fog Cover

Haemoo, Shim Sung-bo, ROK 2014
ohne deutschen Start
Story: 1998. Als sie nach einem Maschinenschaden knapp bei Kasse sind, entschließt sich der ungehobelte Kapitän eines Fischerkutters mit seiner einheimischen Crew Immigranten via China einzuschmuggeln. Der junge Maschinist Dong-sik verliebt sich sofort in die schöne Hung mei. Dann geschieht eine Katastrophe.
Von Gnaghi

Nachdem Bong Joon-ho mit seiner internationalen Premiere „Snowpiercer“ zurecht nicht zufrieden war, produzierte und schrieb er diesen im Sozialmilieu verorteten Verbund aus Humanismusdrama und Moralthriller, den sein langjähriger Autor Shim Sung-bo (Script zu „Memories of Murder“) mit erstklassigem Handwerk als stimmungsvolle, klaustrophobische und spannende Trawler-Tragödie auf düsterer See ausführt.

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Die Wochenstarts vom 20.11.2014

Diese Woche neu im Kino

Filmtitel Cover

Schnee- und leichenreicher Rachefeldzug eines Vaters gegen ein skurriles norwegisches Kartell, lakonisch blutig nach Vorbildern von Tarantino bis Kaurismäki angerichtet.

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Die Tribute von Panem – Mockingjay: Teil 1

Das dritte Abenteuer der SciFi-Reihe mit Jennifer Lawrence ist ein düster-behäbiges Kriegsdrama, das darauf wartet abzuheben.

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The Hunger Games: Mockingjay – Part 1, Francis Lawrence, USA 2014
Kinostart: 20.11.2014, DVD/BD-Start: 26.03.2015
Story: Im zerstört geglaubten, unterbunkerten Distrikt 13 kommen Katniss, ihre Familie und die überlebenden Tribute unter, wo Präsidentin Coin Katniss überzeugt, das Symbol der Rebellion zu werden. Ihre Liebe, der vom Kapitol gefangen gehaltene Peeta, sendet dieweil unter Zwang Falschinformationen aus.
Von Thorsten Krüger

In inzwischen vertrauter Profitgier-Routine wurde Suzanne Collins’ Buchtrilogie auf vier Blockbuster aufgeblasen, womit die in zwei Hälften aufgeteilte dritte Dystopie sich in bester Gesellschaft von „Harry Potter“, „Twilight“ und dem „Hobbit“ befindet. Im mit Stars gespickten, behäbig ausgebreiteten Kriegsdrama mit gelegentlichen SF-Elementen wartet man darauf, dass es richtig losgeht. Aber das passiert erst in einem Jahr.

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Anderswo

Durchwachsen und doch bewegend: Ester Amramis organisches Drama über eine doppelt heimatlos Selbstsuchende zwischen Berlin und Israel.

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Ester Amrami, D 2014
Kinostart: 29.01.2015
Story: Als der selbstzweifelnden Noa das Stipendium entzogen wird, weil niemand den Sinn ihres „Lexikon der unübersetzbaren Wörter“ versteht, flieht sie aus Berlin zu ihrer Familie nach Israel, wo sie sich ebenso wenig heimisch fühlt. Dann reist ihr deutscher Freund Jörg nach und will Antworten von ihr.
Von Sir Real

Man kann gewiss vermuten, dass die Sinn- und Heimatsuche, bzw. Heimatlosigkeit der Protagonistin im Diplomfilm der Babelsberg-Absolventin Ester Amrami auch persönliche Befindlichkeiten und Zerrissenheiten der in Israel geborenen Berlinerin abhandelt. Gemeinsam mit ihrem Mann Momme Peters entwickelte sie ein Verlorensein zwischen den Kulturen mehr als nur ein „Lost in Translation“, manchmal aber auch weniger.

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St. Vincent

Bill Murray als altes Raubein mit Herz hat das Potential zum Heiligen in einer heiter-ernsten Working-Class-Tragikomödie.

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Theodore Melfi, USA 2014
Kinostart: 08.01.2015, DVD/BD-Start: 14.05.2015
Story: Der pensionierte, verschuldete Vietnam-Veteran Vincent verbringt seine Zeit mit Perserkatze Felix, Whiskey, Pferdewetten und der schwangeren Hure Darka. Widerstrebend übernimmt er für die frisch geschiedene neue Nachbarin Maggie das Babysitten für ihren 12-jährigen Sohn Oliver, ganz auf seine Art.
Von Thorsten Krüger

Von politisch allzu korrekten (Moral)Vorstellungen lasterhaft Abstand nehmend, fügt Theodore Melfi in seiner selbst geschriebenen Komödie eine Underdog-Patchwork-Familie zusammen, die sich – abzüglich der Dysfunktionalität – mit „Little Miss Sunshine“ messen kann. Der Debütant ermöglicht Komiker-Legende Bill Murray („Grand Budapest Hotel“) frech, aber sympathisch seine beste Rolle seit Jim Jarmuschs „Broken Flowers“.

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Baymax – Riesiges Robowabohu

Baymax - Riesiges Robowabohu Cover

Big Hero 6, Don Hall, Chris Williams, USA 2014
Kinostart: 22.01.2015, DVD/BD-Start: 11.06.2015

Nun hat die Superhelden-Seuche auch noch Disney infiziert. Nach dem unverhofften Riesenhit „Die Eiskönigin“ – im Vergleich so viel liebenswerter als diese 3D-Entertainment-Fantasy – dient die unbekannte Marvel-Mini-Reihe „Big Hero 6“ (so auch der Originaltitel) als Gerüst für ein anspielungsreiches Comicfan-Universum im Softdrink/Popcorn-Look. Die langjährigen Maushaus-Mitarbeiter Don Hall und Chris Williams, die großartige Scripts für „Küss den Frosch“ und „Mulan“ verfassten, richten einen dürftig-unglaubwürdigen, charakterschmalen Plot auf Kinderniveau an, der sowieso nur den Anstoß zum Eskapismus gibt.

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Das Verschwinden der Eleanor Rigby

Einsamkeit, Liebe, Trauer: Unkonventionell und empfindsam spürt Ned Benson der existentiellen Orientierungslosigkeit eines Paares nach.

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The Disappearance of Eleanor Rigby: Them, Ned Benson, USA 2014
Kinostart: 27.11.2014, DVD/BD-Start: 07.05.2015
Story: Eine Tragödie hat das Traumpaar Connor und Eleanor getrennt. Nach einem Selbstmordversuch bricht sie jeden Kontakt ab, zieht zu Eltern und Schwester, um ein neues Leben anzufangen. Connor bleibt am Boden zerstört in seiner schlecht gehenden Bar zurück, gibt aber nie auf, sie noch zurückzugewinnen.
Von Sir Real

Ned Benson ist Amerikaner und er hat sein aus zwei Perspektiven erzähltes Diptychon „The Disappearance of Eleanor Rigby: Her“ und „Him“ zu einem Drama montiert, das beiden folgt, mehr ihr, als ihm. Der unkonventionelle Indie-Ansatz ist dagegen europäisch, angenehm unaufgeregt mit der Handkamera eingefangen. Der 37-Jährige Autorenfilmer vereint damit die Vorzüge der Nouvelle Vague mit der Kunst hochklassiger US-Dialoge.

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Life Itself

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Steve James, USA 2014
ohne deutschen Start

Beim Bestreben, die Biografie von Amerikas populärsten Filmkritiker Roger Ebert in eine Doku zu fassen, begleitete Steve James unbeabsichtigt die letzten Monate des 2013 im Alter von 70 Jahren an Schilddrüsenkrebs verstorbenen Publizisten, der seit den 60er Jahren für die Chicago Sun-Times Filme rezensierte. Obwohl er Eberts Leben nachzeichnet, porträtiert James vornehmlich die Liebe seiner Frau Chaz, die den von seiner Erkrankung Gezeichneten und bereits 2006 Verstummten – ihm fehlt der Unterkiefer, ein Anblick nur für Unerschrockene – pflegt.

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The Voices

Ryan Reynolds hört Stimmen: Übersteuerte Komödie und Schizo-Tragödie errichten ein Gruselkabinett mit unpassendem Schwenk zum Musical.

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Marjane Satrapi, USA/D 2014
Kinostart: 30.04.2015, DVD/BD-Start: 01.10.2015
Story: Der arglose Jerry hat zur Freude seiner Therapeutin einen Job als Lagerist in der Badewannenfabrik des Provinzkaffs Milton ergattert. Er fährt auf Buchhalterin Fiona ab, tötet sie aber versehentlich, woraufhin die Stimmen seiner Haustiere und ihr Kopf im Kühlschrank weitere Spielkameraden fordern.
Von Thorsten Krüger

Die iranische Künstlerin Marjane Satrapi, die ihrem Anspruch mal mehr (in der autobiografischen Animation „Persepolis“), mal weniger („Huhn mit Pflaumen“) gerecht wird, pausiert beim Autorenfilm und übernimmt sich etwas beim Versuch, der Aufgabenstellung „schwarze Killerkomödie“ originelle Aspekte zu entlocken. Unentschlossen verrührt sie „Office“-Satire, tragisches Psychodrama, Gore-Groteske und Serienmörderthriller.

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Jessabelle

Oft überhastete und oberflächliche Southern Gothic, die ihre Horrormystery aus Voodoo, Sümpfen und Rachegeistern aber originell auflöst.

Jessabelle Cover

aka Jessabelle – Die Vorhersehung, Kevin Greutert, USA, 2014, DVD/BD-Start: 26.11.2015
Story: Nach einem Autounfall, bei dem sie Freund und Ungeborenes verlor, kehrt die an den Rollstuhl gefesselte Jessabelle zur Genesung in das Familienanwesen ihres groben Vaters in die Bayous Louisianas zurück. Dort stellt ihr ein Geist nach und ein VHS-Band ihrer verstorbenen Mutter prophezeit ihren Tod.
Von David McAllan

Produzent Jason Blum, der von „Paranormal Activity“ über „Sinister“ und „Insidious“ bis „Oculus“ und „13 Sins“ (sowie soeben „Ouija“) an quasi jedem erfolgreichen Horrorhit der vergangenen Jahre beteiligt war, steht auch hinter dieser hübsch, aber hektisch bereiteten Southern Gothic aus den Sümpfen Südlouisianas, deren Script eine Klasse besser ausfällt als die Regie von Kevin Greutert, der Teil 6 und 7 der „Saw“-Reihe aufführte.

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Manolo und das Buch des Lebens

Die ganz dem Kommerzkalkül ergebene, kunterbunte 3D-Familienanimation ist mehr eine nervtötende Kiddie-Pop-Party denn ein Film.

Manolo und das Buch des Lebens Cover

The Book of Life, Jorge R. Gutierrez, USA 2014
Kinostart: 12.02.2015, DVD/BD-Start: 22.10.2015
Story: Die Götter La Muerte und Xibalba wetten, wer von den unzertrennlichen mexikanischen Kindheitsfreunden Manolo, Joaquin und Maria einander heiraten wird. Als die selbstbewusste Maria Manolo den Vorzug gibt, vergiftet ihn Xibalba. Im Totenreich sucht Manolo einen Weg, ihr seine Liebe zu beweisen.
Von Caroline Lin

Opulente Ornamentik, ausufernde Farbigkeit und eine bunt leuchtende Unterwelt – diese fantasievolle Gestaltung ist das Einzige, was sich über Jorge R. Gutierrez’ Animationserstling Positives vermelden lässt. Diese Pfründe verschleudert er aber für einen Chaos-Cartoon-Käse für begriffsstutzige Kids, bei dem es auch nicht hilft, dass ihn der Meister der Dark Fantasy, Guillermo del Toro („Pan’s Labyrinth“), mitproduziert hat.

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Bad Turn Worse

Indie-Thriller, der stimmungsstark-lyrisch einen Coming-of-Age-Noir um drei Freunde im Griff der Texas-Mafia strickt.

Bad Turn Worse Cover

aka We Gotta Get Out of This Place, Simon Hawkins, Zeke Hawkins, USA 2013
ohne deutschen Start
Story: Bevor Sue und ihr heimlicher Lover Bobby zum College fortziehen, verprassen sie und Sues Macho-Freund BJ im staubigen Texas Tausende Dollar. Nur hat BJ das Geld seinem brutalen Boss geklaut, weshalb der erst einen Unschuldigen umbringt und die Teens sodann zwingt, einen Gangsterking zu beklauen.
Von Thorsten Krüger

Was die Hawkins-Brüder nach zahlreichen Kurzfilmen als Debüt präsentieren, ist ein feiner Vertreter des Southern Western Noir Subgenres, ein Terrain, auf dem kürzlich auch „Blue Ruin“ und „Cold in July“ siedelten. Mit 70er-Touch authentisch an die Krimis von Jim Thompson („Getaway“) angelehnt, beruft sich die Gestaltung ferner auf Bogdanovichs „Die letzte Vorstellung“, Malicks „Badlands“ und „Blood Simple“ von den Coens.

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John Wick

Ein Mann und sein Hund: Keanu Reeves in einer realitätsfernen Rache-Action-Fantasie, in der sich die Gewaltspirale geistlos dreht.

John Wick Cover

David Leitch, Chad Stahelski, USA/CDN/CHN 2014
Kinostart: 29.01.2015, DVD/BD-Start: 04.06.2015
Story: Seine gerade verstorbene Frau Helen überließ Privatier John Wick nur Schoßhund Daisy, den der irre Iosef mit Gang in einem brutalen Überfall auf Johns Luxusvilla totschlägt. So zieht der Ex-Killer zur kompromisslosen Revanche an Iosef und seinem Russenmafiapapi los, dessen Imperium er einmal mit aufbaute.
Von Max Renn

Wut ist eine Todsünde, möchte man jenen zurufen, die derart hemmungslos Hollywoods ausgewachsenen Rache- und Waffenfetisch frönen und zugleich die seit der Krim-Invasion wieder gefragten hässlichen Russen vom Antagonisten-Stapel lassen, was hier noch unausgeglichener als in „The Equalizer“ ausartet. Für Keanu Reeves setzt sich damit die Serie seines künstlerisch qualitativ bescheidenen Outputs (siehe „47 Ronin“) fort.

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Ouija

Ouija Cover

aka Ouija – Spiel nicht mit dem Teufel, Stiles White, USA 2014
Kinostart: 22.01.2015, DVD/BD-Start: 04.06.2015

Die Teenie-Geisterhorrormystery um das namensgebende Hexenbrett ist bei weitem nicht so übel, wie sie klingt, haufenweise Verrisse amerikanischer Kritiker und der Trailer suggerieren. Die von Michael Bay koproduzierte Werbung fürs Hasbro-Spielbrett ist anders als deren Actionfiguren und -games „Transformers“, „G.I. Joe“ und „Battleship“ ein Halloween-Artikel und elementares Gimmick dutzender übernatürlicher Begegnungen, mehrfach sogar eigener Topos wie in Kevin Tenneys „Witchboard“-Reihe.

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Die Wochenstarts vom 06.11.2014

Diese Woche neu im Kino

Filmtitel Cover

Eine ganz private Doku und doch ein Politthriller: Die weltverändernde Woche im Juni 2013, als Edward Snowden die NSA-Totalüberwachung enthüllt.

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