Stonehearst Asylum

Stonehearst Asylum Cover

aka Eliza Graves, Brad Anderson, USA 2014
DVD/BD-Start: 28.01.2015

Zweierlei verwundert beim amerikanischen Genrespezialisten Brad Anderson: Wie ihm die Stars reihenweise nachlaufen – hier sind es gleich sieben britische Edel-Mimen – und wie er seit seinem Industrial-Psychodrama-Hit „Der Maschinist“ in so einen schauderhaft stereotypen, uninspirierten Modus schalten konnte. Seine Gothic-Thriller-Romanze im Weichzeichner-Setting eines viktorianischen Period Piece nach Edgar Allan Poes 1844 veröffentlichter Kurzgeschichte „The System of Doctor Tarr and Professor Fether“ ist lediglich biederer Durchschnitt.

In „Session 9“ besuchte Anderson schon 2001 ein Irrenhaus, von dessen unheimlichen Horrormystery hierin jedoch nichts mehr zu spüren ist. Der Gruselgehalt tendiert gegen Null, wenn Jungmediziner Dr. Newgate (Jim Sturgess, „Upside Down“) Weihnachten 1899 im zwischen verschneiten Bergen isoliert gelegenen Stonehearst Asylum eine Stelle bei Reform-Arzt Dr. Silas Lamb (Ben Kingsley, „Der Medicus“) antritt und von der keineswegs geisteskrank scheinenden, bildschönen Patientin Eliza Graves (Kate „Underworld“ Beckinsale) unverzüglich fasziniert ist.

(Nichts) Neues aus der Anstalt

Zwischen den Polen Romanze (bei der sich nur begrenzt Gefühle entfalten) und Thriller (die Irren haben das Institut übernommen und die Ärzteschaft im Verlies verschlossen) versucht Anderson wie bei „Shutter Island“ den schmalen Grat zwischen gesund und verrückt auszuforschen. Weder daraus noch aus seiner klaren Tendenz, die humanistischen Heilverfahren der Insassen gegenüber den barbarischen Foltermethoden der Doktoren als Progress anzusehen, vermag er echte Partizipation zu wecken. Die Maskerade hat nämlich weder Schwung, Emotionen, noch Ideen.

Da nutzen auch Schauspiel-Asse wie David Thewlis („The Zero Theorem“), Brendan Gleeson („Edge of Tomorrow“), Michael Caine („Die Unfassbaren“) und Jason Flemyng („Viy“) wenig. Sturgess als schreckhafte Fettnäpfchensuchmaschine ist oft komisch und in der altmodisch-abgestandenen Story nicht der einzige, der sich absurd und unglaubwürdig verhält. Für Anderson ist das nach den beiden schlechten „Die Herrschaft der Schatten“ und „The Call“ wenigstens ein kleiner Schritt nach vorne, den er mit einer schönen Überraschung krönt, die erst jene anrührende Gewitztheit zeigt, die man sich für den ganzen Film wünscht.

Max Renn

2 Gedanken zu „Stonehearst Asylum“

  1. Ein Fremdwort, ja. Stammt aber aus dem Lateinischen. Wir nehmen uns jedoch gerne einen Anglizismen-Amoklauf vor, klingt nämlich unwiderstehlich 😉

  2. Als „Progress“? Doch wohl eher als „Fortschritt“, oder?
    So langsam laufen die Anglizismen Amok, habe ich den Eindruck.

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