Dritte Person

Dritte Person Cover

Third Person, Paul Haggis, GB/USA/D/B 2013
Kinostart: 04.12.2014, DVD/BD-Start: 09.04.2015

Der zweifache Oscargewinner Paul Haggis, ausgezeichnet für „L.A. Crash“ und sein Drehbuch für „Million Dollar Baby“, webt wieder ein Episoden-Ensemble-Drama mit gleich sieben ausgewiesenen Charakterstars. Der am Bond-Relaunch durch seine Scripts zu „Casino Royale“ und „Ein Quantum Trost“ nicht unerheblich mitbeteiligte Kanadier ventiliert diesmal freilich nur viel heiße Luft, die er mit Emo-Pathos schwängert. Seine drei Storys haben nicht bloß durch schwachen Figuren, dröge Dialoge und fehlende Durchschlagskraft den Appeal von Schleuderware.

Nominell klingt das Triptychon aus Paris, Rom und New York verheißungsvoll: Olivia Wilde („Her“) überrascht Schriftsteller Liam Neeson („Ruhet in Frieden“), der sich kürzlich von seiner Frau Kim Basinger („Zwei vom alten Schlag“) trennte, im Pariser Hotelzimmer zum Schäferstündchen; Geschäftsdieb Adrien Brody („Grand Budapest Hotel“) will Moran Atias (aus Haggis‘ „72 Stunden“), einer wenig Vertrauen erweckenden Immigrantin in Italien, mit Geld aushelfen; das vormalige TV-Sternchen Mila Kunis („Blood Ties“) scheitert mit ihrer Anwältin Maria Bello („Prisoners“) im Sorgerechtsstreit mit Ex-Mann James Franco („Child of God“). Nur: Aus diesen Konstellationen entwickelt sich – nichts.

Mit Emo-Pathos geschwängert

Die konfliktären Romanzen und Beziehungskisten um Liebe, Lügen und Verrat dünsten Hollywood-Qualitätsanspruch fürs Zielpublikum aus jeder polierten Pore aus. Aber die idiotischen Protagonisten verursachen so unfähig Sorgen und Elend, dass sich Identifikationsmöglichkeiten auflösen. Dafür gibt es gestelzte Gefühlsausbrüche mit schluchzender Musik um persönliche Ausnahmesituationen, die Schuld, mangelnde Ehrlichkeit und Vergebung vielfach variieren. Mit derartiger die Darsteller auf Taschentuchautomaten reduzierender emotionaler Exploitation demaskiert sich Haggis als Snob, der sich selbst und dieses läppische Episodendrama viel zu wichtig nimmt.

Sir Real

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