Camp X-Ray

Kristen Stewart in einem subtil-traurigen Gefängnis- und Kommiss-Drama um ein wenig Menschlichkeit in einer stillen Hölle.

Camp X-Ray Cover

Peter Sattler, USA 2014
DVD/BD-Start: 23.04.2015
Story: Die idealistische Jungsoldatin Amy Cole tritt ihren Dienst im Hochsicherheitslager Guantanamo an. Obwohl der seit acht Jahren internierte Araber Ali sie zunächst mit Fäkalien bewirft und „Blondie“ schimpft, entwickelt Amy Mitgefühl. Eine Freundschaft entsteht, für die sie ihr Vorgesetzter schikaniert.
Von Thorsten Krüger

Nachdem Stewart ihr Talent für die unsägliche „Twilight“-Reihe lange genug verschwendet, wenn nicht verschüttet hat, holt sie es nun wieder hervor. Und es hat seit frühen Auftritten in „Panic Room“ und „Speak“, der erst jetzt hierzulande auf DVD erscheint, keinen Schaden genommen. Ein wenig flacher als ihre Performance in „Die Wolken von Sils Maria“ ist ihr Part im Debüt von Peter Sattler (Grafik-Designer bei „Star Trek“) indes schon.

Das gleicht ihr Gegenüber Peyman Moaadi (aus dem Oscargewinner „Nader und Simin – Eine Trennung“) mit intensiv-kräftigem Spiel aus. In dem menschlichen Drama, das wie ein kleines Off-Broadway-Theaterstück in beengter Lokalität vornehmlich auf die Dialoge der beiden konzentriert, passt ihr nuanciert-unglamouröser Ansatz gut zu jenem Sattlers, der leise und traurig eine Geschichte um eine verbotene Freundschaft unterbreitet.

Bedrückender, monotoner Gefängnisalltag

Aus dem Gulag in der US-Exklave auf Kuba, von Barack Obama trotz gegenteiliger Ankündigung nie geschlossen, schreit uns Sattler kein empörtes Anklagepamphlet entgegen. Er verzichtet auf die Schlichtheit – und Eindringlichkeit – von „Fünf Jahre Leben“ über Murat Kurnaz’ Haftzeit, er zeigt auch keine Foltermethoden wie Errol Morris’ Doku „Standard Operating Procedure“ über die abstoßenden Praktiken im irakischen Abu Ghureib.

Misshandlungen finden hier eher beiläufig statt oder man erfährt nur verbal von ihnen. Die Insassen sind „Detainees“ und keine „Prisoners“, denn für die gelten die Genfer Konventionen – und die sind in Gitmo (Army-Slang) unerwünscht. Amys Job ist nicht zu verhindern, dass sie fliehen, sondern zu verhindern, dass sie sterben. Der Anfang eines bedrückend monotonen Gefängnisalltags, der an den stupiden „Jarhead“-Dienst erinnert.

Harry-Potter-Fan aus Guantanamo

Unter Kameraden, die allesamt Knackhirne sind, entwickelt Amy als einzige Empathie und wird wütend auf diesen Zoo mit kleinen Käfigen, wo Einzelhaft und Isolation sich auch auf die Aufseher übertragen. Somit sind nicht nur die Häftlinge chronisch selbstmordgefährdet. Dafür wird sie schikaniert, sexuell belästigt und ausgegrenzt, was auch einiges über die verheerende mentale Stumpfheit des amerikanischen Militärs aussagt.

Ohne große Gesten besingt Sattler die filigrane Bande zwischen ihr und einem Mann, der seit acht Jahren ohne Anklage und Rechtshilfe eingesperrt ist, in einem ungemütlichen Zellentrakt, in dem jeder psychisch krank wird und zwischen Aggression und Depression pendelt. Dass der Harry-Potter-Fan aus Guantanamo ein wenig Menschlichkeit in seiner stillen, aseptischen Hölle erfährt, wirkt am Ende emotional stark nach.

Ein Gedanke zu „Camp X-Ray“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.