Bad Turn Worse

Indie-Thriller, der stimmungsstark-lyrisch einen Coming-of-Age-Noir um drei Freunde im Griff der Texas-Mafia strickt.

Bad Turn Worse Cover

aka We Gotta Get Out of This Place, Simon Hawkins, Zeke Hawkins, USA 2013
ohne deutschen Start
Story: Bevor Sue und ihr heimlicher Lover Bobby zum College fortziehen, verprassen sie und Sues Macho-Freund BJ im staubigen Texas Tausende Dollar. Nur hat BJ das Geld seinem brutalen Boss geklaut, weshalb der erst einen Unschuldigen umbringt und die Teens sodann zwingt, einen Gangsterking zu beklauen.
Von Thorsten Krüger

Was die Hawkins-Brüder nach zahlreichen Kurzfilmen als Debüt präsentieren, ist ein feiner Vertreter des Southern Western Noir Subgenres, ein Terrain, auf dem kürzlich auch „Blue Ruin“ und „Cold in July“ siedelten. Mit 70er-Touch authentisch an die Krimis von Jim Thompson („Getaway“) angelehnt, beruft sich die Gestaltung ferner auf Bogdanovichs „Die letzte Vorstellung“, Malicks „Badlands“ und „Blood Simple“ von den Coens.

Die Ballade im atmosphärischem Look aus Nachtblau, Wüstenstaub und Rostfarben im Klang von ländlichem Folk und unheilvollem Ambient findet den Berührungspunkt zwischen zärtlich-melancholischer Charaktestudie, Teen-Spirit-Drama und tragischem Kriminalthriller. Ein heimliches Pärchen wird mehrfach erpresst, verprügelt, mit sexueller Gewalt bedroht und erfährt, wie eigene Träume an einer trostlosen Realität zerschellen.

Selbst der Sheriff ist korrupt kriminell

Ganz phantastisch ist der untersetzte, nett-sensible Bob, gespielt von Jeremy Allen White, der mit verschlafenem Rocky-Blick und Pokerface wie ein junger James Caan fasziniert – eine echte Entdeckung. Auch Mackenzie Davis („Für immer Single?“) steht ihm überzeugend als reif-gebildetes Girl zur Seite, derweil Logan Huffman beide als tumb-feiges, aber gefährliches Draufgänger-Spatzenhirn bedenkenlos immer tiefer ins Verderben stürzt.

Er hält den Mord an einem Mexikaner, den sie verscharren müssen und die Erpressung zum Überfall eines Lokalmafiosi (Cameo von Veteran William Devane, „Interstellar“) für einen Spaß, dabei ist es keine Räuberpistole, sondern das angekündigte Ende ihrer Zukunft, die sich Sue und Bobby so dringend ersehnen. Denn aus der eintönigen Baumwollfabriken-Wüstenei, wo selbst der Sheriff korrupt kriminell ist, muss man einfach fliehen.

Figuren, mit denen man fühlt

In der gefährlichen Gemengelage um falsche und echte Waffen und mehrfachen Betrug wird es schließlich hässlich, was übertüncht, wie altbekannt und überraschungsarm der am Ende lapidare Noir doch ist. Aber der verwegene Schmiedeguss, unter dem Titel „We Gotta Get Out of This Place“ im Nachtslot des diesjährigen Fantasy Filmfest versteckt, hat genuines Pastiche, ehrliche Dialoge und dreidimensionale Figuren, mit denen man fühlt.

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