Jessabelle

Oft überhastete und oberflächliche Southern Gothic, die ihre Horrormystery aus Voodoo, Sümpfen und Rachegeistern aber originell auflöst.

Jessabelle Cover

aka Jessabelle – Die Vorhersehung, Kevin Greutert, USA, 2014, DVD/BD-Start: 26.11.2015
Story: Nach einem Autounfall, bei dem sie Freund und Ungeborenes verlor, kehrt die an den Rollstuhl gefesselte Jessabelle zur Genesung in das Familienanwesen ihres groben Vaters in die Bayous Louisianas zurück. Dort stellt ihr ein Geist nach und ein VHS-Band ihrer verstorbenen Mutter prophezeit ihren Tod.
Von David McAllan

Produzent Jason Blum, der von „Paranormal Activity“ über „Sinister“ und „Insidious“ bis „Oculus“ und „13 Sins“ (sowie soeben „Ouija“) an quasi jedem erfolgreichen Horrorhit der vergangenen Jahre beteiligt war, steht auch hinter dieser hübsch, aber hektisch bereiteten Southern Gothic aus den Sümpfen Südlouisianas, deren Script eine Klasse besser ausfällt als die Regie von Kevin Greutert, der Teil 6 und 7 der „Saw“-Reihe aufführte.

Mal zu pomadig, meist viel zu hastig montiert er die Schauergeschichte und wählt auch die Bildausschnitte suboptimal, sucht wenig Stimmungen, womit die Atmosphäre etwas kurz kommt. Die PG-13-Mischung aus Scott Derricksons Videotapehorror „Sinister“ , Iain Softleys Sumpfgeheimnis „Der verbotene Schlüssel“ und Peter Medaks Fluchgespinst „Das Grauen“ mag ausnehmend klischeelastig, suggestiv und seifenoperartig sein.

Das Familiengeheimnis hat es in sich

Aufgrund des deutlich gehobeneren Drehbuchs von Robert Ben Garant, der sonst Komödien wie „Nachts im Museum“ schreibt, hat aber vor allem der in Richtung von „The Others“ und „Das Waisenhaus“ gehende Twist (ohne damit zu viel zu verraten) die Raffinesse, die ein fähigerer Regisseur dem ganzen Film verliehen hätte. Somit flackert das Interesse an „Jessabelle“, aber es verlischt nie, weil Mystery und Horrordrama glücken.

Obwohl die Hauptdarstellerin von der Regie nicht sonderlich gut geführt wird, sieht man der rotblonden Südstaatenschönheit Sarah Snook („Predestination“) gerne zu, wie sie die VHS-Bänder ihrer bei der Geburt an einem Tumor verstorbenen Mutter findet, wo diese ihr die Tarotkarten legt, die Angriffe durch einen weiblichen Geist und ihren Tod voraussehen. Das Familiengeheimnis um Voodoo und brutale Taten hat es in sich.

Nichts für Gourmets, aber goutierbar

Das schön am See gelegene Familienanwesen und der – nicht auf düster getrimmte – hell und dunkel variierende Look entschädigen oft genug für die zwischenmenschlich so knapp gehaltene Suche mit einem verheirateten High-School-Freund, dass sich charakterlich nichts auftut und alles so skizzenhaft lapidar bleibt wie der Aberglaube billig. Insgesamt nichts für Gourmets, die perfekte Menüs schätzen, aber zweifellos goutierbar.

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