The Voices

Ryan Reynolds hört Stimmen: Übersteuerte Komödie und Schizo-Tragödie errichten ein Gruselkabinett mit unpassendem Schwenk zum Musical.

The Voices Cover

Marjane Satrapi, USA/D 2014
Kinostart: 30.04.2015, DVD/BD-Start: 01.10.2015
Story: Der arglose Jerry hat zur Freude seiner Therapeutin einen Job als Lagerist in der Badewannenfabrik des Provinzkaffs Milton ergattert. Er fährt auf Buchhalterin Fiona ab, tötet sie aber versehentlich, woraufhin die Stimmen seiner Haustiere und ihr Kopf im Kühlschrank weitere Spielkameraden fordern.
Von Thorsten Krüger

Die iranische Künstlerin Marjane Satrapi, die ihrem Anspruch mal mehr (in der autobiografischen Animation „Persepolis“), mal weniger („Huhn mit Pflaumen“) gerecht wird, pausiert beim Autorenfilm und übernimmt sich etwas beim Versuch, der Aufgabenstellung „schwarze Killerkomödie“ originelle Aspekte zu entlocken. Unentschlossen verrührt sie „Office“-Satire, tragisches Psychodrama, Gore-Groteske und Serienmörderthriller.

Als gut aussehendes, aber grenznaives Honigkuchenpferd führt Ryan Reynolds („R.I.P.D.“) die Starliste an, himmelt Ex-Bond-Girl Gemma Arterton an, merkt weder, wie sehr sie ihn verschmäht, noch wie Anna Kendrick („Up in the Air“) – süßer denn je – ihn heimlich anschmachtet, während er seiner Therapeutin Jacki Weaver („Magic in the Moonlight“) die Stimmen verschweigt, die er seit dem Absetzen seiner Medikamente hört.

Flucht in eine grelle Scheinwelt

Into the Mind of a Killer: Die Idee, klammheimlich alles aus der Erlebniswelt eines psychisch kranken Serienkillers von Ed-Gein-Dimensionen zu erzählen, erlaubt Satrapi zunächst eine bonbonbunte Polonaise in knalligen Primärfarben, eine überkandidelte Spott-Posse um Büroluder und Dating-Hoffnungen. Zwei Haustiere, Hund Bosco und Katze Mr. Whiskers, lassen vortrefflich sarkastische Sprüche wie bei „Ted“ vom Stapel.

Die Happy-World geht zu Bruch, als Jerry seine Pillen schluckt und er sich verlassen in seiner stinkenden Bude wiederfindet, ein Madman, der Köpfe im Kühlschrank und Leichenteile in Tupperware konserviert. Seine Flucht in eine grelle Scheinwelt, der Kampf gegen seine Natur verliert an Tragik, wenn Satrapi lieber ein surreales Musical mit Jesus-Karaoke bedient, als die Krux eines Killers ohne böse Absichten. Zwiespältig.

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